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Altenburg Gigantischer Aufwand bei Sanierung der Altenburger Gnadenkapelle
Region Altenburg Gigantischer Aufwand bei Sanierung der Altenburger Gnadenkapelle
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15:11 13.08.2019
Sieht derzeit aus, wie ein hohes Hallenstadion: Die Gnadenkapelle in Altenburg mit ihrem Wetterdach, das während des Neubaus der Dachkonstruktion das Innenleben für Witterungseinflüssen schützt. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Es hämmert, bohrt und surrt an allen Ecken und Enden. Zwischen schwer beschäftigten Bauarbeitern und unterhalten sich zwei Kollegen am 25-Meter-Kran über die nächsten Schritte. Zwischendrin gibt es im Inneren eine große Staubwolke, die sich auch draußen bemerkbar macht. Die geschäftige Geräuschkulisse hört man schon einige Meter vor der Altenburger Gnadenkapelle. Von dem früheren Gotteshaus in der Carl-von-Ossietzky-Straße 13 ist indes nur noch wenig zu sehen. Vollständig eingerüstet, im oberen Teil mit Planen verhüllt und mit einem separaten Wetterdach versehen, präsentiert sich das 1868/69 erbaute Denkmal derzeit.

Als nächstes verschwindet das Original-Dach

Seit dem scharfen Start zur Sanierung der Gnadenkapelle vor etwas mehr als einem Monat hat sich viel getan. Das Bemerkenswerteste ist zweifellos das knapp 400 Quadratmeter große blecherne Überdach, das seit Donnerstag der Vorwoche die marode Dachkonstruktion und das Innere des Hauses gegen Regen schützt. „Man wundert sich, wie das noch hält“, sagt Eigentümer Enrico Landgraf beim Blick auf morsche und verfaulte Holzbalken im Obergeschoss. Damit das beim Bau vor 150 Jahren verpfuschte Dach demontiert werden kann, wurde im einstigen Kirchensaal ein Metallgerüst aufgestellt. Das Ganze sieht aus wie eine gigantische Zwischendecke. Die brauchen die Handwerker auch, um die entscheidenden Stellen zu erreichen.

Eigentümer Enrico Landgraf gewährt während der Sanierung Einblick in den Wandel der Gnadenkapelle. Dabei werden die Schäden durch den früheren Baupfusch offenbar.

„Jetzt kommen die Ziegel und die Lattung runter“, skizziert Architekt Christian Heidrich die nächsten Schritte. Danach werde das komplette Dach abgebaut. Das soll ab Mittwoch geschehen und binnen etwa zwei Wochen abgeschlossen sein. „Dabei muss man gefühlvoll vorgehen“, sagt der Altenburger, der dreimal pro Woche auf der Baustelle ist. „Die sieht ordentlich aus“, sagt Eigentümer Landgraf bei seinem Besuch am Freitag in fast bewunderndem Ton. „Hier stockt nichts, ich bin guter Dinge.“

Ziel: Abschluss der Sanierung zum Denkmaltag 2020

Nach dem Dach inklusive neuem Dachstuhl sei die Fassade dran, dann gehe es mit dem Trockenbau an die Grundrisse sowie die Vorinstallation für Sanitär und Co., erklärt Heidrich. Im Idealfall komme vor Weihnachten noch der erste Estrich rein, ehe ab Februar Maler-, Boden- und weitere Innenarbeiten geplant seien. „Ziel ist, zum Denkmaltag nächstes Jahr weitestgehend fertig zu sein“, sagt Landgraf, der in Leipzig Steuerberater ist. Druck wie im Wohnungsbau wolle er aber keinen machen. „Ich will mir auch für die Farbauswahl und andere Dinge Zeit lassen.“

Eine gute Einstellung, wie Jürgen Fröhlich findet. „Soweit ich mich erinnere, ist es das erste Wetterdach bei einer privaten Denkmalsanierung“, sagt der Mitarbeiter der Unteren Denkmalschutzbehörde der Stadt. Das habe er bislang nur bei öffentlichen Baustellen erlebt. „Schließlich ist das ein ziemlicher Kostenaufwand.“ Überhaupt seien die Herausforderungen einer Denkmalsanierung nicht zu unterschätzen.

Mit Engagement spart sich Eigentümer teures Gutachten

Davon kann Landgraf ein Lied singen und illustriert es anhand der Geschichte des Deckengemäldes im früheren Kirchensaal. Hier stellte sich die Frage, ob es nur überstrichen wurde und sich vielleicht noch ganz oder teilweise unter anderen Farbschichten befindet. Um das herauszufinden und weitere (Bau-) Schritte gehen zu können, wäre ein mehrere tausend Euro teures Gutachten nötig geworden. Um das und den damit verbundenen Verzug zu vermeiden, setzte sich der 47-Jährige selbst ins Staatsarchiv und fand heraus, dass das Deckengemälde 1958 belegbar vollständig ausgewaschen worden war. Glück gehabt.

Doch der Leipziger würde das Projekt nicht stemmen, wenn er keine Lust darauf hätte. Im Gegenteil. Das geht nur mit Herzblut. Das zeigt auch der Fakt, dass er plant, für einen Tag nach Erfurt zum Restaurator zu fahren, um beim Wiederherstellen der kunstvollen Bleiglasfenster zuzuschauen. Auch an diesen zeigt sich der Aufwand. Sie wurden vor einigen Wochen mit Rahmen nach Erfurt gebracht. Dort entnahm der Restaurator die einzelnen Glasteile und dokumentierte jedes Stückchen per Foto. Dann gingen die Rahmen nach Altenburg zurück. Ein Prozedere, das sich nach Abschluss der Arbeiten in umgekehrter Reihenfolge wiederholen wird.

Bleiglasfenster erst 25 Jahre nach Bau hinzugekommen

Gleiches gilt übrigens für die Orgel, bei der jede Schraube, jede Orgelpfeife beschriftet und bebildert wurde, um sie nach der Einlagerung und Überprüfung durch einen Bautzner Orgel-Profi wieder exakt an jener Stelle einzusetzen, wo sie zuvor waren. „Das unterscheidet ein solches Projekt von der Sanierung eines denkmalgeschützten Wohnhauses“, so Fröhlich. Und Architekt Heidrich setzt noch einen drauf: „Das alles muss man anschließend mit heutigen Sicherheits- und Brandschutzstandards in Einklang bringen. Wahnsinn.“ Insbesondere vor dem Hintergrund, dass das einstige Gotteshaus nach der Sanierung zum Kulturtempel mit regelmäßigen Veranstaltungen werden soll.

Erstaunlich sind aber auch andere Erkenntnisse, die Landgraf im Staatsarchiv zu Tage förderte. Demnach wurden die Bleiglasfenster der Gnadenkapelle erst zur 25-Jahr-Feier der katholischen Kirchgemeinde anno 1894 eingebaut. Zur Übergabe spendierte der seinerzeit mit der Herstellung beauftragte Professor Johannes Haselberger aus Leipzig der Gemeinde, die erst jüngst ihren 150. Geburtstag feierte und einen neuen Pfarrer bekam, ein zusätzliches Fenster: das runde mit Jesus darauf zur Haeckelstraße. „Es war ein Geschenk“, sagt Landgraf und verblüfft damit sogar Jürgen Fröhlich: „Das habe ich noch nicht gewusst.“

Von Thomas Haegeler

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