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Altenburg Groß, größer, Zechau: Fußballer feiern mit Feuerherz, Prince Damien & Co.
Region Altenburg Groß, größer, Zechau: Fußballer feiern mit Feuerherz, Prince Damien & Co.
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17:49 01.07.2019
Tanzfieber in Zechau: Je später der Abend, desto ausgelassener die Party. Quelle: Mario Jahn
Zechau

Dieser Tag bleibt unvergesslich – für die Zechauer, Kriebitzscher und Hunderte ihrer Gäste. „Dankeschön Zechau!“, hallt es am Samstag immer wieder in den Abend, gerufen von den Stars und Sternchen, die sich auf der großen Bühne neben dem Sportplatz ein Stelldichein geben. Dort steigt eine beispiellose Geburtstagsfeier: Der SV Blau-Weiß Zechau-Kriebitzsch, genau genommen dessen Fußball-Sektion, zelebriert ihr 100-jähriges Bestehen. Und ein halbes Dutzend namhafter Künstler singt den Kickern ein Ständchen.

Eine Gemeinde im Ausnahmezustand. Seit Wochen schon hat der Verein für das Großereignis die Werbetrommel gerührt. Tanzfieber! So nennen sie die Party, die im Ort alle Dimensionen sprengt. Bis in die umliegenden Großstädte haben sie dafür geworben, haben für das Mammutprojekt sechsstellig investiert. „100 wird man nur einmal. Heute wollen wir mal ein Zeichen setzen“, sagt René Hucke, der Hauptorganisator.

Europas größte transportable Bühne in Zechau

Und der Verein hat nichts dem Zufall überlassen. Was sich am Samstagabend am Rande des Sportplatzes abspielt, ist seit Herbst letzten Jahres minutiös geplant. Vom Showprogramm bis zum Catering, von den THW-Scheinwerfern auf dem Parkplatz bis zu den Toiletten-Containern mit Vogelgezwitscher – ein Kraftaufwand bis ins Detail. Der Höhe-Punkt im ansonsten flachen Gelände: Die laut Anbieter größte transportable Bühne Europas. Rund 170 Quadratmeter in der Fläche, gut zehn Meter hoch. Matthias Brommbeer, Chef der Frequenz Systems Veranstaltungstechnik GmbH aus Quedlinburg, hat die „Smartstage“ nach Zechau gebracht. Und die Bühnentechnik gleich mit. „Die Musikanlage hat 16 000 Watt“, erzählt er. Gesamtstromverbrauch durch Bild-, Licht- und Tontechnik: rund 200 Kilowatt.

Umfassendes Sicherheitskonzept

Zu viel fürs Zechauer Stromnetz. Die Organisatoren haben große Aggregate aufgestellt, die die Energie für diesen Abend liefern. „Unsere Fußballer und andere Helfer haben extra Gräben gezogen und die Kabel in die Erde gebracht“, schildert der Zechauer Unternehmer Heiko Hucke, der Bruder des Hauptorganisators und zugleich größter Sponsor des „Tanzfiebers“. Niemand soll im Gedränge der Massen über Strippen stolpern. Das gehört zum Sicherheitskonzept, genauso wie die Fluchtwege und die Security. Auch an Parkplätze ist gedacht: Auf einem Feld neben dem Festareal sind 1500 Stellflächen entstanden – „die Agrargenossenschaft Kriebitzsch hat extra ganz flach abgemäht, um die Brandgefahr einzudämmen“, sagt Heiko Hucke.

Autogrammstunde in Altenburg mit Feuerherz, Maria Voskania und Thomas Katrozan. Quelle: Mario Jahn

Wirklich voll wird der Platz am Samstag nicht. Die Zahl der Gäste bleibt hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Doch die, die kommen, sind zum Teil weit gereist – manche gar Hunderte Kilometer. Sie wollen Musiker sehen, die sie sonst nur im Fernstehen erleben: Prince Damien, den Sieger der 2016er-Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS), die 2017er-DSDS-Finalistin Maria Voskania, Lou Bega mit seinem Welthit „Mambo No 5“, die Boygroup Feuerherz, die niederländische Hermes House Band mit ihren Partykrachern. Lokalmatador Thomas Katrozan, DSDS-Finalist von 2016, steigt ebenfalls auf die Bühne. Ein Star zum Anfassen, der seinen Fans an der Ecke des Cateringzeltes Autogramme gibt und sich auch Zeit für Selfies mit seinen Bewunderern nimmt.

Das Publikum: Die größten Fans kommen schon nachmittags

Die meisten wollen einfach nur Spaß haben. „Wenn hier in der Region ein so großes Ereignis stattfindet, müssen wir dabei sein, Party machen und die Atmosphäre genießen“, sagt Besucherin Christine Gentsch. Sie ist mit ihren „Mädels“ gekommen, fünf Freundinnen. Auch zwei Männer durften mit. Mit jeder Menge Selfies dokumentiert die Gruppe den ausgelassenen Abend. Die Männertruppe um Sebastian Schöne hat sich Tickets gekauft, um beim Bierchen für den guten zweck zu entspannen. „Was gibt es Sinnvolleres, als einen engagierten Verein bei seiner Geburtstagsfeier zu unterstützen?“, konstatierte Sebastian Schöne.

Andere sind als überzeugte Fans vor Ort. Direkt vor der Bühne tummeln sich zahlreiche Frauen und Mädchen, die vor allem auf die Boygroup Feuerherz warten. „Wir reisen ihnen fast jedes Wochenende zu ihren Konzerten nach“, erzählt eine Jugendliche, die mit mehreren Gleichgesinnten unterwegs ist. Ein paar Hundert Kilometer Distanz spielen da keine Rolle.

„Einige Teenager waren schon zwei Stunden vor dem eigentlichen Einlass da. Sie sind Fans von Prince Damien und hatten sich - wie ihr Idol - mit dem markanten Muster die Augenbrauen geschmückt“, erzählt Rayk Drodowsky. „Sie wurden sogar etwas eher auf das Festgelände gelassen und wegen der Hitze mit Getränken versorgt.“ Rayk Drodowsky war am Samstagabend fürs Flüssige zuständig – als einer von 25 Mitarbeitern des Getränkehandels Wittig, der zusammen mit der Fleischerei Zschammer und Renate „Letscho“ Gärtner das Catering verantwortete.

Und wo so viel gute Laune ist, dürfen auch die Jüngsten länger aufbleiben. Die achtjährige Lynn ist mit ihrem Papa und seiner Partnerin gekommen. „Es toll, so lange wach bleiben zu dürfen“, sagt sie, als die Uhr gerade 22.30 Uhr zeigt. Der Papa ergänzt: „Sie ein ganz großer Fan der Band Feuerherz und nur deretwegen da.“ Da mussten die Erwachsenen eben mit. Doch sie haben es nicht bereut. Als Feuerherz eine Sirtaki-Einlage gibt, hält es selbst die Security-Leute im abgesperrten Bereich vor der Bühne nicht mehr und sie tanzen mit. Christiane Leißner

Auf Pannen folgt überschwängliche Begeisterung

Es wird ein Abend im Wechselbad der Gefühle. Auf Schreckmomente folgt Begeisterung. Der erste Schreck kommt gleich zu Beginn: Sirenengeheul – erst ein Dachstuhlbrand in Kriebitzsch, dann noch ein gestrandetes Fahrzeug mit auslaufenden Betriebsstoffen. Mitten im Anreiseverkehr zum Konzert gibt es dadurch massive Behinderungen auf der B 180 und auf der Straße zwischen Rositz und Zechau, was viele Besucher ausbremst. Ärgerlich sind auch ein paar Pannen auf der Bühne. So hakt bei Prince Damien plötzlich das Halb-Playback, ein Titel muss abgebrochen werden. Zudem ziehen sich Probleme mit den Ohrstöpseln durch den Abend. Die kleinen technischen Helfer, mit denen die Sänger die Musik so hören sollen, wie sie das Publikum wahrnimmt, streiken immer wieder. Einige Künstler entledigen sich der Verkabelung.

Lucy aus dem Publikum beeindruckt

Prince Damien singt mit Lucy. Quelle: Mario Jahn

Und sie beweisen, dass sie nicht nur Stimme, sondern auch Unterhaltungstalent und Improvisationsgabe haben. Da steigt Maria Voskania mal eben von der Bühne, kuschelt sich ins Publikum und singt „Tausendmal berührt“. Prince Damien unterhält die Fans mit Mitmachspielen, während die Techniker nach Problemlösungen suchen. Und als ihm – auch das noch! – beim Tanzen der Schnürsenkel aufgeht, reicht er das Mikro ins Publikum. Es ist die Sternstunde für Lucy: Die 18-Jährige singt spontan „Stay with me“, beschert mit atemberaubender Stimme dem Publikum Gänsehaut – und wird von Prince Damien zum Duett auf die Bühne geholt. „Singen ist mein Hobby. Und ich hoffe, irgendwann mehr daraus machen zu können“, erzählt die Auszubildende. Ihr Idol, fügt Lucy Bröker hinzu, sei die Gruppe Feuerherz. Für die Jungs ist sie am Samstag extra Hunderte Kilometer aus Nordrhein-Westfalen angereist, zusammen mit ihren Freundinnen.

Finale mit Hermes House Band

Was für ein Jubel, als Feuerherz schließlich die Bühne betreten. „Was für’n verdammt guter Tag“, schmettern sie ihrer Fangemeinde entgegen – und stoßen mit einem symbolischen Bierchen auf den SV Zechau an. Schließlich sind es die Fußballer, die an diesem Abend im Mittelpunkt stehen sollen. So auch beim furiosen Finale mit der Hermes House Band: Die lässt drei riesige Luftballons im Fußballdesign ins Publikum fliegen. Als die Niederländer spielen, tanzt und singt die ganze Festwiese. Ausgelassene Partystimmung bis weit nach 1 Uhr.

100 Jahre Fußball: Für den SV Blau-Weiß Zechau/Kriebitzsch ein Grund, um ganz groß zu feiern. Am Samstag lud der Verein zum Tanzfieber. Stars von Feuerherz bis Hermes House Band, von Maria Voskania bis Thomas Katrozan ließen es krachen. Und das Publikum hatte reichlich Spaß,

„Ein grandioser Abend“, jubelt David Hucke, der SV-Vorsitzende. „Und ich bin tierisch aufgeregt.“ Anfangs habe er unter den rund 240 Vereinsmitgliedern viel Überzeugungsarbeit leisten müssen – „weil sie Bedenken hatten, dass wir uns mit diesem Riesen-Event übernehmen“, schildert der 32-Jährige. Und ja, ein Mehr an Gästen wäre schön gewesen. „Aber was soll’s: Wir feiern uns selbst!“, sagt David Hucke. „So wie heute haben wir wahrscheinlich in 100 Jahren noch nie gefeiert.“

Die Jubiläums-Mannschaft

100 Jahre Fußball in Zechau: Das wurde nicht nur mit dem „Tanzfieber“ am Sonabend gefeiert, sondern auch sportlich gewürdigt. So gab es am Sonntag auf dem Sportplatz ein buntes Programm rund um den Fußball, bei dem vor allem Kinder ihren Spaß haben sollten. Und bereits am Freitag liefen die 1. Männermannschaften von Zechau/Kriebitzsch und Rositz auf, um freundschaftlich die Kräfte zu messen. Ein Duell zweier Hundertjähriger – haben doch auch die Rositzer dieses Jahr – konkret am 16. November – ein dickes Jubiläum im Kalender, planen eine Festveranstaltung im Rositzer Kulturhaus ähnlich den einstigen Sportgalas.

Die rund 70 Zuschauer bekamen in der insgesamt sehr fairen Partie unter Leitung von Schiedsrichter Bernd Wirth einiges geboten. „Trotz des Klassenunterschieds hielten die Zechauer vor allem in der ersten Halbzeit sehr gut mit“, lobte der Präsident des SV Rositz, Jörg Meuschke. Aber beizeiten ging der Kreisoberligist aus Rositz durch einen Doppelpack durch Tino Grünewald in der achten und zehnten Minute mit 2:0 in Führung. Routinier Dieter Ditscher legte in der 56. Minute zum 3:0-Endstand nach. „Zechau hat über die gesamte Distanz gut dagegen gehalten und ein sehr ordentliches Spiel abgeliefert, wenngleich die Hitze von allen Tribut forderte“, bilanzierte Meuschke. „Es war ein faires Spiel, bei dem das Ergebnis untergeordnet war“, resümierte auch Reinhard Richter, Sektionsleiter Fußball beim Kreisligisten SV Blau-Weiß Zechau/Kriebitzsch.

Zuvor waren der Thüringer Fußballverband und der Kreissportbund in Aktion getreten, um langgedienten Ehrenamtlichen im Zechauer SV die Ehrennadel in Gold, Silber oder Bronze zu verleihen. Bronze erhielten Mike Fischer, Jens Hauschild, Mario Geenen und Dietmar Schuster, Silber ging an Werner Weigel und Reinhard Richter, Gold an Klaus Biernat und Stefan Möckel.KW/jw

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