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Altenburg Großer Bahnhof am Bahnhof: Altenburg lässt alte Zeiten hochleben
Region Altenburg Großer Bahnhof am Bahnhof: Altenburg lässt alte Zeiten hochleben
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19:37 24.09.2017
Mit großer Spannung erwarteten viele Besucher die Ankunft der Dampflok und Waggons der Deutschen Reichsbahn aus Richtung Leipzig. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Es war ein historischer Augenblick, der am Samstag auf dem Altenburger Bahnhof gefeiert wurde: 175 Jahre Bahnverbindung zwischen Leipzig und Altenburg, zwischen Skat- und Messestadt.

Entsprechend groß war auch der Andrang am Altenburger Bahnhof. Niemand wollte sich scheinbar das Ereignis entgehen lassen. Dicht an dicht standen die Gäste am Bahngleis. Um 16.44 Uhr rollte sie dann ein: Die Dampflokomotive 41 11 44 – dahinter Waggons der Deutschen Reichsbahn. Vollbesetzt mit Passagieren aus Leipzig und Neukieritzsch. Die Dampflokomotive war von der „Interessengemeinschaft Eisenbahnfreunde Werrabahn“ auf die Gleise gestellt worden. Los ging die Tour in Leipzig-Plagwitz, weiter über Neukieritzsch nach Altenburg. Begrüßt wurde der Zug und seine Gäste mit einem Konzert des Orchesters „DaCapo“ der Musikschule Schmölln.

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„Die Bahn ist heutzutage nicht mehr wegzudenken“, sagte Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) bei einer Ansprache im Bahnhofsgebäude. „Sie ist für die Wirtschaft schon immer ein wichtiger Antrieb gewesen und verbindet uns über Landesgrenzen hinweg mit der Stadt Leipzig.“

Große Augen machten Jung und Alt, während sie den für eine Stunde im Bahnhof verweilenden Zug betrachteten. Auch wenn die Lok fast leise in den Bahnhof eingefahren war, überzeugte sie aus der Nähe doch mit ihrer Größe. Das Gefährt strahlte eine starke Wärme aus und zischte und dampfte an mancher Stelle.

Im Bahnhof präsentierte das Stadtoberhaupt auf einer Leinwand verschiedene Ansichten und Zeitdokumente zur Geschichte der Bahn, zur Verfügung gestellt vom Thüringer Staatsarchiv in Altenburg.

Am 19. September 1842 war der Streckenabschnitt von Leipzig nach Altenburg eröffnet worden. Nach nur 14 Monaten Bauzeit. „Sie ist die erste Bahnstrecke, die sich über Landesgrenzen hinweg fortsetzte“, so Wolf. Gebaut wurde sie von der Sächsisch-Baierischen-Eisenbahn-Compagnie. 59 Minuten brauchte man damals, um von Leipzig nach Altenburg zu gelangen.

„Das ist heute ja manchmal auch noch so“, sagte Wolf mit einem Augenzwinkern. „Und auch heute sind wir wieder in einer Zeit der Bauarbeiten“, schlug er den Bogen zu den Arbeiten, die momentan auf der Sachsen-Franken-Magistrale durchgeführt werden. Die Bahn entwickele sich stetig weiter. Außerdem erinnerte der Oberbürgermeister daran, dass der Bahnhof, den Altenburg heute hat, keineswegs jener ist, der auch 1842 eröffnet wurde. Dieser befand sich ein paar Hundert Meter entfernt und war nur wenige Jahre in Betrieb, bevor 1878 der heutige Bahnhof errichtet wurde.

„Bei dem Vorgängerbahnhof handelte es sich um einen Sackbahnhof. Dieser war aber schon bald nicht mehr praktikabel und kostete zu viel Reisezeit.“ Um den Standort des alten Bahnhofs gibt es bis heute Gerüchte, die sich hartnäckig halten (die OVZ berichtete). So wird vermutet, dass er sich auf dem Gelände der Fabrikstraße 5 befunden haben soll.

Als die eiserne Lady um 17.44 Uhr ihren Rückweg nach Leipzig-Plagwitz antrat, verabschiedete die Altenburger Schützengilde sie mit Böllerschüssen. Ganz so, wie es auch zur Eröffnung gewesen sein soll.

Von Tatjana Kulpa

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