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Altenburg Hohlräume unterm Gleisbett: Touristenmagnet Kohlebahn droht Aus
Region Altenburg Hohlräume unterm Gleisbett: Touristenmagnet Kohlebahn droht Aus
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17:15 09.04.2019
Hier geht derzeit gar nichts: Bei der Kohlebahn in Meuselwitz ist die Bahnstrecke auf einer Länge von 360 Metern gesperrt. Quelle: Mario Jahn
Meuselwitz

Der seit über 20 Jahren zwischen Meuselwitz und Regis-Breitingen auf 900-Millimeter-Gleis als Touristenattraktion geltenden Kohlebahn droht das Aus. Denn seit August 2018 ist wegen festgestellter unterirdischer Hohlräume ein rund 360 Meter langer Gleisabschnitt zwischen den Bahnübergängen Rudolf-Breitscheid-Straße und Weinbergstraße für jeglichen Bahnverkehr gesperrt.

Meuselwitz holt hier ein altbekanntes Problem erneut ein: Unter dem Gleisabschnitt verlief Anfang des 19. Jahrhunderts die Grube „Geidel“, in der unter Tage Braunkohle abgebaut wurde. Der Abbau ruht nun schon seit rund 200 Jahren – zurück blieben aber wie eigentlich im gesamten Stadtgebiet von Meuselwitz die unterirdischen Stollen und Gruben, die im Laufe der Zeit einzustürzen drohen und für lebensgefährliche Tagbrüche verantwortlich sind.

Kulturbahnhof ist gekappt

Die Kohlebahner trifft die Streckensperrung an einem neuralgischen Punkt. Denn damit ist auch der als Betriebsbahnhof, Vereinssitz und Startpunkt für die Zugfahrten genutzte Kulturbahnhof regelrecht vom Gleis abgeschnitten. „Als im vergangenen Jahr die Untersuchungsergebnisse der verantwortlichen Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) bekannt wurden, haben wir einen Schienenersatzverkehr zwischen Meuselwitz und Wintersdorf einrichten müssen“, klagt Vereinschef Karsten Waldenburger. Die anfallenden Kosten müsse der Verein vorerst aus eigener Tasche tragen.

Hinzu kommt ein gewaltiger Attraktivitätsverlust des Tourismushighlights. „Die Leute, die hierher zu uns kommen, wollen doch mit der Kohlebahn fahren und nicht erst mit dem Bus durch die Landschaft kutschen. Wir haben schon etliche Absagen von potenziellen Passagieren“, so der Vereinschef sauer.

Hinzu kommen weitere Kosten: „Wir mussten unseren kompletten Fuhrpark nach Haselbach umsetzen und haben von dort aus nach Wintersdorf an Betriebstagen mindestens eine komplette Leerfahrt. Da es in Haselbach auch keine verschlossenen Unterstellmöglichkeiten für die Fahrzeuge gibt, brauchen wir dort einen Wachschutz. In Summe laufen bei uns Kosten um die 25 000 Euro pro Monat auf“, rechnet Waldenburger vor. Als Verein halte man das nicht lange durch.

LMBV muss verfüllen

Dabei hat er durchaus noch Verständnis, dass die LMBV die gefährlichen Hohlräume verfüllen muss. Aber die nicht absehbare Dauer der Arbeiten ist die Gefahr. „Nachdem man im August 2018 mit der Suche nach möglichen Hohlräumen begonnen hatte und im September fündig wurde, begann man erst Ende November mit dem Verfüllen. Die Arbeiten sollten bis zum Start der neuen Saison am 7. April 2019 abgeschlossen sein. Daraus wurde aber nichts, weil sich die Problematik als komplizierter darstellte, als erst angenommen. Bislang wurden jedoch gerade einmal 30 Meter verfüllt. In dem Tempo dauern die Arbeiten noch bis zu zwei Jahre, wenn im Schnitt pro Tag gerade ein halber Meter geschafft wird“, empört sich Waldenburger.

Grundwasseranstieg ist Ursache

Die Sanierungen seien notwendig geworden, weil in Thüringen ein „allgemeiner Grundwasseranstieg“ festzustellen sei, der bis „zur endgültigen Wassersättigung des Deckgebirges zu einer zeitlichen Intensivierung der Tagbruchentwicklung“ führen könne, teilt die LMBV mit. Und: „Im Rahmen von Erkundungsbohrungen wurden tagesnah offene Grubenräume des Braunkohletiefbaus Geidel angetroffen“, die unter der Trasse der Kohlebahn in diesem Bereich liegen, so das Unternehmen weiter.

Sanierungsende unabsehbar

Und die LMBV schiebt eine auf den ersten Blick Hoffnung machende Botschaft nach: Im Bereich des Bahnüberganges Rudolf-Breitscheid-Straße sei mit einem Abschluss der Arbeiten voraussichtlich Ende Mai zu rechnen. „Konkret handelt es sich dabei aber um den ersten Bauabschnitt mit einer Länge von rund 60 Metern. Im weiteren Streckenverlauf in südliche Richtung wurden bislang nur Erkundungsbohrungen durchgeführt und laufen die weiteren Untersuchungen“, konkretisiert LMBV-Sprecherin Maria Lange auf Nachfrage der OVZ.

Heißt konkret: 300 Streckenmeter sind derzeit noch völlig unbehandelt und die Sperrung bleibt auf unbestimmte Zeit bestehen. Eine konkrete Zeitschiene konnte Lange nicht nennen.

Von Jörg Wolf

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