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Altenburg Humboldt-Ausstellung lockt ab Sonntag aufs Altenburger Schloss
Region Altenburg Humboldt-Ausstellung lockt ab Sonntag aufs Altenburger Schloss
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17:27 13.08.2019
Christian Landrock, wissenschaftlicher Volontär, hat die Schau kuratiert, in der auch ein Humboldt-Pinguin eine tragende Rolle spielt. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Das erste Mal stutzen dürften Besucher der neuen Sonderschau im Residenzschloss bereits nach wenigen Schritten in den Ausstellungsbereich. Dort ziehen nicht nur eine deutsche Erstausgabe von Darwins „Entstehung der Arten“ und zwei randvolle Flaschen Gin die Blicke auf sich. Sondern auch ein streng dreinschauender Pinguin, der starr einige Flaschen Düngemittel fixiert. Da bleibt man womöglich erst einmal die nächsten Minuten stehen und kratzt sich etwas ratlos am Kopf.

Verbindungen zwischen Pflanzendünger und Seevögeln

Auflösung verspricht der Titel Ausstellung, an die derzeit anlässlich des 250. Geburtstags des Universalgelehrten im Schlossmuseum noch letzte Hand angelegt wird. „humboldt4 – Herzöge auf Spitzbergen, Prinzen am Amazonas: adlige Entdecker in der Nachfolge Humboldts“ ist die Schau etwas sperrig überschrieben, die die Gäste mit auf eine Reise quer durchs ausgehende 19. und frühe 20. Jahrhundert nimmt, dabei zahlreiche Querverweise bereithält und mitunter überraschende Verbindungen offenbart – auch solche zwischen Pflanzendünger und Seevögeln.

Mit solchen Forschungsschiffen gingen die Entdecker dereinst auf Reisen. Quelle: Mario Jahn

Drei Ausstellungsbereiche nehmen Forschungsreisen in den Fokus

„Unser Ziel war es, Humboldt als Wissenschaftsvernetzer aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten“, erläutert Kurator Christian Landrock das Konzept der Ausstellung. „Dabei spielen nicht zuletzt seine Einflüsse auf den europäischen Adel und die alten Elite eine wichtige Rolle. Humboldt hat viele andere Wissenschaftler oder wissenschaftlich Interessierte ausgebildet. Er war, wenn man so will, ein Ein-Mann-Wissenschaftskolleg.“ Und eines, dessen Einfluss bis in die heutige Zeit nachhallt und bis in die Skatstadt selbst hineinreicht.

Dort ließ sich 1911 der letzte Regent, Herzog Ernst II., zu einer eigenen Expedition inspirieren, die den Fürsten mit einem eigens gebauten Schiff nach Spitzbergen führte. Eine Reise, die nicht nur zahlreiche Exponate zurück nach Altenburg brachte, sondern auch den Fokus eines der insgesamt drei Ausstellungsbereiche bildet. Dort lockt unter anderem das originale Polarzelt, in dem Ernst II. seine Nächte verbrachte, auch Skier und andere Utensilien werden präsentiert. Zeitreise hautnah.

Exponat mit reichlich Geschichte: Das originale Zelt, das Herzog Ernst II. bei seiner Expedition nach Spitzbergen nutzte, ist ebenfalls zu sehen. Quelle: Mario Jahn

Linien vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart

Daneben sind es aber vor allem die Linien, die Ausstellungsmacher Landrock von Humboldts Zeit in die Gegenwart zieht, und die auf das Wirken des Gelehrten zurückzuführenden gesellschaftlichen Entwicklungen, die beim Rundgang deutlich werden, die die Schau spannend halten und für den ein oder anderen Aha-Effekt sorgen.

Da wird Humboldt etwa an einer Stelle – in eine Zeitlinie mit den Pilgerfahrten des Mittelalters und den ersten Lustreisen der frühen Moderne gestellt – zum Wegbereiter nicht nur der Forschungsreisen, sondern in letzter Konsequenz auch des modernen Tourismus. Ein paar Schaukästen weiter werden auch die dunklen Seiten des boomenden Forscherdrangs thematisiert. Denn wo es die ersten Besucher oftmals aus Wissensdrang in bislang unbekannte Welten zog, war es oftmals die Gier, die deren Nachfolger bewegte. „Auf den Entdecker folgte zumeist der Kolonisator. Und mitunter waren beide sogar deckungsgleich“, führt Christian Landrock aus.

Während die Forschungsreisen insbesondere im ausgehenden 19. Jahrhundert manchem Adligen dazu dienten, seine kriselnde Reputation mit dem Bild des mutigen Entdeckers aufzubessern, wurden die kolonialen Bestrebungen parallel etwa in der zeitgenössischen Literatur zu wahren Heldentaten stilisiert. Eine zu gleichen Teilen erhellende und ernüchternde Erkenntnis für den Besucher, die noch durch weitere Exponate zum Wirken von fünf weiteren, prominenten Forschungsreisenden verstärkt wird.

Auch auf andere Kulturen wird ein Blick geworfen, wie etwa diese originalen chinesischen Damenschuhe zeigen. Quelle: Mario Jahn

Düngemittel, das ein ganzes Land prägte

Mitunter kurios geht es dann zu, wenn Humboldts Einfluss auf die Moderne verdeutlicht wird. Dass etwa tatsächlich ein Gin – natürlich destilliert aus Kräutern, die auch Humboldt einst von seinen Expeditionen mitbrachte – existiert, dürfte wohl den wenigsten Besuchern bekannt sein. Und die Sache mit dem Düngemittel? Das enthält Guano, ein Gemenge, dessen Entdeckung durch Humboldt in der Folge zu im Wortsinne weltumspannenden Entwicklungen führte und heute gar die ethnische Zusammensetzung eines ganzen Landes prägt. Die Verbindungen, sie sind mannigfaltig – und wert, entdeckt zu werden.

„humboldt4 – Herzöge auf Spitzbergen, Prinzen am Amazonas: adlige Entdecker in der Nachfolge Humboldts“ öffnet am Sonntag, den 18. August, um 15 Uhr für die Öffentlichkeit und ist anschließend bis zum 3. November im Residenzschloss zu sehen. Sie ist Teil eines gemeinsamen Ausstellungsreigens, der auch Schauen im Mauritianum, dem Lindenau-Museum (ab 22. August) und auf Burg Posterstein (ab 1. September) umfasst.

Von Bastian Fischer

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