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Altenburg In Schwärmen rasten nordische Zugvögel auf Feldern im Altenburger Land
Region Altenburg In Schwärmen rasten nordische Zugvögel auf Feldern im Altenburger Land
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11:51 29.01.2019
Eindrucksvolles Schauspiel: Nordische Wildgänse auf einem Feld bei Wilchwitz in Richtung Remsa. Quelle: Jörg Reuter
Wilchwitz

Bereits 1907 schickte die schwedische Autorin Selma Lagerlöf ihren Helden Nils Holgersson mit Wildgänsen auf Reisen. Der Däumling schließt sich einem Schwarm Wildgänse an, die über die Ostsee geflogen kommen, auf dem Weg vom Winterquartier zu den Brutgebieten im hohen Norden. Wer sich dieser Tage beim Blick über die Felder mit Hunderten, wenn nicht Tausenden Vögeln an die Szenen aus dem Kinderbuch oder aus der aus den 1980er-Jahren stammenden Zeichentrickserie erinnert fühlt, liegt gar nicht so falsch.

Tagebauseen sind optimal für Gänse

Denn was sich da auf den Äckern im Altenburger Land, nicht gerade zur Freude der Landwirte, in Massen gütlich tut, sind jene nordischen Wildgänse, die der geschrumpfte Nils Holgersson gemeinsam mit seinem Hausgans-Kumpel Martin begleitet. Um genau zu sein, es sind Saat- und Blässgänse aus Skandinavien, Nord-Russland oder Sibirien, die auch im Altenburger Land auf den Frühling warten, erklärt Norbert Höser. Die Tagebaulandschaft mit den vielen Seen biete den Tieren seit einigen Jahrzehnten ideale Bedingungen zum Überwintern. „Die Gänse mögen offene Wasserflächen, die nicht zufrieren. Denn dort können sie ohne Angst vor Fressfeinden wie Füchsen schlafen“, erklärt der Vogelfachmann.

Vor etwa 30 Jahren hätten die Zugvögel die Region für sich als Winterquartier entdeckt. Die gemischten Schwärme bestehen etwa zu gleichen Teilen aus Saatgänsen, die ein schlichtes graues Federkleid tragen, und Blässgänsen. Letztere waren die Vorlage für Akka von Kebnekaise, der Chefin des Schwarms, mit dem Nils Holgersson seine Abenteuer erlebt. Namensgeber ist der große weiße Fleck um Augen und Schnabel. Das Federkleid der Blässgänse ist in Braun, Grau und Weiß ein wenig farbenfroher.

Wildgänse sind Traditionalisten

Mitte der 90er-Jahre verbrachten bis zu 30 000 Tiere im Altenburger Land den „Winterurlaub“. Inzwischen seien es noch zwischen 8000 und 10 000 Vögel, schätzt Höser. „Weil immer mehr Seen in den stillgelegten Tagebauen entstanden sind, verteilen sich die Tiere heute mehr“, erläutert der Ornithologe. Doch Gänse seien auch ausgesprochene Traditionalisten. Die Clans hätten spezielle Nachtquartiere, die sie Jahr für Jahr aufsuchen. Die Gänse etwa, die auf den Feldern zwischen Altenburg und Wilchwitz zu sehen sind, nächtigen auf dem Stausee Windischleuba. Jene, die bei Eschefeld zu beobachten sind, würden sich wiederum im Dunkeln auf dem Bockwitzer See bei Borna zurückziehen.

Apropos Rückzug: Den wünschen sich die Landwirte, auf deren Feldern die Gänse weiden. „Das ist nicht schön, bei uns haben sie vergangene Wochen teilweise ein Weizenfeld abgefressen“, sagt Renate Lohs aus Nobitz. Der Lohssche Familienbetrieb bestellt die Felder zwischen Nobitz und der Kiesgrube, wo die Gänse am Donnerstag waren. Wie groß dort der eventuelle Schaden ist, das wird erst das Frühjahr zeigen. Aber nachdem in der Vorwoche besonders viele Gänse auf den Äckern nach Futter gesucht haben, seien sie auf einmal wieder verschwunden, so die Landwirte.

Hier weiden die nordische Wildgänse auf einem Feld bei Nobitz. Quelle: Jörg Reuter

Rückflug gen Norden hat begonnen

„Die Schwärme sind Ende Januar, Anfang Februar irgendwann plötzlich über Nacht weg“, weiß Nobert Höser. Damit hat auch zu tun, dass gerade in den zurückliegenden ein, zwei Wochen besonders große Gänseschwärme zu sehen waren. „Das sind nicht alles Vögel, die in unserer Region überwintert haben. Darunter sind jetzt auch die ersten Rückkehrer aus den Winterquartieren in Tschechien und der Slowakei“, so Höser. Auf ihrem Rückweg gen Norden rasten sie hier und treffen Artgenossen, mit denen sie gemeinsam in die Brutgebiete fliegen. Je nach Wetter kann es sein, dass bis in den März hinein nordische Gänse in unseren Bereiten auftauchen.

Ihnen folgen im Frühjahr die Graugänse. Diese verbringen die Wintermonate hauptsächlich rund ums Mittelmeer. Graugänse sind die wilden Vorfahren der Hausgänse – und somit die Urahnen der Roman-Gans Martin, auf deren Rücken Nils Holgersson durch die Lüfte reitet. Graugänse haben hier ihre natürlichen Brutgebiete. Diesen Platz machen ihnen seit einiger Zeit aber die Nilgänse streitig, die als sogenannte Neophyten aus Afrika eingewandert sind.

Von Jörg Reuter

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