Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Integration im Altenburger Land – aber wie?
Region Altenburg Integration im Altenburger Land – aber wie?
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:09 05.04.2019
Für die Integration wichtig: Ein Deutschkurs – wie hier im vergangenen Jahr an der Volkshochschule Altenburg bei Peggy Eidner. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Andreas Strahlendorf puzzelt. Seit er am ersten Oktober 2018 Ivy Bieber als Integrationsmanager beerbte, verbringt er sehr viel Zeit mit dem Zusammenfügen von vielen kleinen Bausteinen. Und mit reden. Mit dem Langstreckenziel, ein konkretes Integrationskonzept für das Altenburger Land mit klar definierten Handlungsempfehlungen auf die Füße zu stellen, war er die letzten Monate erstmal mit der Bestandsaufnahme beschäftigt, wie er im Pressegespräch erzählt: „Ich habe mich mit ganz vielen Akteuren vor Ort getroffen und sie gebeten, mir einen Einblick in ihre Arbeit zu geben.“ Dabei habe ihm sein Blick von außen geholfen, den er als Ex-Leipziger und seit drei Jahren Neu-Fockendorfer auf den Landkreis habe.

Andreas Strahlendorf. Quelle: privat

Dabei immer im Hinterkopf das große Ganze, sprich eine möglichst sinnvolle, praktikable und nachhaltige Eingliederung von Menschen mit Migrationshintergrund in unsere Gesellschaft.

Keine konkreten Zahlen zu ausländischen Mitbürgern

Ein durchaus komplexes Unterfangen, das noch dazu ohne konkrete Angaben zur Zahl der Bedürftigen auskommen muss, wie auch Vizelandrat Matthias Bergmann bestätigt: „Aktuell sind wir als Landratsamt für etwa 300 Personen im laufenden Asylverfahren zuständig. Sobald diese jedoch einen Aufenthaltstitel bekommen, werden sie für uns ,unsichtbar‘.“ Denn so wie es „den Ausländer“ nicht gibt, sind auch öffentliche Institutionen wie Jobcenter oder Ausländeramt nicht dazu verpflichtet zu dokumentieren, woher jemand kommt beziehungsweise warum er gekommen ist.

Ein großer Rahmen mit acht Handlungsfeldern

Ungeachtet dessen versuchte Andreas Strahlendorf, so viel Wissen und Informationen wie möglich zum Thema zusammenzutragen, um daraus in einem ersten Schritt „pLILA“ zu verfassen: Die „politischen Leitlinien für die Integration im Landkreis Altenburger Land.“ Unterteilt in acht Handlungsfelder wie „Arbeit“, „Wohnen“, „Sprache“ oder „Bildung“ sollen diese nun den passenden Rahmen bilden, der fortwährend mit Inhalten gefüllt wird.

Matthias Bergmann. Quelle: Mario Jahn

Klingt abstrakt, ist es auch, war aber dringend notwendig, „weil wir keinem der involvierten Akteure eine fix und fertige Lösung überstülpen wollten“, so Bergmann. Stattdessen konstanter Austausch an konkreten Problemen, wozu beispielsweise die Sprachkurse zählen. „Ich habe mich selbst in einen B2-Kurs an der Volkshochschule gesetzt und war begeistert, wie engagiert die Teilnehmer bei der Sache waren“, erzählt Bergmann. Umso mehr habe es ihn bei der späteren Zeugnisübergabe erschüttert, dass zwar der Großteil mündlich hervorragend abgeschnitten hatte, aber nur einer den schriftlichen Teil bestand. „Die Ursachen dafür herauszufinden, sind eigentlich nicht unser Problem. Trotzdem werden wir das Gespräch mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) suchen.“ „pLILA“ diene dabei als Rechtfertigung, als Rückendeckung des Kreises auf Bundesebene.

Weiter reden und kleine Probleme sofort lösen

Während „pLILA“ nun mit dem Feedback der Akteure gefüttert wird und als „permanente Diskussionsgrundlage erkannt werden sollte, die ,lebt‘“, hat er sich mit dem Fokus „Familie“ bereits bekannten Integrationsproblemen angenommen, denen sich der Landkreis ohne notwendige Absprache mit höheren Ebenen stellen muss. Das könnten vergleichsweise einfach lösbare Dinge sein, wie ein Übungsleiter im Sportverein, der sich an ihn wende, weil er nicht wisse, wie er mit den beiden neuen Flüchtlingskindern in seiner Gruppe umgehen solle, aber auch größere Baustellen, wie die fehlenden Deutschkenntnisse von Kita- und Schulkindern. Fortsetzung folgt.

Kreistag debattiert hitzig über Leitlinien

Die politischen Leitlinien des Integrationskonzepts haben im Kreistag des Altenburger Landes für eine hitzige Debatte gesorgt. Das Ganze ging so weit, dass die Grundlagen für die weitere Integrationsarbeit im Kreis fast wieder von der Tagesordnung geflogen wären. „Sehr oberflächlich und nicht mit Leben gefüllt“, fand Klaus-Peter Liefländer das 25-seitige Papier von Integrationsmanager Andreas Strahlendorf und warf ihm zudem vor, „nicht vorher mit Handelnden gesprochen zu haben“. Deshalb beantragte der Fraktionschef der Regionalen, die Sache in die Ausschüsse zurückzuverweisen.

Auch wenn dieser Antrag letztlich dank einer Mehrheit aus CDU und SPD und sechs Enthaltungen der Linken knapp durchfiel (14 Ja- zu 18-Nein-Stimmen), wurde die Kritik im Anschluss kaum leiser. Dennoch beschloss das Gremium die Leitlinien, aus denen im Anschluss „konkrete Handlungsempfehlungen“ erarbeitet werden sollen, wie Landrat Uwe Melzer (CDU) erklärte. 20 Kreisräte, vor allem aus SPD und CDU konnten sich dafür erwärmen. Sieben Volksvertreter von den Regionalen, der FDP plus Bernd Burkhardt (Linke) lehnten ab. Der Rest, der mehrheitlich aus Linken bestand, enthielt sich auch hier.

Die Kritiker monierten vor allem die Allgemeinheit von Strahlendorfs Papier. Dabei war dies in den vergangenen Wochen schon hitzig in den Ausschüssen diskutiert und infolgedessen von einem Konzept zu einem Rahmenkonzept und schließlich zu politischen Leitlinien geändert worden. „Das Papier kann überall verabschiedet werden“, begründete Frank Tempel (Linke) seine Enthaltung. So könne man problemlos Altenburger Land durch Potsdam-Mittelmark ersetzen und keinen Unterschied merken. „Mir fehlt der Bezug auf unsere Region.“ Aber er bemerkte auch: „Ich finde darin keinen falschen Satz.“

Das sah Thomas Reimann anders. „Politische Leitlinien zu verabschieden sollten wir dem Bund überlassen“, so der Kreisrat der Regionalen. Das Papier erinnere ihn an Grundsätze wie „Wir sind für den Frieden. Dafür brauchen wir keinen Beschluss.“ Auch kritisierte er, dass die finanziellen Auswirkungen erst „im Ergebnis der zu erarbeitenden Handlungsempfehlungen dargestellt werden“ sollen, wie es im Beschluss-Text heißt.

Dem hielt wiederum CDU-Fraktionschef Frank Tanzmann entgegen: „Die politischen Leitlinien sind eine gute theoretische Grundlage. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Jetzt gilt es, da Fleisch ranzubringen.“ In eine ähnliche Richtung äußerte sich Sabine Fache (Linke), die das Papier in seiner Ursprungsversion ähnlich wie die Regionalen scharf kritisiert hatte. „Sie haben die Kritikpunkte in der Vorlage berücksichtigt“, attestierte sie Integrationsmanager Strahlendorf. Zudem habe sie sich davon überzeugen können, dass „vorher Gespräche mit Akteuren stattgefunden haben“.

Zwar hatte SPD-Fraktionschef Volker Schemmel noch immer „mit einigen Formulierungen Probleme“, kam aber nach mehrfachen Erläuterungen zu dem Schluss, dass das Papier „eine gute Grundlage für die Integration im Altenburger Land“ ist. Auf diesen „Fundus“ folge nun „der praktische Teil“, der für den Kreis wichtiger sei.

Linken-Fraktionschef Ralf Plötner hätte es zudem besser gefunden, vorab „den Integrationsbeirat komplett zusammenzurufen und darüber zu beraten“. Vieles trage „allgemeinen Charakter“, aber er hoffe bei den Handlungsempfehlungen „auf eine kurze, knackige Sprache, um nicht dort schon mit der Ausgrenzung zu beginnen“ und dass zum nächsten Kreistag am 22. Mai bereits „erste Ideen vorliegen“.

Von Maike Steuer

Das bei einem schweren Unfall im Sommer 2018 stark beschädigte Feuerwehrauto der Großstöbnitzer Kameraden wird verscherbelt. Wie der Kreistag des Altenburger Landes beschloss, geht es für 54 700 Euro an ein Unternehmen in Polen. Davon hat der Kreis aber nichts.

05.04.2019

In wenigen Tagen werden die aus ihren Überwinterungsgebieten zurückgekehrten Störche mit dem Brüten beginnen. Auch im Altenburger Land sind Adebar und seine Frau schon aufgetaucht. Wo sie sich niederlassen, ist die Natur noch intakt.

05.04.2019

Die Bilanz der Übernachtungszahlen im Altenburger Land 2018 fällt ambivalent aus: Während die Stadt Altenburg deutlich zulegen konnte, büßte der übrige Landkreis ein. Daran wird nun gearbeitet – mit konkreten Ideen.

04.04.2019