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Altenburg Inzidenz im Altenburger Land steigt auf über 200 – Melzer und Neumann kritisieren Landesregierung
Region Altenburg

Inzidenz im Altenburger Land steigt auf über 200 – Melzer und Neumann kritisieren Landesregierung

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19:03 20.10.2021
Die Coronazahlen im Altenburger Land steigen. Altenburgs OB André Neumann (l.) und Landrat Uwe Melzer (r.) kritisieren die Erfurter Landesregierung.
Die Coronazahlen im Altenburger Land steigen. Altenburgs OB André Neumann (l.) und Landrat Uwe Melzer (r.) kritisieren die Erfurter Landesregierung. Quelle: Ronny Seifarth/Mario Jahn/Ines Escherich
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Die Corona-Inzidenz im Altenburger Land ist erneut sprunghaft angestiegen: Mit Stand Mittwoch stieg der Richtwert auf 207,1. Einen Tag zuvor hatte die Sieben-Tage-Inzidenz noch bei 150,5 gelegen. Verantwortlich für den Anstieg sind insgesamt 80 Neuinfektionen, die zur Wochenmitte bekannt wurden, wie das Landratsamt am Mittwoch mitteilte.

Gehäufte Infektionen im Umfeld erkrankter Schulkinder

Ein Großteil der Infektionen geht dabei laut Landratsamtssprecherin Jana Fuchs auf das Umfeld bislang positiv getesteter Schüler zurück, deren Zahl weiter steigt. So seien inzwischen auch jeweils ein Fall in der Wieratalschule in Langenleuba-Niederhain, in der Musikschule Altenburg sowie der Grundschule Lucka bekannt geworden. In vielen anderen Fällen sei indes unklar, wie und wo es zur Ansteckung gekommen sei. Im Klinikum werden derzeit zehn Infizierte behandelt, gut zwei Drittel der Betroffenen sind gegen das Virus geimpft.

Gesundheitsamt stockt Personaldecke auf

Um der dynamischer werdenden Lage Herr zu werden, wurde zudem die Personaldecke im Gesundheitsamt deutlich aufgestockt. Insgesamt seien derzeit 58 Personen mit der Kontaktnachverfolgung befasst, so Fuchs. Darunter befinden sich drei vom Robert-Koch-Institut (RKI) in die Skatstadt abgeordnete Mitarbeiter sowie weitere sieben extern eingestellte Arbeitskräfte. In den kommenden Tagen sollen weitere drei bis fünf externe Kräfte eingestellt werden. Ab kommenden Montag sollen zudem im Krisenstab des Kreises auch wieder Vertreter von Polizei und Bundeswehr eingebunden werden.

Offene Verwaltung bindet Mitarbeiter

Eine ähnlich massive Aufstockung, wie noch im vergangenen Winter, als zeitweise deutlich über 100 Mitarbeiter mit der Kontaktverfolgung befasst waren, werde es voraussichtlich vorerst nicht wieder geben, so Landrat Uwe Melzer (CDU). Der Grund: Im vorigen Winter waren zahlreiche Fachdienste durch den Lockdown für die Öffentlichkeit geschlossen, konnten Mitarbeiter entsprechend umbesetzt werden. Das sei inzwischen anders, zahlreiche Behörden, wie etwa die Führerscheinstelle, arbeiteten weiter regulär. „Wir reden parallel bereits mit Zeitarbeitsfirmen und dem Jobcenter, versuchen, die Motivation im Haus aufrecht zu erhalten“, schildert Melzer die Lage. Obendrauf komme zudem, dass das Gesundheitsamt durch die Bearbeitung möglicher Freitestungen aus der Quarantäne mit einem zusätzlichen Arbeitsschritt belastet würde.

Kritik an Corona-Strategie für Schulen im Freistaat

Kritik äußerte der Kreischef, wie auch Altenburgs Oberbürgermeister André Neumann (CDU), an der aktuellen Teststrategie in Schulen im Freistaat. Kurz nach den Sommerferien hatte das Bildungsministerium das bisherige Testmodell abgeschafft und verfügt, dass Tests nur noch bei symptomatischen Schülern und Lehrkräften durchgeführt werden und zudem nicht mehr in den Bildungseinrichtungen stattfinden, sondern durch die zuständigen Gesundheitsämter angewiesen werden. Am Dienstag dieser Woche hatte das Erfurter Kabinett schließlich beschlossen, nach den Herbstferien an Schulen vorerst Warnstufe zwei gelten zu lassen. Damit müssen zwei Mal pro Woche Tests angeboten werden, Kinder und Jugendliche, die weder geimpft, genesen noch getestet sind, müssen in separaten Lerngruppen unterrichtet werden. Zudem gilt in den Sekundarstufen eine Maskenpflicht im Unterricht. Diese greift – ohne Test – auch für den Unterricht von Grundschülern.

Neumann: „Kreise und Kommunen müssen fehlende Konsequenz ausbaden“

Dass die Schulen aktuell ein Haupttreiber des Infektionsgeschehens seien, stehe für ihn fest, so Neumann. Auf Landesebene handele man, im Gegensatz etwa zu Sachsen, aber „immer noch nicht konsequent“, kritisierte er. Kreise und Kommunen würden durch Ministerium und Schulamt im Stich gelassen. „Wir müssen diese fehlende Konsequenz nun ausbaden.“ Immerhin ein Signal hat der Kreis an die Regierung geschickt: Laut Landrat Melzer habe man an Erfurt appelliert, die Testpflicht wieder einzuführen.

Von Bastian Fischer