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Altenburg Ioachim Zarculea ist Schauspieler – und leidenschaftlicher Hobbykoch
Region Altenburg Ioachim Zarculea ist Schauspieler – und leidenschaftlicher Hobbykoch
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11:36 16.07.2018
Ioachim Zarculea an seinem Lieblingsort in Altenburg – dem Großen Teich. Hier joggt er regelmäßig entlang. Quelle: Foto: Bastian Fischer
Altenburg

Angefangen, erinnert sich Ioachim Zarculea beim Spaziergang durch Altenburg, hat alles ganz klassisch – vor dem Fernseher. „Ich habe damals einen Film gesehen, in dem eine Frau geweint hat. Das hat mich so mitgenommen, dass ich richtig Mitleid mit ihr bekommen habe“, beschreibt er den prägenden Moment. „Als mir meine Eltern schließlich erklärten, dass die Frau das alles nur spielte, war ich vollkommen fasziniert.“

Klassischer Lebenslauf

Auf das einschneidende Erlebnis folgte im Anschluss das, was sich bei so vielen Darstellern im Lebenslauf findet: Erste Auftritte im Schultheater, kleinere Komparsenrollen auf größeren Bühnen, dann das Schauspielstudium. „Dass ich einfach aus dem Wort eines Autors Figuren, Situationen, Menschen erschaffen kann, das fasziniert mich bis heute“, versucht sich der sympathische 27-Jährige an einer Erklärung für seine Leidenschaft.

Auch einfach mal Kind sein

Mit der Schauspielerei hat der in Rumänien geborene und in Süddeutschland aufgewachsene Mime seine Passion gefunden. Hier kann er sich ausdrücken, in unterschiedlichste Rollen schlüpfen, experimentieren, „die gesamte Gefühlsamplitude ausloten“, wie er es nennt. Besonders interessiert sei er dabei schon immer an den Feinheiten gewesen, an den kleinen Anpassungen bei Körper und Stimme, die helfen, seine Figuren zu Formen.

Eine Liebe zum Detail, die sich auch auf der Altenburger Bühne ein ums andere Mal Bahn bricht. Da ist Zarculea in „Elling“ etwa als ehemaliger Psychiatriepatient zu erleben, der sich seinen Weg ins normale Leben bahnt. Ein andermal schlüpft er, wie in „Cohn-Bucky-Levy – Der Verlust“ in die Rolle eines kleinen Jungen. Gerade solche Charaktere haben für ihn einen besonderen Reiz. „Ein Kind etwa ist immer limbisch, folgt seinen Impulsen, statt zu reflektieren: ,Ich kriege keinen Lolli, also haue ich wen.’ Das erfordert eine ganz andere Herangehensweise.“

Ioachim Zarculea (r.) reizt die Vielschichtigkeit seines Berufs. So schlüpft er in „Elling“ gemeinsam mit Kollege Johannes Emmrich in die Rolle eines ehemaligen Psychiatriepatienten. Quelle: Sabina Sabovic

Kochen für die Kollegen

Dass er sein Talent seit der Spielzeit 2016/17 als festes Ensemblemitglied am Altenburger Theater unter Beweis stellt, sei vor allem dem hiesigen Umfeld zu verdanken, verrät er beim Rundgang um den Großen Teich. „Eigentlich hatte ich schon einem anderen Haus zugesagt, hatte hier mein letztes Vorsprechen“, gibt er schmunzelnd zu. „Letztlich hat mich hier das komplett heterogene Ensemble überzeugt. Hier arbeiten Leute aus zig Ländern, das fasziniert mich.“

Wenig verwunderlich also, dass man auch abseits der Bühne eng verbunden ist. Gemeinsame Abende sind eher Regel als Ausnahme, das Ensemble feiere zudem oft an einem der Feiertage gemeinsam Weihnachten. Dabei nimmt Zarculea, wenn sich die Gelegenheit bietet, eine zentrale Rolle ein: Kommt die Runde in seiner Altenburger Wohnung zusammen, läuft er in der Küche zur Hochform auf. „Das ist meine Leidenschaft – und ich bin ein wahnsinnig guter Koch“, betont er augenzwinkernd. Gut und gerne mehrere Stunden wirbelt er dann an Töpfen und Pfannen. Ein Aufwand, den er gern betreibt – schließlich geht nicht nur Liebe, sondern auch Freundschaft bekanntlich durch den Magen.

Das Theater als Treffpunkt

Es sei dieses Gemeinschaftsgefühl, das Altenburg für ihn so besonders mache, sagt Zarculea. Dazu trage auch und besonders das hiesige Theaterpublikum bei, das er als sehr treu empfindet. „Die Leute gehen gerne ins Theater und suchen den Kontakt mit dem Ensemble.“ Dabei seien die Gäste jedoch alles andere als ein elitärer Club. „Natürlich gibt es das Abo-Publikum und den Theaterverein, aber auch viele Kinder und Jugendliche“, zählt er auf. Hinzu kommen zahlreiche Projekte, etwa mit psychisch Kranken, die Mitspielerakademie und vieles mehr. „Das Theater ist ein Treffpunkt und gerade deshalb funktioniert es hier in Altenburg so gut. Publikum und Ensemble leben miteinander, es herrscht ein guter Austausch mit den Bürgern“, ist sich Zarculea sicher.

Das zeigt sich dann auch schon mal beim Einkaufen, wenn er an der Kasse mit anderen Kunden über ein aktuelles Stück philosophiert oder beim wöchentlichen Yoga mit anderen Teilnehmern ins Gespräch kommt. Ohnehin sei ihm genau dies wichtig: Eben nicht hinter seinen Figuren zu verschwinden, sondern in der Stadt präsent zu sein.

Die Rolle des vorlauten, hochpolitischen Beuteltiers in den „Känguru-Chroniken“ hat Zarculea in Gera zum Publikumsliebling werden lassen. Ab September ist das Stück in Altenburg zu sehen. Quelle: Ronny Ristok ronny.ristok@tptRonny Ristok ronny.ristok@tpt

„Einfach mal die Klappe aufmachen“

In seiner nächsten großen Rolle ist Ioachim Zarculea ab dem 23. September zu erleben. Dann steht er als das titelgebende Beuteltier in „Die Känguru-Chroniken“ nach Marc-Uwe Kling auf der Bühne. Ein Part, mit dem er sich durchaus identifizieren kann. „Ich bin natürlich nicht so anarchistisch wie das Känguru“, lacht er, „aber auch ich sage offen heraus, was ich denke und fühle – auch und gerade, wenn ich etwas als unfair oder ungerecht empfinde. Da muss man einfach auch mal die Klappe aufmachen.“ Dazu, das steht nach den überaus erfolgreichen Vorstellungen in Gera bereits fest, hat Zarculea in dieser Rolle auf jeden Fall alle Gelegenheit.

Von Bastian Fischer

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