Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Ivy Bieber gibt Integrations-Job im Landratsamt auf
Region Altenburg Ivy Bieber gibt Integrations-Job im Landratsamt auf
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:55 29.06.2018
Integrationsmanagerin Ivy Bieber räumt am Freitag ihr Büro im Landratsamt, wo sie ihren Job gekündigt hat. Quelle: Mario Jahn
Anzeige
Altenburg

Zwei Büros wurden am Freitag im Landratsamt ausgeräumt. Ein großes – das der Landrätin – und ein viel kleineres. Das gehörte seit über zwei Jahren Ivy Bieber, der Beauftragten für Migration und Integration des Landkreises. Die 45-Jährige hat diesen Job zum 30. Juni gekündigt. „Ich höre aber nicht auf, weil auch Frau Sojka geht, obwohl das viele denken und ihr auch sagen, weil ich mit der Landrätin wirklich gut zusammengearbeitet habe“, betont sie. Ihre Kündigung liegt daran, dass ihre Tätigkeit eigentlich nicht in eine Behörde passe. „Eine Verwaltung ist für die Integration ungeeignet“, sagt Bieber, sie sei zu träge, es gebe zu viel Über- und Unterordnung. „Das ist nicht mein Ding. Ich bin kein Schreibtischtäter.“

Ordnung ins Chaos gebracht

Trotzdem zieht die Migrationsmanagerin ein positives Fazit ihrer Arbeit mit Flüchtlingen – und mit den Menschen, die mit Flüchtlingen zusammenleben. „Wir haben Ordnung ins Chaos gebracht“, erinnert sie sich an Zeiten, als auch der Landkreis unter einer Welle an Asylbewerbern ächzte und viele Menschen mit den neuen Mitbewohnern ihre Probleme hatten. „Die Beschwerden sind sehr viel weniger geworden“, konstatiert Bieber. Achtlos in die Gegend geworfener Sperrmüll habe spürbar nachgelassen. Auch die abendliche oder nächtliche Ruhestörung sei zurückgegangen und beschränke sich fast nur noch auf lärmende Kinder. Viele alteingesessene Mieter seien es eben nicht mehr gewohnt, dass über oder neben ihnen Kinder wohnen, die auch laut sind, meint sie.

Anzeige

„Die meisten Flüchtlinge müssen früh raus“

Dass Bieber den Rückgang an Lärm und Müll guten Gewissens einschätzen kann, liege daran, dass sie über gute Kontakte zu bekannten Beschwerdeführern verfüge und viel vor Ort mit den Bewohnern in Altenburg-Nord und Südost spreche, dort eben, wo nach wie vor die meisten Flüchtlinge leben. „Die würden mir das sagen.“ Und sie wisse auch, dass die meisten Migranten spätabends gar nicht mehr lange lärmen könnten, weil sie nämlich früh raus müssten – zu Deutschkursen, zu befristeten Tätigkeiten oder zu richtigen Jobs und auch zur Nachtschichtarbeit, beispielsweise im Schlachthof. „Die wenigsten sind tagsüber noch zu Hause“, behauptet die studierte Betriebswirtin. Es sei denn, sie warten auf ihren Status, dann wohnten sie aber in der Gemeinschaftsunterkunft in Schmölln.

Kreis hat viel weniger Wohnungen

Ordnung im Chaos bedeutet wohl auch, dass der Landkreis selbst nur noch 108 Wohnungen für Flüchtlinge angemietet hat, weniger als vor dem 2015er Ansturm, als es 120 waren und viel weniger als jene 400, die es zum Höhepunkt der Krise gab.

Zur guten Bilanz zählen die Schulungen, die Bieber durchführte. Eltern ausländischer Kinder wurden über Pflichten beim Schulbesuch aufgeklärt, Mietern regelmäßiges Lüften, Mülltrennung und der sparsame Umgang mit Energie und Wasser nahegelegt. Am Ende der Kurse stand eine Prüfung, die über 70 Prozent bestanden – ein Zertifikat, das die Chancen für einen neuen Mietvertrag erhöht, denn Vormieterzeugnisse können Flüchtlingen nicht vorweisen. Biebers Mieterkurse drangen in sieben Bundesländer, aus denen Interesse an den Konzepten kam.

Auch Deutsche lärmen

Bei allem Erreichten sieht sie, dass bei der Integration nur die ersten Schritte getan sind, das Ziel eines akzeptierten Miteinanders noch nicht erreicht sei. Viele Menschen seien im Kopf noch in der Krisenzeit. Probleme beispielsweise bei Kinderlärm, würden bei Flüchtlingen ganz anders gewichtet als bei Deutschen, obwohl Einheimische in Nord und Südost auch lärmten und Sperrmüll wegwerfen würden.

Neuer Job bei Futura

Dass das Aufeinanderzugehen besser wird, dafür will sich Bieber in ihrem neuen Job einsetzen, der fast der gleiche ist, eben nur nicht mehr in einer trägen Behörde. Ab Montag besetzt sie die Koordinationsstelle des Flüchtlingshilfevereins Futura mit Sitz in der Otto-Dix-Straße in Nord. Die Schulungen gingen weiter, sie stehe allen Bewohnern bei Sorgen vor Ort zur Verfügung. Was aber besser wird: „Ich bin bei meiner Arbeitszeit viel flexibler und kann bei Problemen sofort reagieren.“

Von Jens Rosenkranz