Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Jahresschau im Altenburger Schloss zum einstigen Hoffotografen
Region Altenburg Jahresschau im Altenburger Schloss zum einstigen Hoffotografen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:32 17.05.2019
Lückenlose Dokumentation: Neben der Fotosammlung können auch die Registerbücher aus Kerstens Atelier in Augenschein genommen werden. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Eine ganze Kiste Fernbedienungen braucht es künftig im Altenburger Residenzschloss, um die umfangreichste Ausstellung des Jahres in all ihren Facetten tagtäglich zum Leben zu erwecken.

Denn für „Stadt. Mensch. Geschichten – Altenburger Fotoatelier Arno Kersten 1867–1938“ wurden nicht einfach 200 Fotografien akkurat an Wänden platziert, sondern das Wirken des einstigen Hoffotografen Kersten multimedial inszeniert.

Zufallsfund auf einem Dachboden

Dass es überhaupt soweit kommen konnte und bis 27. Oktober jede Menge Geschichten in Bild, Schrift und Ton erzählt werden können, basiert auf viel Glück, Zufällen und dem detektivischen Talent von Museumsleiter und Kurator Uwe Strömsdörfer. „1992 wurde der Nachlass zufällig auf dem Dachboden eines alten Hauses entdeckt und landete nicht im Container, sondern bei uns. Ein absoluter Glücksfall“, so Strömsdörfer dankbar. Schon damals hätte er beim Anblick der vielen Fotos und Zeitzeugnisse Altenburger Geschichte gedacht: „Man müsste mal...“, aber erst 2015 begann er, sich intensiver mit dem was aus acht Jahrzehnten Fotoatelier blieb zu beschäftigen.

Das Besondere: Statt bergeweise Bilder und Negative mit lauter abgebildeten Unbekannten zur Selbstinterpretation, lieferten die ebenfalls erhalten gebliebenen Registerbände persönliche Daten zu allen Auftraggebern dieser Zeit und mussten „nur“ noch zusammen gepuzzelt werden.

Eine alte Plattenkamera – eigens aus Jena für die Ausstellung geliehen – bietet Einblicke in die Frühzeit der Fotografie. Quelle: Mario Jahn

Sieben Geschichten „dahinter“

Herausgegriffen haben sich Strömsdörfer und Co-Kurator Christian Landrock schließlich sieben Geschichten zu Themen wie der Altenburger Straßenbahn, der Feuerwehr oder der Mode, die sie – angereichert mit kleinen Filmen, Relikten aus dieser Zeit und natürlich Fotos – bis weit unter die Oberfläche erzählen.

Wobei Uwe Strömsdörfers persönliches Highlight das Porträt einer aufmüpfig dreinblickenden jungen Frau ist: Franziska „Fanny“ von Reventlow. „Sie galt als ’femme fatale’, als Rebellin und war ihrer Zeit damals weit voraus.“ So gebar sie später unehelich einen Sohn und lebte in München in einer WG mit drei Männern, umreißt der Kurator ihr turbulentes und unangepasstes Leben. Dass er bei seinen Recherchen zudem auf ausgerechnet jenen Brief stieß, in dem die damalige Schülerin des Magdalenenstift schreibt: „Ich werde gleich fotografiert“, setzt für ihn das Tüpfelchen aufs i.

Selfie-Station für die Besucher

Bei all den Exkursionen in fremder Menschen Leben kommt das Wirken und Werden von Arno Kersten, Sohn Otto und dem dritten und letzten Besitzer des Fotoateliers, Josef Bernard, nicht zu kurz. Platz genug für originale Zeitzeugnisse ist auf den 400 Quadratmetern Ausstellungsfläche vorhanden.

Per Selfie-Box können sich die Besucher selbst zum Teil der Ausstellung machen – und das Ergebnis mit der Welt teilen. Uwe Strömsdörfer probiert schon mal aus. Quelle: Mario Jahn

Neben der geballten Information lädt eine Selfie-Station die Besucher zur Selbstinszenierung. Vor historischer Kulisse, geschmückt mit typischen Accessoires des ausgehenden 19. Jahrhunderts kann jeder neue fotografische Erinnerungen schaffen – und auf Wunsch mit der Welt sozialmedial teilen.

Eingerahmt wird die Ausstellung von einem umfangreichen Begleitprogramm, darunter zwei besondere Veranstaltungen: So führt Theaterfotograf Ronny Ristok fotoaffine Laien in Workshops am 25. und 26. Mai sowie 15. und 16. Juni in die Welt der Kollodiumfotografie ein. Und eine internationale Tagung im Teehaus und der Orangerie vom 21. bis 23. Juni widmet sich dem Thema „Atelierfotografie und Fotografenatelier – Mediengeschichte zwischen Kommerz, Kitsch und Kunst.“

Anlässlich der Ausstellungseröffnung und der 20. Museumsnacht lockt schon ab 15 Uhr im Schlossinnenhof ein nostalgischer „Teslamat“. Im Fotoatelier im Container kann man sich in historischen Kostümen der Jahrhundertwende professionell ablichten lassen.

Von Maike Steuer

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die seit 6. Mai vermisste Charlotte Moser aus Schmölln ist noch nicht gefunden worden. Deswegen hat die Polizei ihren Fahndungsdruck auf der Suche nach der 15-Jährigen diese Woche erhöht.

17.05.2019

Nach aufwändiger Restaurierung sind am Mittwoch alte Schmuckvasen und die beschädigten Ziergeländer wieder am Teehaus in Altenburg angebracht worden. Die Überreste der Vasen waren bei einer vor 17 Jahren begonnenen Sanierung entdeckt worden.

17.05.2019

Mittendrin statt nur dabei fanden sich 750 Achtklässler aller Regelschulen des Landkreises im „Revolution Train“ wieder, dessen multimediale Ausstellung als eindringliche Abschreckung vom Konsum jeglicher Drogen wirken sollte.

17.05.2019