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Altenburg Jüngste Kommunalwahlkandidaten treffen in Altenburger Jugend-Wahl-Arena aufeinander
Region Altenburg Jüngste Kommunalwahlkandidaten treffen in Altenburger Jugend-Wahl-Arena aufeinander
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19:03 08.05.2019
Noah Wendler, Janek Voos, Christopher Köhler, Catrin Pengel, Valentin Rühlmann, Marco Thiele, Nick Purand, Julius Bubinger, Stephan Penndorf und Eileen Nebel bestritten gemeinsam die Jugendwahlarena (v.l.). Quelle: Maike Steuer
Altenburg

Wenn der Kreisjugendring zusammen mit der Kreisportjugend, dem Jugendforum Altenburg, der Evangelischen Jugend und dem Landratsamt zur Jugend-Wahl-Arena lädt, liegt die Vermutung nahe, dass es um Themen gehen wird, die die Jugend betreffen – und man davon ausgehen kann, dass sieben junge Politiker zwischen 22 und 34 Jahren dazu spannende Ansichten haben.

„Geht wählen! Es lohnt sich!“

Doch die von Janek Voos, Catrin Pengel und Valentin Rühlmann charmant moderierte Premiere dieses Formats schien größtenteils nicht im Landschaftsaal des Landratsamtes stattzufinden, sondern im Tal der Ahnungslosen. „Geht wählen! Es lohnt sich, sich zu informieren und sein Kreuzchen am 26. Mai zu setzen“, mit diesem Anspruch und jeder Menge vorab an den Schulen gesammelter Fragen trat das Moderatoren-Trio vor die voll besetzten Zuschauerreihen, darunter zahlreiche Schüler. Wer es nicht persönlich ins Landratsamt schaffte, konnte dank Livestream auf Instagram und Facebook trotzdem mit dabei sein und Fragen an die Runde der jüngsten Kommunalwahlkandidaten von sieben Parteien stellen.

Kratzen an der Oberfläche

Schnell zeigte sich jedoch, dass keiner der Nachwuchs-Politiker seine Hausaufgaben gemacht zu haben schien. Denn die Antworten von Eileen Nebel, 22 (Die Linke), Stephan Penndorf, 29 (Die Regionalen), Julius Bubinger, 25 (SPD), Nick Purand, 24 (Die Grünen), Marco Thiele, 34 (FDP), Christopher Köhler, 23 (CDU) und Noah Wendler, 18 (AfD) kratzten oft an der Oberfläche, statt konkret etwas über die Standpunkte der Parteien zu verraten und den Jugendlichen damit ein gewisses Maß an Orientierungshilfe vor der Wahl zu geben.

Ja zur Digitalisierung

„Warum gibt es an vielen Schulen im Altenburger Land kaum moderne Ausstattung, also zum Beispiel Smart Boards, Internet, warmes Wasser? Und wie stehen Sie zur Digitalisierung?“, eröffnete Janek Voos die Fragerunde.„Kein warmes Wasser?“, das konnte sich Eileen Nebel (22) trotz bestätigendem Nicken des Publikums nicht vorstellen und hatte darauf keine Antwort. Während die anderen unisono befanden, dass Digitalisierung sehr wichtig ist, ganz weit oben auf der Agenda steht und dringend voran getrieben werden muss. „Wir müssen aus den Puschen kommen“, so Köhler.

Ein kostenloses Busticket für Schüler

Auch zum Thema Ausbau des ÖPNV und einem möglichst kostenlosen Ticket für Schüler/Studenten/FSJler stimmten zwar alle in den Chor aus „Sollte es geben“ ein, boten aber wenig Lösungsansätze: „Um Leerfahrten der großen Busse zu vermeiden, wären flexibel einsetzbare ,Ruf-Busse‘ eine Möglichkeit“, stimmten Köhler und Bubinger überein, während Penndorf auch Senioren kostenlos fahren lassen möchte und Thiele als Ex-Meuselwitzer weiß, was es heißt, „sehr oft, sehr früh in der Schule zu sein“, weil später nichts mehr fährt.

Mehr Druck aufs Schulamt in Gera

Inzwischen pendelt Lehrer Thiele jeden Tag von Altenburg ins sächsische Burgstädt, um am dortigen Gymnasium zu unterrichten. Weil vom Schulamt in Gera nichts komme. „Seit Jahren liegt meine Bewerbung bei denen, weil ich im Altenburger Land unterrichten möchte. Aber ich bekomme einfach keine Anstellung“, betonte er und war mit seiner persönlichen Geschichte der Einzige, der auf die Facebook-Frage „Lehrermangel im Altenburger Land: Was tun Sie dafür, um auf das Schulamt in Gera mehr Druck auszuüben?“, mehr preisgab, als „Ja, da muss definitiv mehr Druck rein.“

Zahlreiche Ideen für die Freizeitgestaltung

Geschätzte 300 Fragebögen verteilten die Organisatoren im Vorfeld der zweistündigen Veranstaltung. Mehr als 100 kamen zurück mit einer Vielzahl von jugendlichen Ideen, um welche Freizeitoptionen man den Landkreis noch bereichern könnte. Neben einem Kletterwald oder einem kleinen Kino in Schmölln tauchte dabei auch wiederholt der Wunsch nach einer Indoor-Skaterhalle auf. Der Vorschlag von Nick Purand, vielleicht ließe sich die existierende Anlage neben der Schwimmhalle überdachen, erntete ein „Wär schon cool“ des Publikums.

Viele Projekte nicht bekannt

Für Erstaunen bei Zuschauern und Moderatoren gleichermaßen sorgten hingegen die offenbar existierenden Wissenslücken der Kandidaten zu großen Projekten wie der geplanten „Spielewelt“ auf dem Schloss, immerhin verknüpft mit 10 Millionen Euro Fördermitteln, dem angestrebten Jugendcafé, für das noch Räumlichkeiten gesucht werden, dem unlängst gegründeten Jugendbeirat oder dem Jugendprojekt des Lindenau-Museums „LindeNOW“. Auch den Grundtenor zu mehr Jugendbeteiligung in den Parteien à la: „Ihr könnt auch gern auf uns zukommen!“, konnte Janek Voos so nicht stehen lassen: „Als wir letzten November zur Pressekonferenz für unser Jugendcafé geladen hatten, war keine Ihrer Parteien da. Es gab oft nicht mal eine Absage per Mail.“

Von Maike Steuer

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