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Altenburg „Jugend rezitiert und musiziert“ mit viel Politischem im Altenburger Theater
Region Altenburg „Jugend rezitiert und musiziert“ mit viel Politischem im Altenburger Theater
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10:13 16.05.2019
Lucian Meisel zeigte sein Können am Akkordeon. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Es gibt hierzulande jährlich nur eine Veranstaltung, die die wunderbare Verbindung von Lyrik und Musik einem größeren Publikum bietet: Das ist die Gala „Jugend rezitiert und Jugend musiziert“, die am Ende einer langen Beschäftigungsperiode mit Lyrik an den Schulen unseres Kreises steht, die stets mit Schuljahresbeginn ihren Anfang nimmt und im Monat Mai endet. Und das nun schon seit 20 Jahren.

Am Anfang stand Herr Goethe

Dies alles begann mit Herrn Goethe, dessen 250. Geburtstag 1999 weltweit gefeiert wurde. Von diesen Feierlichkeiten wollte sich der noch junge Altenburger Theaterverein nicht ausschließen. Er ließ am 28. August den Dichterfürsten hoch zu Ross in Altenburg einreiten und organisierte gemeinsam mit dem Landestheater eine Jugendtheaterwoche, in der man den Urfaust und „Torquato Tasso“, Aufführungen von Schultheatergruppen, ein Spektakel im Schlosshof und Lyrikveranstaltungen mit Goethetexten an den Schulen erleben konnte. Aus denen wurden die Besten zu der zentralen Veranstaltung „Jugend spricht Goethe“ im Altenburger Schloss delegiert.

Über 1000 Schüler in 20 Jahren

Diese Literaturaktion begeisterte Schüler, Lehrer und Publikum so sehr, dass aus den Schulen der Wunsch kam, so etwas jährlich als Wettbewerb zu organisieren. Der Vorstand des Theatervereins übernahm dafür die Verantwortung, an den Schulen fanden sich sofort verantwortliche Deutschlehrer und so entstand eine literarische Bewegung an den Schulen, die zumindest in Mitteldeutschland einmalig und in diesem Jahr 20 Jahre alt geworden ist. Weit über 1000 Schülerinnen und Schüler haben sich in diesem Zeitraum an den Schulen an diesem Wettbewerb beteiligt. Und noch ist kein Ende in Sicht! Das 20-jährige Jubiläum rechtfertigt diesen kleinen Exkurs in die Vergangenheit.

Da sich auf musikalischem Gebiet unter Leitung der beiden Musikschulen in Altenburg und Schmölln Ähnliches abspielt, war die Einbeziehung in die Abschlussgala zwangsläufig.

Lokalpolitik lobt Engagement

Von Anfang an wurde eine gewisse Verantwortung in die Hände der Politik gelegt, indem Landes- und Kreispolitiker und -politikerinnen um die Schirmherrschaft für dieses Projekt gebeten wurden. Das vererbte sich automatisch, sodass am vergangenen Sonnabendnachmittag sowohl der neugewählte Landrat Uwe Melzer wie auch der Oberbürgermeister der Stadt Altenburg, Andre Neumann, im Landestheater Altenburg anwesend waren und in ihren Grußreden die Arbeit des Theatervereins würdigten und die kulturellen Potenzen der Stadt Altenburg und des Altenburger Landes in Gegenwart und Vergangenheit benannten.

20 Gedichte in zwei Stunden

Das zweistündige Programm stand literarisch wie musikalisch auf einem erfreulich hohen Niveau. Die musikalischen Beiträge der Musikschulen mit Akkordeon, Blockflöte, Violine und Gitarre waren hervorragend.

Die 20 Gedichte, alle vorgetragen von den Preisträgern der beiden Kreisausscheide, waren unter das Hauptthema „unterwegs sein...“ gestellt, das wiederum unterteilt war in „Abenteuer und Entdeckungen“ und „Abschied und Willkommen“. Erfreulich war, dass neben Alltagslyrik auch wieder klassische Balladen wie „John Maynard“ von Fontane, Goethes „Schatzgräber“ und Schillers „Handschuh“ nicht nur vorgetragen, sondern sprachlich gut gestaltet wurden.

Sensibilität für politische Situation

Was aber am meisten überraschte, war die Sensibilität vieler älterer Schülerinnen und Schüler gegenüber der aktuellen politischen Situation in der Welt. Das zeigte sich in der Wahl solcher Gedichte wie Heines „In der Fremde“, Brechts „Über die Bezeichnung Emigranten“, Volker Brauns „Das innerste Afrika“ oder das an die innere Substanz rührende Dialoggedicht zweier Emigrantinnen: einer jungen Syrerin 2015 und einer Jüdin 1938 unter dem Titel „Hinter uns mein Land“, das so manchen betroffen zurück ließ.

Von Manfred Hainich

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