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Altenburg Jugendberufsservice Altenburger Land feiert erste Erfolge
Region Altenburg Jugendberufsservice Altenburger Land feiert erste Erfolge
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06:06 26.04.2019
Schulamtsleiter Berthold Rader, Jobcenter-Geschäftsführerin Heike Praetz, Arbeitsagentur-Chefin Birgit Becker, Landrat Uwe Melzer und Koordinator Jörg Neumerkel (von links) schneiden zum 1. Geburtstag des Jugendberufsservice Level 3 im Altenburger Land die Torte an. Quelle: Thomas Haegeler
Altenburg

Bei dieser Geburtstagsfeier gab es alles, was dazu gehört: strahlende Sonne, prominente Gäste, erfrischende Getränke und eine stilechte Torte. Nur eines stimmte am Mittwoch nicht ganz: der Geburtstag selbst. Denn wie Landrat Uwe Melzer (CDU) erklärte, wurde der Jugendberufsservice Altenburg Land, der unter dem Namen „Level 3“ firmiert, nicht am 24. April aus der Taufe gehoben, sondern erst zwei Tage später. Doch das trübte die gute Laune in der dritten Etage der Fabrikstraße 30 in Altenburg nicht. Waren neben Melzer mit Schulamtsleiter Berthold Rader, Arbeitsagentur-Chefin Birgit Becker, Jobcenter-Geschäftsführerin Heike Praetz und Level-3-Koordinator Jörg Neumerkel doch alle Projekt-Partner zum ersten Geburtstag gekommen.

Anlaufstelle bietet Hilfe zur Selbsthilfe

„Wir haben keine neue Behörde geschaffen, sondern eine zentrale Anlaufstelle“, sagte die Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Altenburg-Gera, Birgit Becker, und war voll des Lobes. „Ich bin sehr beeindruckt, wie sich die Partner vernetzt und ihre Arbeit transparent gemacht haben.“ Um kurz und knapp zu beschreiben, worum es bei dem Jugendberufsservice geht, bemühte sie die Reformpädagogin Maria Montessori: „Hilf mir, es selbst zu tun.“ Schließlich bieten die 23 Mitarbeiter von Arbeitsagentur, Jobcenter und Landratsamt Jugendlichen und jungen Erwachsenen Hilfe zur Selbsthilfe, damit sie ihren Weg in die (Arbeits-) Welt finden und gehen.

Wunder im Sinne der Halbierung der Jugendarbeitslosigkeit habe man im ersten Jahr nicht vollbracht, sagte Koordinator Jörg Neumerkel. Das sei allerdings auch nicht zu erwarten gewesen. Aber man habe die Wege zu relevanten Ansprechpartnern verkürzt und ein funktionierendes Netzwerk aufgebaut, das arbeits- oder gar haltlosen Jugendlichen in jeder Lebenslage weiterhelfen kann. Schließlich ist für Hartz IV das Jobcenter zuständig, für die Berufsberatung, -vorbereitung und Ausbildungsförderung die Arbeitsagentur und für die Betreuung zum Beispiel in familiären Konfliktsituationen das Jugendamt. All das und einiges mehr findet sich nun Tür an Tür in der dritten Etage des Hauses nahe des Altenburger Bahnhofcenters.

Gut 1000 Vermittlungen im ersten Jahr

Grund zur Freude lieferten den Gratulanten und Partnern des Jugendberufsservices aber auch die Zahlen. So verzeichnete man im ersten Jahr 406 Abgänge in einen Job und 600 in eine Ausbildung, in darauf vorbereitende oder andere Maßnahmen. „Wir haben also durchaus junge Leute in Arbeit gebracht oder den Kontakt zu einem Arbeitgeber hergestellt“, so Neumerkel. Aktuell betreuen seine Kollegen 367 arbeitslose Jugendliche und stehen in Kontakt zu weiteren rund 1300 erwerbsfähigen 15- bis 27-Jährigen. Hinzu kommen noch einmal etwa 300 junge Flüchtlinge. „Das treibt uns auch sehr um.“

Doch die Level-3-Zielgruppe ist mit knapp 7000 Menschen dieser Altersgruppe im Altenburger Land deutlich größer. „Etwa 1200 davon sind auf Hartz IV angewiesen“, umreißt Neumerkel die Problemlage. Unter den rund 10 000 jungen Leuten von 0 bis 27 Jahren seien es sogar fast 20 Prozent. „Das empfinde ich als sehr viel und erschreckend.“ Deshalb lege man hierauf ein besonderes Augenmerk, helfe bei finanziellen Problemen oder der Suche nach eigenem Wohnraum bei Konflikten mit Eltern schnell weiter. „Hier haben wir sehr kurze Bearbeitungszeiten, können keine ein oder zwei Wochen warten.“

Besonderes Augenmerk auf Jugendliche mit „schlechtem Startblock“

Im Kern gehe es darum, die „verlorenen gegangen“ Jugendlichen wieder heranzuführen und denen besondere Hilfe zukommen zu lassen, die „einen schlechten Startblock ins Leben“ erwischt haben, so Neumerkel weiter. Sei es, weil die Eltern kein Hilfe sind, es eine Suchtproblematik oder psychische Erkrankungen gebe. Auch wenn der Projekt-Koordinator bei Jugendlichen, die sich mit Beschaffungskriminalität oder Prostitution über Wasser halten, von „Einzelfällen“ spricht, findet er diese „für eine Stadt wie Altenburg erschreckend“. Hier gehen die Sozialarbeiter auch schon mal vorbei und stellen so direkt Kontakt her. Er unterstreicht aber: „Der Großteil der Jugendlichen weiß, was er will.“

Theoretisch genug Ausbildungsstellen für alle da

Auch für Birgit Becker sind die derzeit 276 arbeitslosen Jugendlichen zwischen 15 und 24 Jahren „276 zu viel“ – nicht nur vor dem Hintergrund fehlender Fachkräfte. Dass sich die Zahl zu der Neumerkels unterscheidet, liegt an der anderen Altersspanne. Zumal die Arbeitslosenquote unter Jugendlichen im Altenburger Land mit 9,5 Prozent eine der höchsten im Agenturbezirk Altenburg-Gera sei. „Theoretisch muss keiner arbeitslos sein, die Chancen sind so gut wie nie“, fügt die Agenturchefin an und rechnet vor, dass auf jeden arbeitslosen Jugendlichen rein rechnerisch 1,9 freie Ausbildungsstellen kommen.

Landrat Uwe Melzer fügt dem Projekt Level 3 dann noch eine politische Dimension hinzu, auch wenn es unter seiner Vorgängerin Michaele Sojka (Linke) ins Leben gerufen wurde. „Wir versuchen, für alle Jugendlichen da zu sein“, begründete der Landrat, warum es den Jugendberufsservice braucht. „Wir können und wollen es uns nicht leisten, irgendjemanden zu verlieren.“

Von Thomas Haegeler

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