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Altenburg Karpatenbüffel sollen zwischen Gerstenberg und Pöschwitz grasen
Region Altenburg Karpatenbüffel sollen zwischen Gerstenberg und Pöschwitz grasen
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08:44 07.02.2019
Mit Büffeln – wie hier zwischen Remsa und Monstab – soll auch die Gerstenbachaue bewirtschaftet werden. (Archivbild) Quelle: Mario Jahn
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Gerstenberg

Der Naturschutz im Altenburger Land soll um ein Projekt reicher werden. Im Zuge des Vorhabens „Blaue Flut und Gerstenbachaue nördlich Altenburg“ plant die Naturforschende Gesellschaft Altenburg (NfGA) für die Gerstenbachaue zwischen Gerstenberg und Pöschwitz eine sogenannte extensive Bewirtschaftung. Zur Gemeinderatssitzung am Dienstagabend stellte NfGA-Mitarbeiter Lutz Gebhardt die Pläne vor.

Büffel, Schafe und fünf Tümpel

Konkret sei geplant, auf dem etwa 2,8 Hektar großen Gelände, das der Nabu-Stiftung Nationales Naturerbe gehört und vom landwirtschaftlichen Zweckbetrieb des Nabu Altenburger Land gepachtet ist, eine Sommerbeweidung mit „zwei bis drei Karpatenbüffeln, gegebenenfalls einer Mutterkühe-Kälber-Herde sowie Schafen“ durchzuführen, so Gebhardt. Die Tiere könnten dabei je nach Lage entweder auf dem gesamten Areal auf Nahrungssuche gehen, oder durch mobile Zäune gezielt zur Steuerung des Bewuchses eingesetzt werden. Ziel sei es, Artenvielfalt und Struktur der Landschaft zu verbessern. Neben Insekten und Schmetterlingen wie dem Wiesenknopfameisenbläuling solle vor allem die Population von Wechsel- und Knoblauchkröten sowie Laubfröschen gestärkt werden. Dazu will die NfAG im Bereich des Seggenrieds auch insgesamt fünf Tümpel anlegen.

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Zäune sollen Rodler und Wanderer nicht hindern

Um das Vorhaben umsetzen zu können, führte Gebhardt aus, solle das Gelände mit einem Elektrozaun eingezäunt werden. Allerdings, betonte er, seien damit keine gesteigerten Einschränkungen, etwa für die Kinder des Ortes, verbunden. „Der Zaun im Bereich des Rodelhanges beim Seggenried wird etwa abbaubar sein“, führte er aus. Und auch Wanderer könnten das Gebiet – lediglich mit einem kleinen Umweg – weiter nutzen. „Am Gerstenbach halten wir mit dem Zaun fünf Meter Abstand zum Gewässer, Spaziergänger können hier bequem entlang gehen“, so Gebhardt auf Nachfrage der OVZ. Im selben Zuge könne so auch der sogenannte Waitz-Kirste-Wanderweg von Altenburg nach Pöschwitz, der die bisherigen Projektflächen verbindet, weiter geführt werden.

Skepsis bei den Bürgern

Das Vorhaben stieß indes in den Reihen der anwesenden Bürger nicht nur auf Gegenliebe. So wurden etwa Befürchtungen laut, dass das Gebiet weiter versumpfe und nicht ins Bild der Dorflandschaft passe. Bedenken, die Gebhardt zu entkräften suchte. Durch den bergbaubedingten Grundwasseranstieg sei mittelfristig selbst bei anderer Bewirtschaftung ohnehin mit einer stärkeren Versumpfung zu rechnen. „Und Naturschutz findet auch vor der Haustür statt“, fügte er hinsichtlich der Kritik am Dorfbild hinzu. Auch auf Sorgen, dass das Gelände womöglich zügig mit Schilf zuwachsen werde, hatte Gebhardt eine Antwort. „Die Tiere werden das Schilf eher strukturieren, etwa im Frühjahr die frischen Pflanzen fressen.“

Läuft alles nach Plan, soll im Frühjahr mit dem Bau des Zaunes begonnen werden. Im Herbst wolle man im Anschluss die auf dem Gelände wachsenden Kopfweiden beschneiden und die Tümpel anlegen. Finanziert wird das Vorhaben aus Mitteln der EU und des Freistaates. Bürgermeister Betram Schröder hat dem Vorhaben bereits seine Zustimmung erteilt, so Gebhardt.

Von Bastian Fischer