Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg "Keinen Baum grundlos gefällt"
Region Altenburg "Keinen Baum grundlos gefällt"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:21 28.02.2014
Von Ellen Paul
Altenburg

[gallery:600-37052293P-1]

Die Verwaltung, die sich aus fast allen Fraktionen heftige Vorwürfe gefallen lassen musste, verteidigte ihre Aktion, räumte allerdings Fehler in der Informationspolitik ein.

Wie aufgeheizt und gereizt die Stimmung war, zeigte sich schon Minuten nach Beginn. Einem Altenburger, der in der Bürgerfragestunde Hintergründe für die Baumfällaktion wissen wollte, beschied Oberbürgermeister Michael Wolf (SPD) schroff, sich erst im nächsten Tagesordnungspunkt unter "Anfragen und Informationen" zu diesem Thema äußern zu wollen. Eine Vorgehensweise, an deren Zulässigkeit Sandy Reichenbach allerdings Zweifel hegte. Aus Rationalitätsgründen sei dies zwar zu verstehen, so der CDU-Stadtrat, doch es verhindere die Möglichkeit der Bürger, Nachfragen zu stellen. "Ich bitte um eine Prüfung der Rechtmäßigkeit einer solchen Vorgehensweise und um eine schriftliche Beantwortung", so Reichenbach angesichts der Tatsache, dass Wolf nicht zum ersten Mal so handelte.

Danach folgte eine Kanonade von Vorwürfen über die jüngsten Baumfällaktionen aus fast allen Fraktionen. Detlef Zschiegner (FDP) sprach von einem Akt der Barbarei, von einem Abgeholze, das als Frevel bezeichnet werden müsste. "Hat man daran gedacht, welche Gefühle bei den Bürgern dadurch verletzt werden?", fragte der Liberale. Stefan Nowak (Pro Altenburg) hielt eine Broschüre aus dem Jahr 2001 in die Höhe, die die bezeichnende Überschrift "Altenburg blüht auf" trug. Ob dies noch so ist, wollte er vom OB wissen. Mit einem großen Foto aus vergangenen Zeiten mit jeder Menge Grün am Kleinen Teich, das ihm eine erboste Altenburgerin zur Verfügung gestellt habe, forderte Peter Müller (Pro Altenburg) die schnellstmögliche Neugestaltung des Areals. "Solch eine Wüste kann es nicht bleiben." Andrea Rücker, die zwar (noch) in der SPD-Fraktion sitzt, die den OB gewöhnlich immer unterstützt, zeigte sich als Vorsitzende des Vereins Wildenten & Co. gleichfalls fassungslos und fragte: "Wieso ist die zuständige Arbeitsgruppe des Stadtrats über die Fällaktion nicht informiert worden?"

Na, wenigstens sprang Fraktionschef Nikolaus Dorsch seinem Oberbürgermeister bei. "Es wird versucht, Stimmung zu machen nach dem Motto: Bäume sind Wähler. Vielleicht soll damit der Wahlkampf angeheizt werden, weil denjenigen nichts anderes mehr einfällt." Dies freilich brachte dem Sozialdemokraten nicht nur die Entrüstung seiner Stadtratskollegen, sondern auch massenhaft Buh-Rufe aus den Reihen der Gäste ein. Seine Forderung nach Versachlichung der Diskussion ging dabei fast unter.

Sachlichkeit forderte auch das Stadtoberhaupt. Man solle aufhören, ein solches Thema zu benutzen, um den Oberbürgermeister unmöglich zu machen. Michael Wolf betonte, dass ihm jeder Baum leid tut, "der in der wunderschönen Stadt Altenburg gefällt werden muss". Aber es werde auch nach den jetzigen Aktionen noch genug blühende Bäume in der Stadt geben, versicherte er. Er stellte sich vor seine Mitarbeiter, räumte allerdings ein, dass es nicht immer einfach sei, das richtige Maß in der Informationspolitik zu finden. "Beim Kleinen Teich haben wir Fehler gemacht, auch ich habe das nicht gewusst."

Auch der Leiter des Referats Stadtwirtschaft, Denis Anders, erklärte, im Rahmen des Gesamtpakets von aktuell 125 gefällten Bäumen die Einzelmaßnahme am Kleinen Teich in ihrer Auswirkung schlichtweg unterschätzt zu haben. "Ich hätte Herrn Wolf informieren müssen." Es habe aber keine Taktik gegeben, etwas zu verheimlichen. Völlig überraschend kündigte Anders nun doch Ersatzpflanzungen am Kleinen Teich an, die der zuständigen Arbeitsgruppe des Stadtrates vorgestellt werden soll. Seiner Meinung nach habe die öffentliche Diskussion auch etwas Positives: Sie zeige das Interesse der Altenburger an diesem Thema. "Wir freuen uns über dieses Engagement."

Denis Anders betonte, dass man sich beim Fällen strikt an die Baumschutzsatzung halte. Es würden nur Bäume gefällt, die krank sind oder eine Gefahr darstellen und ein zumutbarer Aufwand zu deren Abwehr nicht gegeben sei. "Wir haben keinen Baum aus einem anderen Grund als diesen gefällt", betonte der Referatsleiter.

Bei den Bäumen am Kleinen Teich seien Fäule in der Krone, Pilzbefall im Wurzelbereich oder Schädigungen des Fußwegs durch die Wurzeln der Grund für die Fällung gewesen, erklärte Stadtförster Ralf Thalheim auf Nachfrage. Er informierte zugleich in einem Fachvortrag über die Vorgehensweise seiner Behörde bei der Begutachtung von Bäumen und lud interessierte Bürger ein, daran teilzunehmen.

Angesichts dieser Aussagen warf Peter Müller dem OB eine katastrophale Pressearbeit vor. Die Informationspolitik müsse sich dringend ändern. Ganz so schnell geht das freilich nicht, denn die Frage seines Kollegen aus der CDU-Fraktion, Wido Hertzsch, warum es für die im Vorjahr am Kleinen Teich gefällten Bäume bislang keine Ersatzpflanzungen gab, wurde einfach nicht beantwortet. © Kommentar

Ellen Paul

Anlässlich der 23. Sportlerumfrage suchen OVZ und Kreissportbund derzeit die Sportler, Mannschaften und Trainer des Jahres. Grund genug, alle Kandidaten noch einmal kurz vorzustellen.

28.02.2014

Das Derby-Fieber grassiert: Umso näher das morgige Aufeinandertreffen der SG Motor/Lok Altenburg und des SV Ehrenhain rückt (14 Uhr, Kunstrasen Skatbank-Arena, desto heißer sind die Verbandsliga-Kicker und die Verantwortlichen darauf.

27.02.2014

Nachdem die CDU schon als erste Partei ihr Stadtratswahl-Programm beschloss, steht nun auch ihre Kandidatenliste. Alle vom Vorstand vorgeschlagenen 36 Bewerber wurden auf einer Mitgliederversammlung am Mittwochabend mit großer Mehrheit gewählt.

Gabriele Neumann 27.02.2014