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Altenburg Kohlebahn rollt wieder über ganze Strecke
Region Altenburg Kohlebahn rollt wieder über ganze Strecke
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07:47 29.05.2019
Eine Konstruktion aus Stahlträgern sichert die Gleise in den gefährdeten Abschnitten. Quelle: Mario Jahn
Meuselwitz

Die gute Botschaft vorweg: Am morgigen Himmelfahrtstag rollt die Kohlebahn erstmals wieder über die komplette Distanz vom Meuselwitzer Kulturbahnhof gen Regis-Breitingen und zurück. Ohnehin kann ab sofort der Betrieb wieder normal abgewickelt werden – auch der Kindertag am kommenden Sonnabend.

Unterbrechung wegen Verfüllungen

Seit Herbst 2018 war der Betrieb nur von und nach Wintersdorf möglich, weil ein 390 Meter langes Teilstück der Strecke in Meuselwitz für den Verkehr gesperrt war, weil dort unterirdische Hohlräume aus dem längst ruhenden untertägigen Braunkohlebergbau der Anfang des 19. Jahrhunderts stillgelegten Grube „Geidel“ verfüllt werden. Zwischen Meuselwitz und Wintersdorf musste per Bus Schienenersatzverkehr rollen.

Die aufwendigen Arbeiten im Auftrag der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) werden sich noch Monate, wenn nicht Jahre hinziehen (die OVZ berichtete). Mit hohem Druck wird entlang der Trasse ein selbstaushärtendes Gemisch aus Braunkohlefilterasche, Wasser und einem Dämmer gepresst, bis die Hohlräume mit der wie Beton aushärtenden Masse ganz gefüllt sind und somit nicht mehr einstürzen und zu gefährlichen Tagbrüchen führen können. Jetzt hat der Kohlebahnverein eine Art Behelfsbrücke an den betroffenen Trassenbereichen eingebaut, die das Gleis im Falle eine solchen Tagbruchs abfangen sollen, so dass ab morgen die Züge wieder darüber rollen können.

Schlamm drückt auf Nebengrundstücke

Parallel gehen die Verfüllarbeiten weiter. Offenbar birgt die eingesetzte Technologie einige Tücken. So schoss der mit hohem Druck ins Erdreich gepresste Schlamm in der Breitscheidstraße auf benachbarte Grundstücke. Karin Oehler ist eine der Betroffenen. Seit 1974 wohnt sie im eigenen Haus nebst schmuckem Garten an der Breitscheidstraße. Im November 2018 erlebte sie eine böse Überraschung: Das flüssige Füllmaterial war regelrecht durch die Ritzen der Pflastersteine nach oben auf ihr Grundstück geschossen.

Auch Nachbargrundstücke waren davon betroffen. Es sei schon ein Kraftakt gewesen, den Dreck wieder wegzubekommen. „Das Gemisch härtet ja aus wie Beton“, sagt sie. Umgehend alarmierte sie die auf der benachbarten Trasse beschäftigten Arbeiter wegen des Dilemmas. „Die haben auch schnell reagiert und den Druck reguliert“, blickt Karin Oehler zurück. Der Dreck ist mittlerweile zwar entfernt worden, was aber bleibt, sind unübersehbare Risse an Gebäuden des Grundstücks, insbesondere am Carport. „Ich bin mir recht sicher, dass dies ebenfalls von den Arbeiten stammt. Vermutlich durch die Erschütterungen und Bodensetzungen“, so Oehler.

Mittlerweile liegt der Fall beim Rechtsanwalt, weil Karin Oehler logischerweise nicht auf den noch nicht absehbaren Kosten für Verunreinigung und Gebäudeschäden sitzen bleiben will. Ein gutes Ende in diesem Dilemma deutet sich aber an. „Die LMBV hat mir zugesichert, dass wir uns einigen werden. Da bin ich erst einmal sehr froh“, atmet Oehler auf.

Bahn kann wieder komplett fahren

Gute Wendung in der Breitscheidstraße und auch bei der Bahn? Es sieht zumindest so aus, da nun ja auch wieder die Bahn durchgängig rollen kann. „Erstmals wird dies zu unserer Männertagstour am Himmelfahrtstag sein“, freut sich Kohlebahnchef Karten Waldenburger. Auch am bevorstehenden Kindertag, den Westerntagen und den ganz normalen Betriebstagen können nun die Züge wieder wie gewohnt rollen.

In den zurückliegenden zweieinhalb Wochen haben Vereinsmitglieder sowie unterstützende Firmen die drei nachweislich unterhöhlten Streckenabschnitte im Gleisbett überbaut. „Wir haben beidseitig Stahlträger auf den Längen von zweimal 18 sowie einmal zwölf Metern verlegt. Unter die Gleise kamen weitere quergelegte und mit den Längsträgern fest verschweißte Armierungen“, erörtert der Experte die eingesetzte Technologie. Sollte nun wider Erwarten durch die Überfahrt eines Zuges in den betroffenen Bereichen wirklich der Boden nachgeben, so werde das Gleis durch die Träger regelrecht aufgefangen.

Finanzierung vorerst aus Vorkasse

„Wir sind erst einmal froh, dass wir diese Lösung gefunden haben und vor allem Partner, die privat oder als Firma die Finanzierung erst einmal in Vorkasse trugen“, so Waldenburger. Immerhin beliefen die sich auf rund 85 000 Euro. Nun hofft der Kohlebahnchef weiter, dass jemand die vorgeschossenen Kosten übernimmt und trägt. Diesbezüglich ist auch Landrat Uwe Melzer (CDU) in der Spur, der sich beim Land dafür stark macht, Gelder für die Zwischenlösung frei zu eisen.

Von Jörg Wolf

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