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Altenburg Kräutermann von Schmölln erhält die grünen Gene des Altenburger Landes
Region Altenburg Kräutermann von Schmölln erhält die grünen Gene des Altenburger Landes
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11:50 14.06.2019
Frank Quaas auf seinem Wildkräuter-Feld, wo unter anderem Knoten-Braunwurz, Kohldistel, Acker-Witwenblume und Schwarznesseln wachsen.
Frank Quaas auf seinem Wildkräuter-Feld, wo unter anderem Knoten-Braunwurz, Kohldistel, Acker-Witwenblume und Schwarznesseln wachsen. Quelle: Jörg Reuter
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Burkersdorf

Es schwirrt und surrt bei Frank Quaas auf den Äckern und Beeten, was dem Landwirt aus dem Schmöllner Ortsteil Burkersdorf ein Lächeln ins Gesicht zeichnet. Worauf die Honig- und Pollensammler so verrückt sind, sind die Blüten von Schwarznessel, Knoten-Braunwurz, Acker-Witwenblume oder Kohldistel. In Reih und Glied stehen diese und weitere Gräser-, Kräuter- und Leguminosen-Arten auf seinen Äckern. Obwohl allesamt keine Nutzpflanzen sind, im Gegenteil.

Saatgut verdrängter Arten

Doch ein Unkrautzüchter sei er deswegen auch nicht. „Zum einen bin ich kein Züchter, ich produziere Saatgut, ohne die Pflanzen verändern zu wollen“, erläutert Quaas. Zum anderen seien seine Pflanzen kein Unkraut, zumindest nicht im engeren Sinne, wie etwa die Acker-Kratzdistel. Diese sei für die Landwirtschaft tatsächlich ein echtes Problem, weil sie auf dem Feld kaum zu bekämpfen sei, weiß der frühere Chef der Agrargenossenschaft Nöbdenitz.

Natur-Idyll im Detail: Ein Trauer-Rosenkäfer lässt es sich in der Blüte einer Acker-Witwenblume gut gehen. Quelle: Jörg Reuter

Vor der Kohldistel wiederum müsse sich kein Landwirt fürchten. Nicht zuletzt, weil diese zu den leicht bekämpfbaren Arten gehört. Und genau das ist deren Problem: Sie könnten dauerhaft verschwinden. Deshalb baut Quaas die Kohl-Distel und rund 50 andere Arten an. „Weil sie leicht zu bekämpfen sind, sind diese Arte in den vergangenen Jahrzehnten stark zurückgedrängt worden und heute nur noch selten auf Wiesen zu finden.“ Das soll sich in Zukunft ändern – so lautet das Ansinnen von Quaas und der Firma Zeller, für deren RegioSaatgut-Konzept Frank Quaas die Samen produziert.

Die regionalen Unterschiede im Blick

Die Idee hinter RegioSaatgut: Auch wenn eine Pflanze überall in Deutschland gleich heißt, bedeute das nicht, dass sie zwischen der Nordsee und der Sächsischen Schweiz überall identisch ist. Vielmehr seien regionale Unterschiede die Regel. Dem trägt auch das Bundesnaturschutzgesetz Rechnung, das ab März 2020 eine Genehmigung für das Ausbringen gebietsfremder Samen verlangt, erklärt Quaas. Vorzugsweise soll zukünftig regionales Saatgut eingesetzt werden. Das bietet Zeller an – laut Quaas auf Basis wissenschaftlicher Arbeit und zertifizierter Spezialisten, die in Naturschutzgebieten die Sämereien der jeweiligen Wildpflanzen sammeln, um sie von Landwirten wie Quaas vermehren zu lassen.

Die Kundschaft, die sich für die Sämereien interessiere, seien hauptsächlich Kommunen und Bauherren, die für Grünflächen verantwortlich beziehungsweise zu Ausgleichsmaßnahmen verpflichtet sind. Die hätten ein Problem, wenn sie Saatgut für Brachflächen, Straßengräben und dergleichen suchen. Denn sie finden so gut wie keine Wildkräuter- und Gräsermischungen mit lokalen Pflanzen. Das verfügbare Saatgut sei meist auf Ertrag gezüchtetes Grün zur Futtermittelgewinnung. „Ertrag heißt letztlich Biomasse, aber Biomasse auf Brachen oder in Straßengräben ist nicht gewollt, sogar negativ, weil das mehr Pflege bedeutet“, sagt Quaas.

Eine Biene fliegt die Blüte eines Knoten-Braunwurz auf dem Feld von Frank Quaas an. Quelle: Jörg Reuter

Anschub finanziert mit Fördergeldern

Vor vier Jahren hat er angefangen, im Auftrag von Zeller Saatgut herzustellen. „Das ist jetzt nach vier Jahren die erste Ernte, die ich verkaufen kann“, sagt Quaas, der mit der Herstellung des RegioSaatguts seinen Lebensunterhalt bestreitet. Dass das möglich wurde, dafür war die Leader-Förderung von EU, Land und Landkreis verantwortlich. Über drei Jahre wurde Quaas über ein Förderprogramm bezuschusst, damit er sein Geschäft aufbauen konnte. Die Anschub-Förderung mit öffentlichen Geldern ist ein Zeichen, dass die EU dem Erhalt lokaler Wildkräuter und -gräser hohe Bedeutung beimisst. In den ersten Jahren habe er die Ernten vor allem benötigt, seine Anbaufläche auf 30 Hektar auszubauen, schildert Frank Quaas, warum es ohne Förderung nicht ging. „Die Anschubfinanzierung ist vorbei, nun muss es sich selbst tragen“, sagt er und ist guter Dinge. Der Markt wird wachsen, da ist er sich sicher.

Von Jörg Reuter