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Altenburg Kult um Rudi Giovannini in der Altenburger Brüderkirche
Region Altenburg Kult um Rudi Giovannini in der Altenburger Brüderkirche
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06:22 08.08.2018
Rudi Giovannini trat, wie es inzwischen Tradition ist , wieder in der Brüderkirche auf.
Rudi Giovannini trat, wie es inzwischen Tradition ist , wieder in der Brüderkirche auf. Quelle: Foto: Picasa
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Altenburg

Wie vor einem Jahr versprochen, stieg der „Caruso der Berge“, Rudi Giovannini, am vergangenen Sonnabend von seinen Bergen und begab sich in die Niederungen des Altenburger Landes, begleitet von einem großen Tross seiner Fans, Verehrerinnen und Liebhabern seiner Musik, die in die Brüderkirche strömten, um hier zum wiederholten Male einem Kult zu frönen.

Kein „Caruso“

Jeder erfolgreiche Künstler – und Rudi Giovannini ist einer davon – schafft sich eine solche Veranstaltung, die zum Kult wird, die sich regelmäßig wiederholt und an der man als Fan teilnehmen muss. Und das ist nicht nur bei den Jüngeren so, wie das Publikum am Sonnabend Nachmittag bewies. Und der Sänger fragte wie immer nach dem Herkunftsort, auch um zu zeigen, welche lange Anfahrtsstrecke nach Altenburg Besucher mitunter auf sich nehmen.

In den letzten Jahren entwickelte sich sein Repertoire immer mehr weg von der volkstümlichen Musik hin zu schönen Liedern und Standards der gehobenen Unterhaltung und schließt auch Hits der Klassik nicht aus. Stimmlich kann er sich das leisten. Er ist ausgestattet mit einer begnadeten Tenorstimme, an Weichheit und lyrischem Schmelz eigentlich unübertroffen. Aber er ist kein Caruso. Diese Bezeichnung adelt ihn zwar, wird ihm aber nicht gerecht.

Hohe Sympathiewerte

Ein guter Tenor lebt von seinen Spitzentönen. Das hohe C sollte es schon sein. Dazu fehlt ihm wohl die Kraft in der Höhe. Dass er dieses erst gar nicht versucht, ist klug und richtig. Er ist ein romantischer Sänger, kein dramatischer. Und als solcher ist er in der Lage, mehr als zwei Stunden auf seinem Tisch im Altarraum zu stehen und zu singen und zu plaudern oder sich im großen Kirchenschiff unters Publikum zu mischen.

Er ist ein Sympathiebolzen der angenehmsten Art und mit Charme und einem natürlichen Humor ausgestattet, der seine Sympathiewerte erhöht. Den allein kann er spielen lassen und hat es nicht nötig, wie im ersten Teil des Programms in sprachliche Niederungen zu steigen, die mehr als billig sind.

Die große Inszenierung

Seine Auftritte sind eine einzige große Inszenierung. Das Programm ist dramaturgisch geschickt aufgebaut. Am Anfang heizt er das Publikum mit Liedern zum Thema „Bella Italia“, die alle kennen, an und lässt es mit viel Klatschen in Stimmung bringen. Weibliche Fans kommen regelmäßig nach vorn und überreichen Geschenke und Blumen und holen sich dabei den obligatorischen Wangenkuss ab.

Und zum Programm gehört auch Sebastian, ein behinderter junger Mann im Rollstuhl, der alle Liedtexte von Rudi kennt, eine geeignete Stimme zum Singen hat und mit ihm das Lied über Südtirol, „Ein Herz voller Liebe“, singt. Viele Blumen auch für ihn.

Ständiges Auf und Nieder

Lieder wie „La Montanara“, das Nana-Mouskuri-Lied „Mein Herz hat noch Platz für dich“ oder der neue Song „Warum bist du gekommen, wenn du schon wieder gehst“ bilden den Auftakt mehrerer getragener Lieder, zu denen auch die Toselli-Serenade oder der französische Song „Wenn die Glocken hell erklingen“ gehören. Einen ersten Höhepunkt findet das Programm in dem mit frenetischem Jubel belohnten, a cappella gesungenen „Santa Lucia“.

Es ist der Beginn eines ständigen Auf und Nieders mit Standing Ovations wegen des Zarewitsch-Liedes vom Wolgastrand aus der gleichnamigen Franz-Lehar-Operette und den beiden Zugaben des Nabucco-Gefangenenchores von Verdi und des mit einem Text versehenen „Il Silentio“. Giovannini ist ein musikalischer Hexenmeister und trifft mit diesen Liedern tief in das Herz seines Publikums, obwohl diese beiden Musiken nicht gegensätzlicher sein könnten

Das waren die großen Momente, wegen der sich auch der längste Weg in die Altenburger Brüderkirche lohnt. Allen Jubel, jede Beifallsbezeugung nahm der Künstler mit bescheidener Zurückhaltung entgegen. Auch etwas, was diese Veranstaltung so angenehm wertvoll machte.

Und das nächste Gastspiel in der Skatstadt kommt ganz sicher: am 10. August 2019.

Von Manfred Hainich