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Altenburg LKW-Fahrer: Auf dem Bock ist man sein eigener Chef
Region Altenburg LKW-Fahrer: Auf dem Bock ist man sein eigener Chef
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10:25 25.04.2019
Florian Uhlemann (links) und Tim Burchardt werden bei der Logistikfirma G&P Trans zu LKW-Fahrern ausgebildet. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Beherzt schwingt sich Tim Burchardt in die blaue Fahrerkabine. Wirft den Motor an, schaut prüfend in den Spiegel – dann lenkt er den sechs Tonnen schweren LKW samt Sattelauflieger in die Waschstraße, wo Kollege Florian Uhlemann den Dreck von den fast hüfthohen Rädern spritzt.

Was ganz selbstverständlich aussieht, ist doch eine Besonderheit: Denn Burchardt hat noch nicht einmal einen PKW-Führerschein. Der 17-Jährige paukt derzeit für die Fahrprüfung, parkt aber schon routiniert LKW ein. Zusammen mit Florian Uhlemann macht er eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer – auf dem Gelände ihres Betriebs G&P Trans ist das Fahren unter Aufsicht auch ohne Führerschein erlaubt.

Führerscheinkosten von mehreren Tausend Euro

„Wenn man es raus hat, ist es einfach“, sagt Uhlemann ein paar Minuten später. Die beiden Jungs sitzen an einem Tisch in einer kleinen Werkhalle, von der Wand grüßen zwei Pin-Ups. Der 18-jährige Uhlemann darf bereits, wovon Burchardt noch träumt: Mit den mehr als zehn Meter langen Lastwagen durchs Werktor fahren, raus auf die Straße. Wenn er sich abends wieder in seinen PKW setzt, hat er das Gefühl „in einem „Spielzeugauto zu sitzen“. Einfach war die Prüfung für die Führerscheinklasse CE nicht – erst im zweiten Anlauf hat er bestanden. Die Kosten von 7000 Euro hat G&P übernommen. Jetzt darf er ab und zu eine Tour fahren; im Frachtraum baumeln dann Schweinehälften vom Haken oder lagern Rinderteile in Kühlboxen.

Der Logistikbetrieb G&P besitzt drei Standorte in Mitteldeutschland, die Zentrale befindet sich in Crimmitschau. In der Altenburger Filiale ist man Hausspediteur des Schlachthofs „Südost Fleisch“ und sitzt neben der Fleischfabrik am Poschwitzer Park. Die LKW werden hier direkt mit Waren beladen und von 46 Fahrern zu Kunden in ganz Deutschland gebracht, oft in der Nacht. Auf den ersten Touren, die er als Beifahrer begleitet hat, ist Uhlemann häufig eingeschlafen, erzählt er.

Hofdienst gehört dazu

„Machst Musik laut, dann geht das schon“, sagt Burchardt mit einem Grinsen. Selbst als Beifahrer darf er noch keine Touren begleiten, weil er noch nicht 18 ist. Derzeit kommt er mit dem Rad zur Arbeit – „oder Mutti fährt“. Im Sommer will er den LKW-Führerschein machen. Bis dahin hat er vorwiegend „Hofdienst“, oft mit Uhlemann zusammen. Kommen die LKW von ihrer Tour, räumen die beiden Paletten und Fleischboxen raus, waschen und wiegen die Fahrzeuge. Außerdem übernehmen sie kleinere Reparaturen, bringen das Leergut mit dem Stapler weg. Für ein ganzes Berufsleben sei das aber nichts, sagen sie unisono. Sie wollen fahren, unterwegs sein. Am liebsten im Fernverkehr: Weitere Strecken, größere Lastwagen – dafür haben die beiden Regelschüler die Ausbildung im vorigen September begonnen.

Ihr Ziel ist es, einer dieser blauen Punkte auf der Computerkarte ihres Chefs Mario Fritzsche zu werden. Per Telematik kann der 55-Jährige von seinem Büro aus verfolgen, wo die 40 LKW im Auftrag der Altenburger Filiale gerade unterwegs sind. Sogar Geschwindigkeit und Tankstand werden in Echtzeit übermittelt.

Hauptproblem Berufsschule

„Die Technik nimmt zu, der Beruf wird anspruchsvoller“, sagt der Maschinenbauingenieur. „Von einem Fahrer wird heute viel mehr Kommunikation von unterwegs erwartet: Wann ist die Ladestation erreicht, wie viel Leergut hast du erhalten, gibt es Retouren.“ Er schiebt ein taschenbuchgroßes Navi über den Tisch. „Von den Funktionen her ist es wie ein Tablet – jungen Fahrern bereitet es Freude, Ältere tun sich dagegen oft schwer damit.“

Probleme bereite seinen Azubis weniger die zunehmende Digitalisierung des Berufs, sondern die Berufsschule. „Das ist der Knackpunkt. Die Azubis denken, sie haben die Schule endlich hinter sich und müssen nicht mehr lernen.“ Neben der Berufsschule muss aber noch die Theorie für den Führerschein gebüffelt werden. Einigen ist das zu anstrengend, sie häufen Fehlstunden an und brechen vorzeitig ab. Erschwerend kommt der weite Weg zur Berufsschule nach Gera hinzu, wo pro Jahrgang nur eine Klasse für ganz Ostthüringen eingerichtet wird. Bisher habe man aber immer Nachwuchs finden können, sagt Fritzsche. Bis zu drei Azubis bildet G&P in Altenburg jedes Jahr aus. „Es werden weniger Bewerbungen, aber die Qualität hat sich verbessert.“

Selbstständigkeit als Trumpf

Im Bewerbungsgespräch prüft Fritzsche vor allem, wie sehr sich die Bewerber mit dem Beruf auseinandergesetzt haben. „Wenn es zu viel Schwärmerei gibt und jemand von Fernreisen, Cowboyhut und Landstraße träumt, wird es schwierig.“ Der internationale Fernverkehr beschränkt sich bei G&P auf einige Anrainer – mehr als zwei Tage sind die Fahrer selten unterwegs.

Wer aber zuverlässig sei und technisches Verständnis mitbringe, könne einen Beruf mit viel Eigenständigkeit erlernen, meint Fritzsche. „Solange man auf dem Bock sitzt, ist man sein eigener Herr und trifft seine eigene Entscheidungen.“ Dazu gehört es etwa, seine Arbeitszeit frei einzuteilen, auf gesetzliche Ruhezeiten zu achten, trotzdem die Routenziele rechtzeitig erreichen.

Diese Selbstständigkeit reizt auch Tim Burchardt und Florian Uhlemann an ihrem Beruf. Bis es soweit ist und sie regelmäßig Touren fahren können, schlagen sie sich durch die Berufsschule, verrichten Hofdienst und träumen dabei doch ein wenig von der fernen Welt: „Irgendwann würde ich gerne in andere Länder fahren“, sagt Burchardt. „Einfach das Gefühl haben, woanders unterwegs zu sein.“

Stichwort: Berufskraftfahrer

Berufskraftfahrer arbeiten im Güterverkehr oder in der Personenbeförderung. Sie transportieren Güter mit LKW aller Art. Im Personenverkehr führen sie Linien- bzw. Reisebusse. Sie finden in erster Linie Beschäftigung in Transportunternehmen des Güterverkehrs, z. B. bei Speditionen, oder bei kommunalen Verkehrsbetrieben und Reiseunternehmen.

Voraussetzung sind Interesse an Fahrzeugen, Freude an körperlicher Arbeit und Organisationstalent. Technisches Verständnis und Sprachkenntnisse für den Umgang mit internationalen Kunden sind wichtig. Bewerber sollten psychisch belastbar und zuverlässig sein. Bei internationalen Fahrten ist auch längere Abwesenheit vom Heimatort möglich.

Die Ausbildung dauert drei Jahre und startet meist zum 1. August oder 1. September. Ein Hauptschulabschluss sollte mindestens vorliegen. Von Vorteil ist es, wenn bereits ein PKW-Führerschein vorhanden ist. Lernt man den Beruf im Altenburger Land, hat man etwa einmal im Monat für eine Woche Berufsschulunterricht an der „SBBS Technik Gera“.

Die vom Thüringer Arbeitsministerium vorgegebene Mindestvergütung beträgt im ersten Lehrjahr 331,50 Euro, im zweiten 386,75 Euro und im dritten 442,00 Euro.

Das Bruttomonatsentgelt von Berufskraftfahrern betrug 2017 in Thüringen im Mittel 2069 Euro (bundesweit: 2405 Euro).

Aktuell nehmen laut der Agentur für Arbeit sowie der Handelskammer folgende Firmen im Altenburger Land Bewerbungen für einen Ausbildungsstart im Sommer entgegen. Altenburg: Remondis, G&P. Nobitz: Spedition Reichelt. Schmölln: Hans K. Schmitt. Frohburg: Böttcher Transporte. Lucka: Wellpappenwerk.

Von Maximilian König

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