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Altenburg LVZ-Spendenaktion für Meuselwitzer Wohngruppe: Ergebnis übertrifft die Erwartungen
Region Altenburg

LVZ-Spendenaktion für Meuselwitzer Wohngruppe: Ergebnis übertrifft alle Erwartungen

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13:24 24.12.2020
Die Wohngruppe freut sich über neue Fahrräder und die Tischtennis-Ausstattung mit Platte, Schlägern und persönlicher Kleidung. Selina (links) zeigt zudem auf einem Plakat, wie sich die Kinder und Jugendlichen ihr neu gestaltetes Bad vorstellen. Quelle: Mario Jahn
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Meuselwitz

Als sie die Summe hören, werden die Augen groß. „So viel Geld? Das hätte ich nie gedacht“, sagt die 15-jährige Katharina und kann es noch gar nicht richtig glauben. Aus den Gesichtern der anderen spricht die gleiche Verblüffung. 14 869,05 Euro! Für die Jugendlichen in der Meuselwitzer Mühlgasse eine unfassbar große Zahl. Eine neue Tischtennisplatte hatten sie sich dringend gewünscht und einen Schuppen für die Fahrräder. Beides haben sie bekommen, und schon darauf hatten sie kaum zu hoffen gewagt. Doch die Spendenbereitschaft der LVZ-Leser reichte noch viel weiter. Und lässt nun Dinge möglich werden, die gerade eben noch undenkbar schienen.

Ungewohnte Öffentlichkeit

Es ist ein großes Hallo, als sich wenige Tage vor Heiligabend die Kinder und Jugendlichen aus der Innova-Wohngruppe vorm Haus versammeln, um das Finale der LVZ-Aktion „Ein Licht im Advent“ zu zelebrieren. Und ein bisschen fühlt es sich für sie auch seltsam an. Vier Wochen haben sie auf ungewohnte Weise in der Öffentlichkeit gestanden – mit ihrem Alltag in der WG, ihren persönlichen Erfahrungen, ihrem ganz eigenen Weg zwischen der Familie und dem Zuhause auf Zeit. Immer wieder in der Zeitung zu stehen, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen, das war mal was ganz Neues. „Ich hätte nicht erwartet, dass das so viele interessiert“, erzählt Katharina.

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Mehr als 320 Unterstützer

Doch das Interesse ist gewaltig. Mehr als 320 LVZ-Leser haben sich an der Spendenaktion beteiligt. „In der Schule hat man mich darauf angesprochen“, schildert Colin. Es seien positive Reaktionen gewesen. „Zwei Schüler haben gespendet“, weiß der Elfjährige. Auch das Kollegium der Meuselwitzer Regelschule legte zusammen.

Und die Zuwendung drückt sich nicht nur finanziell aus. „Eines Tages klingelte es und jemand gab ein Paket mit Süßigkeiten ab, um den Kindern spontan eine Freude zu bereiten“, berichtet Erzieherin Jenny Weber. Andere riefen an und wollten mit Tapeziergerätschaften helfen, als sie in der Zeitung von der Flurrenovierung lasen. Und einige Male meldeten sich auch Unterstützer mit abzugebenden Tischtennisplatten.

Anruf einer internationalen Stiftung

Ein Anruf kam sogar aus Leipzig – von der Stiftung der Internationalen Tischtennis-Föderation (ITTF). Die ITTF Foundation ist weltweit aktiv, setzt sich in Verbindung mit Tischtennis für humanitäre Projekte ein, um positive soziale Veränderungen anzustoßen. „Wir freuen uns über die Gelegenheit, unser Leitmotiv jetzt auch lokal in Mitteldeutschland umzusetzen“, sagte Stiftungs-Geschäftsführer Leandro Olvech. Gesagt, getan: Die ITTF ließ eine nagelneue Profi-Tischtennisplatte nach Meuselwitz liefern – und ein Gerätehaus, um die Platte samt Fahrrädern unterzustellen.

Im neuen Schuppen auf dem Hof, den Dominic hier präsentiert, ist Platz unter anderem für mehrere Fahrräder. Quelle: Mario Jahn

Zum Aktionsfinale folgen zudem noch große Kartons: Trainingskleidung, Schläger, Bälle. Letztere gleich in Großpacks, weil im Eifer des Spiels immer mal ein Ball aufs unbewohnte Nachbargrundstück fällt. An fehlendem Material soll der Tischtennis-Spaß nicht scheitern. Dafür sorgt auch der ITTF-Equipment-Partner Sponeta.

„Und obwohl sich die Stiftung um die Platte und das Gerätehaus gekümmert hat, haben ganz viele Menschen weiter gespendet, um noch andere Wünsche zu erfüllen“, ist Vivian Roth, die stellvertretende Geschäftsführerin des Innova Sozialwerks, voller Begeisterung. „Das ist ein richtig großes Licht im Advent, das da für die Kinder leuchtet.“

Das Bad wird aufgemöbelt

Auf einem Plakat haben die WG-Bewohner gemalt und geklebt, was ihnen noch am Herzen liegt: eine richtige Dusche im Bad, statt der alten Wanne mit dem provisorischen Spritzschutzrollo. Für diese Anschaffung soll ein Teil des Geldes nun verwendet werden. Im Januar beginnt der Umbau. Außerdem stehen jetzt zwei neue Fahrräder im Schuppen – in Größe 24 und 26 Zoll, ausleihbar für Kinder, die kein eigenes Gefährt haben.

Und nächstes Jahr, so die Corona-Lage es zulässt, soll es für alle zum ersten Mal eine Extrawoche Urlaub geben. „Vielleicht an die Ostsee, vielleicht auch ganz woanders hin – das können sich die Kinder aussuchen“, sagt Andrea Teuber, Innova-Bereichsleiterin der Kinder- und Jugendhilfe. „In der aktuellen Situation ist es schwer, Pläne zu schmieden, aber die Ausflugswünsche werden kommen, definitiv.“

Überwältigende Hilfsbereitschaft

Sie sei noch immer völlig überwältigt von der Hilfsbereitschaft der LVZ-Leser, die all das möglich macht, betont Andrea Teuber. „Es ist kaum in Worte zu fassen, wie wir in diesen Zeiten, die uns die Nähe verbieten, eine umso größere emotionale Zugewandtheit erleben. Das zeigt nicht nur ein hohes Maß an Wertschätzung für die Kinder, sondern auch für unsere Arbeit in den Wohngruppen und für die Familien, die diese Unterstützung nutzen.“

Sechs Einrichtungen für Kinder und Jugendliche gibt es im Altenburger Land allein in Trägerschaft der Innova. Hinzu kommen weitere Träger. Jungen Menschen den Weg ins Leben zu ebnen, darum geht es – in Meuselwitz, aber auch in Altenburg, wo es in der Wettinerstraße mit dem „Ankerpunkt“ eine ganz ähnliche Wohngruppe gibt, gleich neben einer Innova-WG unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter.

Tischtennisplatten für Wohngruppen und Sozialprojekt in Altenburg

Auch in der Wettinerstraße wird jetzt täglich Tischtennis gespielt – genauso wie demnächst im Naschgarten des Sozialprojekts Inka in Altenburg-Nord. Die für das „Licht im Advent“ von mehreren Spendern angebotenen Platten haben nun – in Absprache und in Vermittlung der Innova – statt in Meuselwitz in der Skatstadt dankbare Abnehmer gefunden. „Genau zum richtigen Zeitpunkt“, fügt Andrea Teuber an. „Denn da die Jugendlichen wegen Quarantäne die Einrichtung nicht verlassen dürfen, ist Tischtennisspielen gerade ein wunderbarer Zeitvertreib.“

Danke, liebe Leserinnen und Leser

So bleibt zum Abschluss der diesjährigen Spendenaktion noch zu sagen: Danke, liebe Leserinnen und Leser, für solch eine großartige Unterstützung. Danke auch an die ITTF und an die Sparkasse Leipzig, die das Spendenkonto kostenfrei einrichtete und den Druck des Überweisungsscheins finanzierte, der viermal der LVZ als Flyer beilag. Und danke an die Innova, die kräftig mithilft, die Wünsche der Kinder und Jugendlichen in den nächsten Monaten umzusetzen. Die LVZ wird weiter darüber berichten.

Von Kay Würker