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Altenburg Landratsamt warnt: Lossener dürfen Trinkwasser nicht an Nachbarn geben
Region Altenburg Landratsamt warnt: Lossener dürfen Trinkwasser nicht an Nachbarn geben
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05:06 07.02.2019
Karla und Manfred Konietzny aus Lossen versorgen mit ihrem Brunnen drei Nachbargrundstücke mit. Doch das dürften sie gar nicht. Quelle: Jens Rosenkranz
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Göhren

Die Probleme in Lossen spitzen sich zu. Etliche Brunnen weisen eine schlechte Trinkwasserqualität auf und drohten im Sommer zu versiegen (OVZ berichtete). Jetzt stellt sich heraus, dass mindestens zwei Grundstücksbesitzer mit ihren Brunnen jeweils drei andere benachbarte Haushalte mit versorgen, das aber entsprechend einer Warnung des Landratsamtes gar nicht dürfen. Damit droht im Göhrener Ortsteil nun auch noch Nachbarschaftsstreit.

Versorger trägt Verantwortung

Das befürchten zum Beispiel Karla und Manfred Kornietzny, die über ihren Brunnen drei andere Grundstücke seit Jahren mit versorgen, die über gar kein eigenes Wasser verfügen. Doch ob Kornietznys diese uneigennützige Hilfe weiter leisten, ist fraglich. In einem Schreiben vom Juli 2018 hatte das Gesundheitsamt die Lossener Familie vor einer solchen Weitergabe gewarnt. „Entspricht das Wasser nicht den Vorgaben der Trinkwasserverordnung, so darf es nicht an andere Haushalte zu diesen Zwecken abgegeben werden.“ Denn der Brunneneigentümer trage eine Mitverantwortung daran, falls das in andere Haushalte gelieferte minderwertige Wasser dort zu Erkrankungen führe, heißt es im Text der Behörde.

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Wasser ist belastet

Und Erkrankungen sind nicht ausgeschlossen, weil das Trinkwasser im Ort belastet ist. Analysen ergaben erhöhte Werte bei der sogenannten Koloniezahl. Diese dient als Indikator für eine mögliche mikrobielle Kontamination des Wasserversorgungssystems. Grenzwertüberschreitungen wurden ebenso bei Escherichia coli gemessen, die ebenso auf verdrecktes Trinkwasser hindeuten. Laut Trinkwasserverordnung dürfen gleichfalls Coliforme Bakterien in 100 Millilitern Wasserprobe nicht nachweisbar sein. In Lossen aber sind sie es.

Werden Leitungen abgedreht?

Das Ehepaar Kornietzny sieht sich nun in einer Zwickmühle. Einerseits muss es befürchten, wegen seiner Wasserversorgung an die Nachbarn Ärger mit der Behörde zu bekommen. Das möchten die Kornietznys nicht. Drehen sie die Leitungen aber ab, haben drei Familien plötzlich kein Wasser mehr. Im Ort gibt es einen zweiten gleichen Fall. „Was sollen wir nun machen?“, lautete die entscheidende Frage bei einem Treffen von Lossener Bürgern mit dem Vorsitzenden des Wasser- und Abwasserzweckverbandes Altenburger Land (ZAL), Marcel Greunke vor Ort, das auf Initiative von Simone Schulze (beide CDU) stattfand (OVZ berichtete). Auch die Landtagsabgeordnete befürchtete, dass die Sache zu einem Nachbarschaftsstreit ausarten könne, zu dem es aber nicht kommen dürfe. Wie ein solcher aber zu verhindern sei, wusste auch sie nicht. Und neben dem belasteten Wasser sorgten sich im letzten äußerst regenarmen Sommer die Betroffenen, dass die Brunnen sogar versiegen. Das droht nun wieder.

Streit um Versorgungspflicht

ZAL-Werkleiter Lars Merten machte indes klar, dass jeder Hausbesitzer selbst, und nicht der Verband, für einen Brunnen sorgen müsse, falls der Ort, so wie Lossen, nicht an eine zentrale Leitung angeschlossen ist. Eine Ansage, die nach der letzten Äußerung der Thüringer Umweltministerin fraglich ist. Anja Siegesmund (Grüne) betonte zum Fall Lossen, dass die Menschen per Gesetz einen Anspruch auf eine Trinkwasserversorgung hätten. Dazu seien die Gemeinden auf ihrem Gebiet verpflichtet.

Suche nach Zwischenlösung

Eine Zwischenlösung bis dahin könnte eine Überlandleitung sein, wie beim Treffen kürzlich von Bürgern angeregt wurde. Der ZAL-Werkleiter schloss diese aus hygienischen Gründen aber aus, weil sie ja der Sonneneinstrahlung ausgesetzt sei. So wie übrigens auch die Wasserwagen, die der ZAL in Notfällen bereitstellt.

Von Jens Rosenkranz