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Altenburg Lebhafte Diskussion zur Kulturstiftung im Lindenau-Museum
Region Altenburg Lebhafte Diskussion zur Kulturstiftung im Lindenau-Museum
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17:23 08.08.2019
Eine lebhafte Diskussion entspann sich am Mittwochabend um die Zukunft von Schloss, Lindenau-Museum und Mauritianum. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

All zu großen Hoffnungen nahm Roland Krischke gleich zu Beginn den Wind aus den Segeln. „Wir werden hier heute keine neuen Erkenntnisse diskutieren“, ließ der Direktor des Lindenau-Museums die zahlreichen Anwesenden in der Gipsabguss-Sammlung wissen. Und dennoch: Erhellend war die Informationsveranstaltung am Mittwochabend im Haus an der Gabelentzstraße allemal, selbst wenn Konkretes weitgehend ausblieb.

Verlockende Vorteile beim Stiftungsbeitritt

Zustande gekommen war die Versammlung auf Betreiben des Förderkreises „Freunde des Lindenau-Museums“, um über den aktuellen Stand bei der derzeit in Gründung befindlichen Kulturstiftung Mitteldeutsche Schlösser und Gärten zu informieren, in welche auch die Einrichtungen auf dem Altenburger Schlossberg überführt werden könnten (OVZ berichtete). Ziel sollte sein, offene Fragen zu thematisieren und zu erörtern, welche Vor- und Nachteile eine Aufnahme in das 400 Millionen Euro schwere, hälftig vom Bund sowie den Ländern Sachsen-Anhalt und Thüringen finanzierte Konstrukt bieten würde.

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Die Vorteile einer Aufnahme, führte Museumsdirektor Krischke aus, seien durchaus verlockend. So würde der Bund fünfzig Prozent der Betriebskosten der beteiligten Einrichtungen finanzieren, wodurch finanzielle Schwungmasse für andere Vorhaben frei würde. Allerdings sei die genaue Ausgestaltung der Stiftung nach wie vor äußerst nebulös, gab er zu bedenken. Gerade deshalb gelte es nun für alle betroffenen städtischen und kreiseigenen Einrichtungen, sich gemeinsam zu positionieren, „damit wir nicht nur reagieren, sondern auch agieren können“.

Verweis auf klamme Stadtkassen

Ins gleiche Horn stieß im Anschluss auch Landrat Uwe Melzer (CDU). Mit der Stiftung biete sich die „Chance, nicht nur etwas für das Lindenau-Museum, sondern für den gesamten Schlossberg“ zu tun und so die Außenwirkung der gesamten Skatstadt zu stärken. Deren Wohl hatte erwartbar auch Oberbürgermeister André Neumann (CDU) im Blick. Man habe zwar in früheren Zeiten den Gang in eine Stiftung abgelehnt, um sich Eigenständigkeit zu bewahren. „Allerdings müssen wir derzeit gerade auf dem Schloss viele Projekte ablehnen, weil wir kein Geld haben“, verdeutlichte er das Dilemma.

Die klamme Stadtkasse gab auch Pro Altenburg-Fraktionschef Peter Müller zu bedenken. „Alleine kann die Stadt ihre Kultureinrichtungen nicht mehr ewig finanzieren.“ Vor diesem Hintergrund sei ein Gang in die Stiftung durchaus reizvoll. Allerdings müssten die Vorteile etwaige Einbußen klar überwiegen. „Mindestens drei bis vier Millionen Euro pro Jahr fürs Schloss müssen drin sein“, so seine Forderung für mögliche Verhandlungen.

Großer Andrang: Zahlreiche Besucher wollten sich die Informationsveranstaltung im Lindenau-Museum nicht entgehen lassen. Die Stuhlreihen in der Gipsabguss-Sammlung waren voll besetzt. Quelle: Bastian Fischer

Forderung: Stiftungssitz sollte in Altenburg sein

Ein Vorstoß, den SPD-Fraktionschef Nikolaus Dorsch umgehend einbremste. „Wir sollten nicht jetzt schon anfangen, unsere Chancen zu zerreden“, gab er zu bedenken. Eine „historisch einmalige“ Gelegenheit wie die angedachte Stiftung werde so schnell nicht wiederkommen, betonte er unter dem Applaus der anwesenden.

Kritischer sah die Sache Ex-Landrätin Michaele Sojka (Linke), die die Frage aufwarf, ob man es nicht mit einem „vergifteten Geschenk“ zu tun habe. Ihr dränge sich der Eindruck auf, dass die Stiftung mit Altenburg erheblich aufgewertet werden solle. „Warum ist deren Sitz dann aber in Halle und Erfurt und nicht in Altenburg?“, fragte sie provokant. Eine Forderung, die auch Jutta Penndorf formulierte. Schließlich, so die Argumentation der ehemaligen Museumsdirektorin, werde im Zuge der Stiftungsneugründung wohl die bestehende Thüringer Schlösserstiftung aufgesplittert. „Wir kommen dabei ja neu hinzu, haben entsprechend auch etwas in der Hand. Der Sitz der neuen Stiftung müsste eigentlich nach Altenburg“, befand sie.

Unterstützung kam auch von Johannes Ungvari. Bereits in den 90ern sei einmal eine Stiftungsvariante diskutiert worden, erinnerte der ehemalige OB. „Wir haben uns damals nach sorgfältiger Prüfung dagegen entschieden, hätten Selbstständigkeit und Mitbestimmung aufgeben müssen“, blickte er zurück. Angesichts vieler offener Fragen erscheine ihm das neuerliche Konstrukt als trojanisches Pferd.

Kooperation zwischen Beteiligten ist Trumpf

Die mangelnde Information auf Bundes- und Länderebene war auch Christoph Zippel ein Dorn im Auge. „Wir sollen Geld bekommen und dafür eine Stiftung gründen. Das alles wirkt wie ein Mittel zum Zweck“, kritisierte der CDU-Landtagsabgeordnete. Es sei nun vor allem geboten, gemeinsame Forderungen zu formulieren und klare rote Linien zu benennen.

Eine engere Kooperation zwischen allen Beteiligten regte auch Christine Büring an – das sei gerade angesichts lange verschlafener Möglichkeiten dringend geboten. „Wir stolpern seit 30 Jahren von einer Katastrophe in die nächste, kommen aber gerade im Vergleich mit umliegenden Zentren nicht auf die Beine“, argumentierte die Chefin der Altenburger Tourismus GmbH. Da brauche es eine Bündelung der hiesigen Stärken, die man vereint in die Stiftung einbringen könne – unterfüttert von einem entsprechenden Marketingkonzept.

Helfender Blick nach Berlin und Brandenburg?

Wie man letztlich konkret vorgehen könnte, beschäftigte auch AfD-Kreisrat Uwe Rückert. Er regte an, den Blick vor der endgültigen Entscheidung nach Berlin und Brandenburg zu richten, schließlich sei die dortige Stiftung Preußische Schlösser und Gärten offenbar Vorbild für das nun in Mitteldeutschland angedachte Konstrukt.

Zumindest ein wenig Licht ins Dunkel konnte schließlich Jörg Schmid bringen. Die angedachte Stiftung sei keinesfalls ein verpflichtendes Konstrukt, so der Referatsleiter in der Thüringer Staatskanzlei. „Es ist ein Angebot, das man annehmen kann, aber nicht muss“, versuchte er, etwaige Ängste zu zerstreuen. Gesichert sei allerdings, dass in der geplanten Betriebskostenbeteiligung ausdrücklich die Personalkosten eingerechnet seien – womit zumindest in einem Punkt Klarheit hergestellt wurde.

OB warnt vor roten Linien

Am Ende war es schließlich erneut an Oberbürgermeister André Neumann, Pläne und Ideen in geordnetere Bahnen zu lenken. Es würden bereits entsprechende Kooperationsgespräche geführt, konnte das Stadtoberhaupt verkünden. Wichtig sei indes, die eigene Hand nicht zu überreizen. „Wir können nicht nur fordern und dafür dann Geld erwarten. Diesen Zahn möchte ich gleich ziehen.“

Auch vor allzu streng gezogenen roten Linien warnte Neumann – gerade mit Blick auf die ohnehin zwingend nötige Stadtratsentscheidung über einen Beitritt zur Stiftung. „Rote Linien bergen die Gefahr, dass sie mitunter nicht zu halten sind. Ich möchte deshalb keine Fraktionen verlieren“, betonte er. Und mahnte umgehend, dass man etwaige Stiftungsgelder vernünftig einzusetzen habe: „Keiner hat Interesse daran, uns Millionen zu geben, und dann findet hier nichts statt.“

Von Bastian Fischer

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