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Altenburg Leipziger Pianistin Kyra Steckeweh bringt Ungewohntes in die Brüderkirche
Region Altenburg Leipziger Pianistin Kyra Steckeweh bringt Ungewohntes in die Brüderkirche
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16:25 13.05.2019
Stellte sich der ungewohnten Akustik im Gotteshaus: Die Leipziger Pianistin Kyra Steckeweh gastierte in der Altenburger Brüderkirche. Quelle: Felix Friedrich
Altenburg

Es war in mehrfacher Hinsicht ein nicht alltäglicher Klavierabend, der mit der Leipziger Pianistin Kyra Steckeweh in der Altenburger Brüderkirche stattfand.

Verdientes Podium für Nischenkomponistinnen

Da gab es einerseits ein Konzertprogramm, mit dem die Musikerin bewusst auf das Standardrepertoire, etwa mit Werken Beethovens, Chopins oder Brahms’, verzichtete und stattdessen ausschließlich Komponistinnen des 19. und 20. Jahrhunderts präsentierte. Damit hatte sie nicht nur eine Marktlücke erkannt, sondern holte diese zum Teil unbekannten Tonschöpferinnen aus ihrer Nischenposition heraus und gab ihnen das verdiente Podium. Andererseits ist es absolut nicht üblich, dass ein Klavierabend in einer Kirche stattfindet.

Insofern musste man sich bei den ersten Tönen ihres brillanten Spiels auf diese Situation einlassen, denn die Akustik einer Kirche ist für voluminösen Orgelklang ausgerichtet. Ein besaitetes Tasteninstrument hat es da nicht ganz einfach, denn sowohl die donnernden, virtuosen Passagen als auch die ganz verinnerlichten Klangsphären des Klaviers sind ganz auf die akustischen Konditionen eines Konzertsaals ausgerichtet.

Richtige Reaktion auf die Gegebenheiten

Für Kyra Steckeweh war es deshalb beim eingangs gespielten Prelude der britischen Komponistin Morfydd Owen nicht einfach, die massiven Akkord-Ballungen einigermaßen durchsichtig zu gestalten und das Ganze nicht in einen undurchsichtigen Klangrausch einmünden zu lassen. Sie tat das einzig Richtige, indem sie sich nicht auf zu flotte Tempi einließ und auch den Pedalgebrauch in Grenzen hielt.

Mit einiger Spannung hielt das Publikum die Programmzettel in den Händen, denn wie würde sich die Musik der weiblichen Konkurrenz zu den männlichen Klassikern ausnehmen? Würde sie bestehen können oder würde es mit dieser Auswahl nur auf die Erfüllung der Frauenquote hinauslaufen?

Unumwundene Bewunderung für Werk-Auswahl

Nun, Enttäuschung war keinesfalls angesagt, sondern unumwundene Bewunderung für die komponierende Damenwelt. Natürlich überstrahlte die Jubilarin des Jahres, Clara Schumann, mit ihrem prächtigen und klangschönen Scherzo op. 14 den gesamten Abend, obwohl man diesem Stück schon unüberhörbar den Stil ihres Mannes Robert Schumann anmerkt.

Daneben stand auf gleicher Augenhöhe das französische Geschwisterpaar Lili und Nadia Boulanger, deren Musik absolut den Einfluss des Impressionismus spüren lässt. Trotzdem sind ihre Werke eigenständig und sehr emotional, sei es in der Nachempfindung eines „alten oder hellen Gartens“ oder einer Reise nach Rom im Jahr 1914. Da wurden musikalisch Höhen und Tiefen unseres irdischen Daseins sehr nachhaltig geschildert. Von der kompositorischen Qualität dieser Stücke konnte man nur den Hut ziehen.

Ausbleibendes „Aha-Erlebnis“

Das umfangreichste Werk des Abends war eine von Kyra Steckeweh entdeckte und erstmalig auf CD eingespielte Sonate der Berliner Komponistin Emilie Mayer. Das Werk füllte fast die gesamte zweite Hälfte des Konzertes, blieb aber dennoch in seiner musikalischen Aussage gegenüber den anderen Stücken etwas blass.

Trotz eines markanten Quartensprungs als Hauptthema des ersten Satzes ergeht sich Emilie Mayer oft in belanglosen Akkordfolgen und Girlanden. Das „Aha-Erlebnis“ blieb da leider aus, obwohl Kyra Steckeweh ihr Bestes gab, makellos musizierte und die wenigen Steigerungen kraftvoll profilierte. Lediglich der dritte Satz blühte mit seiner Kopfmelodie leuchtend auf, bevor das Finale sich dann doch wieder in einigem Leerlauf verlor.

Großes Lob insgesamt für die Leipziger Pianistin für diesen perfekt ausgeführten, sehr interessanten und einmaligen Tastenabend.

Von Felix Friedrich

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