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Altenburg Lindemau-Museum zeigt Sonderschau des zum Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“
Region Altenburg Lindemau-Museum zeigt Sonderschau des zum Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“
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09:42 22.02.2019
Kurator Benjamin Rux führt schon einmal vorab durch der Sonderausstellung „Das Bauhaus – Grafische Meisterwerke von Klee bis Kandinsky“, die am Sonntag öffnet. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Aufbruch und jähes Ende, Geburtsstunde und willentlich-bewusste Zerschlagung: Hier liegen kraftvoll-idealistischer Auftakt, verheißungsvolles Werden und erzwungenes Vergehen dicht beieinander. Nur 14 Jahre existierte das 1919 in Weimar aus der Taufe gehobene Staatliche Bauhaus, das sich – vom Gründungsort vertrieben – ab 1925 in Dessau ansiedelte, 1932 nach Berlin umziehen musste und 1933 schließlich gänzlich geschlossen wurde.

Knapp anderthalb Jahrzehnte, die in der Kunst-, Architektur- und Menschheitsgeschichte als ein winziger Bruchteil erscheinen. Und doch hat diese kurze Zeit genügt, um die Bauhaus-Maximen bis heute als höchst gewichtige und langzeitnachwirkende ideell am Leben zu erhalten. Dank ihrer charismatischen Protagonisten, die Akzente setzten, die die Welt veränderten.

Das Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“, das 2019 entsprechend rund um den Globus gefeiert wird, ist auch dem Lindenau-Museum Anlass, die erste große Ausstellung des Jahres unter diese Überschrift zu setzen, dabei einen bislang wenig beachteten Randaspekt ins Zentrum rückend. „Das Bauhaus – Grafische Meisterwerke von Klee bis Kandinsky“, so ist die Sonderschau überschrieben, die an diesem Sonntag, dem 24. Februar, um 15 Uhr eröffnet wird. Im Rahmen dieser Präsentation gelangt erstmals in komplexer Geschlossenheit ein Schatz aus der Grafischen Sammlung des Hauses ans Licht der Öffentlichkeit, der deutschlandweit Seltenheitswert besitzt.

Im Herbst 1921 präsentierte Bauhaus-Gründer Walter Gropius gemeinsam mit Lyonel Feininger, dem Leiter der druckgrafischen Werkstatt am Bauhaus Weimar, eines der wichtigsten transnationalen Kunstprojekte nach dem Ersten Weltkrieg: Unter dem Titel „Neue Europäische Graphik“ luden sie die künstlerische Avantgarde jener Zeit ein, je eine Druckgrafik zu einer fünf Mappen umfassenden Werkschau aktueller Grafik beizusteuern. Dem trotz der bittersten Erfahrungen des Ersten Weltkrieges damals noch sehr national ausgerichteten Kulturbegriff sollte nach dem Willen der beiden Initiatoren des Projektes die Idee eines kosmopolitischen Künstlerbundes entgegengehalten werden.

Dabei entstanden bis ins Jahr 1924 vier Mappen mit Druckgrafiken deutscher, italienischer und russischer Künstler, eine Mappe mit Arbeiten französischer Künstler blieb Fragment. Das Lindenau-Museum zählt zu den ganz wenigen Museen, das im Besitz des kompletten Quartetts der edierten Mappen ist.

Dem der Klassischen Moderne äußerst zugetanen ersten Direktor des Lindenau-Museums nach dem Zweiten Weltkrieg, Hans Conon von der Gabelentz, ist es zu verdanken, dass diese (nach dem Ende der Bauhaus-Ära in alle Winde verstreuten und in der Nazizeit teils auch zerstörten) Mappenwerke bereits zu Beginn der 1950er-Jahre aufgespürt und fürs hiesige Museum angekauft wurden.

In der Gegenwart erweisen sich die Arbeiten, deren Schöpfer als das „Who is who“ der Avantgarde-Prominenz der 1920er-Jahre gelten, als ein goldwerter Bestandteil der Grafischen Sammlung. Von dem die Expertenwelt längst Kenntnis genommen hat. Denn obgleich die Mappenwerke in Altenburg noch nie in ihrer Ganzheit ausgestellt waren, erreichen das Lindenau-Museum immer wieder Leihanfragen anderer Häuser. „Die Exponate sind öfter mal auf ‚Gastspielreisen‘, aber fürs Jubiläumsjahr 2019 haben wir uns die Sammlung natürlich gesichert“, erzählt Benjamin Rux, einer der beiden Kuratoren der aktuellen Sonderschau und Leiter der Grafischen Sammlung.

Und die Wissenschaftliche Volontärin Laura Rosengarten, als Kuratoren-Partnerin an seiner Seite, ergänzt auf Nachfrage: „Seit mindestens zwei Jahren laufen die Vorbereitungen für diese langfristig konzipierte Ausstellung, seit einem halben Jahr haben wir jetzt intensiv daran gearbeitet, und mit der noch ausstehenden endgültigen Entscheidung für die Hängung der Einzelarbeiten liegt ein ganzes Stück Arbeit noch vor uns“, erzählt die Kunsthistorikerin beim Vorab-Presserundgang vor teils noch leeren Wänden.

Doch gerahmt am Boden stehen sie zu diesem Zeitpunkt alle schon – jene Schätze, die ab Sonntag die Ausstellungsbesucher faszinieren werden. Darunter Arbeiten von Legenden ihres Metiers wie Max Beckmann, Marc Chagall, Giorgio de Chirico, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Ernst Ludwig Kirchner und Paul Klee.

Sie – und etliche mehr – leisteten vor 100 Jahren ihren Beitrag zu dieser vom Bauhaus erstrebten „Neuen Europäischen Graphik“, für die sie auf ein Honorar verzichteten. Wobei feurig verkündete kosmopolitische Utopie und die Wirklichkeit am Ende nicht zueinander fanden: Trotz avisierter übergreifender Internationalität wurden die Einzelarbeiten letztlich doch nach Herkunftsort der Künstler getrennt in die Einzelmappen sortiert und so herausgegeben.

Und auch der ursprüngliche Plan, dass die namhaftesten Avantgarde-Künstler ihrer Zeit ihre Exponate kostenfrei zur Verfügung stellen, die Mappen dafür aber wegen dieses Prominentenstatus’ ein stolzes Sümmchen in die stets nur spärlich gefüllten Kassen des Bauhauses spülen würden, scheiterte kläglich. Die Botschaft des Projektes, die „Idee Europa“, aber überlebte und erweist sich bis heute aktuell.

Von derlei und manch anderen wissenswerten Episoden aus dem vom Aufbruch in eine neue Zeit geprägten Bauhaus-Leben von vor 100 Jahren und den Auswirkungen bis in die Gegenwart wird am Sonntagnachmittag zur Ausstellungseröffnung zu hören sein. Neben besagter „Neuer Europäischer Grafik“ aus vier Bänden sind in der reizvoll-anregenden Sonderausstellung einige seltene Druckserien der Bauhauslehrer Feininger, Gerhard Marcks und Georg Muche zu sehen, die am Bauhaus entstanden sind und ebenfalls eine Entdeckung durch den heutigen Betrachter verdienen.

Ein umfangreiches Begleitprogramm findet sich im Internet: www.lindenau-museum.de. Zur Ausstellung erschien ein Katalog.

Von Frank Engelmann

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