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Altenburg Lossener Familie verzweifelt: Brunnen liefert verdrecktes Wasser
Region Altenburg Lossener Familie verzweifelt: Brunnen liefert verdrecktes Wasser
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14:48 27.01.2019
Doreen und Manfred Kuczawa stehen vor ihrem Brunnen in Lossen. Das Wasser ist verseucht. Im Sommer war er nahezu trocken. Quelle: Jens Rosenkranz
Göhren

Für die meisten Menschen im Altenburger Land ist sauberes und ausreichendes Trinkwasser aus dem Hahn kein Problem. Für die Familie Kuczawa aus Lossen schon. Da der Göhrener Ortsteil über keine zentrale Leitung verfügt, bezieht die Familie ihr Wasser aus dem Brunnen, gleich neben ihrem Haus. Doch trinken können es die Kuczawas schon seit Jahren nicht mehr, da es stark mit Coli-Bakterien verschmutzt ist. Die Grenzwerte sind anhand der vorgenommenen Messungen weit überschritten, auch die festgestellte Anzahl steigt seit Jahren ständig. Dabei ist laut deutscher Trinkwasserverordnung glasklar festgelegt, dass in 100 Millilitern Wasser gar keine Belastung mit coliformen Bakterien auftreten darf.

Landratsamt warnt vor Gefahr

Das Landratsamt hat die Familie deshalb schon wegen „der schlechten bakteriologischen Beschaffenheit“ schriftlich gewarnt, dass das Wasser nur gechlort und abgekocht verwendet werden darf. Wegen der fäkalen Verunreinigung bestehe außerdem die Gefahr, dass weitere Erreger wie Salmonellen oder Gelbsuchtviren im Wasser vorhanden sein könnten. Die Kreisbehörde empfiehlt eine Reinigung und Desinfektion des Brunnens.

Doch das haben die Kuczawas schon mehrfach getan, ohne dass die Keime verschwanden. Schon seit Jahren trinken sie nur Tafelwasser. Doch die Bakterien landen beim Waschen am Geschirr, beim Duschen am Körper. „Das ist doch ein fürchterlicher Zustand“, meint Doreen Kuczawa. „Wir fühlen uns hilflos.“ Völlig unverständlich sei, dass sie vom Landratsamt ständig zu Wassertests aufgefordert werde, der zwischen 113 und 152 Euro kostet, obwohl bekannt sei, dass das Wasser belastet ist, aber niemand nach den Ursachen forsche.

Das Maß voll war im vergangenen Sommer, als wegen der Trockenheit der Brunnen nahezu versiegte. Der Wasser- und Abwasserzweckverband Altenburger Land (ZAL) stellte der Familie einen Wasserwagen vor die Tür und berechnete für zwei Kubikmeter 4,60 Euro. Für die An- und Abfahrt allerdings kamen weitere 45,50 Euro hinzu. Die Kuczawas empfinden das als den blanken Hohn.

Bürgermeister sauer

Ähnlich sieht das Göhrens Bürgermeister Frank Eichhorn. Der ZAL habe zwar Kosten für den Wasserwagen, hätte sich in diesem Fall aber kulant zeigen können, meint er. Das Problem wäre gar nicht vorhanden, hätte der Zweckverband Lossen und auch die anderen Dörfer an eine zentrale Leitung angeschlossen. Doch das werde immer wieder verschoben, auch aus finanziellen Gründen. Jetzt sei es aber genug. „Ich forderte den ZAL auf, für Lossen endlich eine Lösung zu finden“, betonte der Bürgermeister gegenüber der OVZ. Die ständige Vertröstung sei nicht mehr hinnehmbar. „Es muss endlich mal losgehen.“ Es sei beschämend für Deutschland, dass es überhaupt noch Brunnendörfer gibt und die Leute dort kein sauberes Wasser haben, sagt er.

ZAL-Chef ratlos

Verantwortlich für die Versorgung mit sauberem Trinkwasser ist der ZAL. Das bestätigt dessen Werkleiter Lars Merten gegenüber der OVZ. Wie das Problem in Lossen gelöst werden kann, weiß er aber nicht. Weil es nämlich zahlreiche Brunnendörfer im Landkreis gebe, die auch auf zentrale Leitungen drängen. Das zu realisieren, koste Zeit und Geld. Schon jetzt habe der ZAL jedoch eine der höchsten Gebühren in Thüringen, erklärt Merten. Und oft sei es so, dass etliche Einwohner wieder ihren Brunnen nutzen, nachdem sie eine Leitung bekommen habe. „Wir wollen helfen, aber es muss sich rechnen“. Und ein einziges Haus an eine neue Leitung anzuschließen, rechne sich eben nicht. Merten kündigt an, dass der Verband in allen Brunnendörfern die Bürger befragt, ob sie eine Leitung wollen. Und dann hofft er auf eine politische Lösung. Denn Fördermittel gibt es nicht.

Im Fall der Kuczawas aus Lossen will sich die Politik nun wirklich kümmern. Die CDU-Landtagsabgeordnete Simone Schulze will sie am Dienstag besuchen.

Von Jens Rosenkranz

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