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Altenburg MBZ Meuselwitz muss Projekte an Dritte übergeben und rempelt Landratsamt an
Region Altenburg MBZ Meuselwitz muss Projekte an Dritte übergeben und rempelt Landratsamt an
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18:18 09.08.2018
Für das MBZ ist  ein Insolvenzverfahren eröffnet worden.
Für das MBZ ist ein Insolvenzverfahren eröffnet worden. Quelle: Jens Rosenkranz
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Altenburg/Meuselwitz

Das Amtsgericht Gera hat das Insolvenzverfahren über das Mitteldeutsche Bildungszentrum (MBZ) eröffnet. Darüber informiert Insolvenzverwalter Harald Heinze in einer Pressemitteilung. Das MBZ ist in den Bereichen Bildung, Beschäftigung und Integration sowie der Jugendhilfe aktiv. Den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens hatte das MBZ Anfang Juni gestellt (OVZ berichtete).

Jugendprojekte sollen an Dritte gehen

Der Insolvenzverwalter führe alle laufenden Projekte des MBZ in vollem Umfang fort und verhandele eine langfristige Perspektive mit mehreren potenziellen Übernehmern. Ziel sei ein möglichst „verlustfreier Übergang für die betreuten Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen sowie für die Arbeitnehmer des MBZ“, heißt es. Eine Übertragung auf Dritte sei erforderlich, weil der Landkreis Altenburger Land und der Freistaat Thüringen als Hauptfinanzierer der sozialen Projekte eine Weiterführung und Sanierung des MBZ abgelehnt hätten.

Landratsamt dementiert Darstellung

Diese Darstellung des Insolvenzverwalters „widerspricht den Tatsachen und ist schlicht abwegig.“ Das teilte gestern die Pressestelle des Landratsamtes mit. „Sowohl im Gespräch mit dem Geschäftsführer als auch mit dem Insolvenzverwalter hat die Kreisverwaltung wiederholt betont, dass die Angebote für die Durchführung der Aufgaben der Jugendhilfe im Landkreis notwendig sind und der Landkreis an einer Fortführung der zuverlässigen Zusammenarbeit interessiert ist“, heißt es. Ende Juni habe Heinze festgestellt, dass die Grundlagen für eine Unternehmensfortführung gegeben seien. Zugleich versicherte der Insolvenzverwalter, dass der Geschäftsbetrieb der Jugendhilfemaßnahmen und Projekte unverändert fortgesetzt würde.

Lösungssuche gelang nicht

Um die Liquidität des Trägers nicht zusätzlich zu gefährden, wurde durch die Kreisverwaltung zugesichert, dass hier eingehende Leistungsabrechnungen unverzüglich ausgeglichen werden, was für die zurückliegenden Monate auch so erfolgt sei. Vor dem Hintergrund der Ankündigung des Insolvenzverwalters, dass der Geschäftsbetrieb uneingeschränkt weiterlaufe, sei am 28. Juni eine vorsorglich vorübergehend ausgesprochene Belegungssperre des Trägers aufgehoben worden. Nachfolgend wurde am 9. Juli ein Kind neu in die Meuselwitzer Tagesgruppe aufgenommen – mit der Perspektive von zunächst einem Jahr Betreuung in der Einrichtung. „Zu einer kooperativen gemeinsamen Lösungssuche, zu der die Kreisverwaltung jederzeit bereit war und ist, kam es bislang nicht. Schreiben an Herrn Dr. Heinze blieben bisher ausnahmslos unbeantwortet“, teilt das Landratsamt weiter mit.

MBZ kümmert sich um Flüchtlinge

Das MBZ ist in zahlreiche öffentliche soziale Projekte eingebunden. So betreibt es in Schmölln eine Wohngruppe mit derzeit elf unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, außerdem eine Tagesgruppe für Jugendliche im firmeneigenen Verwaltungsgebäude in Meuselwitz sowie verschiedene Projekte, um Menschen in schwierigen Lebenslagen zu helfen oder sie auf den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten. Insgesamt profitieren im Moment 66 Personen von solchen Hilfsangeboten.

Jobs sollten gesichert werden

Nach Auskunft von MBZ-Geschäftsführer Matthias Matuszewski habe der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens dazu gedient, die Jobs der Mitarbeiter zu sichern und das Unternehmen in ruhiges Fahrwasser zu bringen. Als Grund für den Antrag nannte er eine schwierige Marktsituation und das Auslaufen von Arbeitsgelegenheiten.

Von Jens Rosenkranz