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Altenburg Marche und Malcher im Klamotten-Check
Region Altenburg Marche und Malcher im Klamotten-Check
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12:04 27.07.2019
Susann Schatz und Dirk Schatz in der traditionellen Altenburger Tracht. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Hormt, Jöppchen, Spencer– die traditionelle Tracht im Altenburger Land, die Tracht von Marche und Malcher, bietet so einige kuriose Namen und viel Stoff, in den sich die Bauern kleideten, um zu zeigen, wie es um ihren Reichtum bestellt war. Susann Schatz hat sich als Vorsitzende des Heimatvereins Göpfersdorf eingehender mit dem Thema beschäftigt. Eine komplette Frauentracht, also die Kleidung der Marche, befindet sich noch im Besitz ihrer Familie und ziert die Ausstellung des Heimatmuseums im Quellenhof. Die Kleidung des Malchers, die Männertracht, die das Museum ausstellt, ist leider nur eine Nachbildung, da Originale schwer zu finden seien. Schatz ist die Brauchtumspflege sehr wichtig: „Mein Ururgroßvater war Heimatforscher, hat viel aufgeschrieben. Da ist es schön, weiterzumachen, damit nichts verloren geht.“

Ohne Ankleide-Hilfe wird’s schwierig

Während sie sich Kleidungsstück für Kleidungsstück, Schicht für Schicht tiefer in die modische Vergangenheit begibt, wird deutlich, wie aufwendig das Ankleiden damals war: „Ich glaube, die brauchten Hilfe beim Anziehen, so unbequem wie das ist,“ sagt Schatz. Die Pippi-Langstrumpf-würdig rutschenden Kniestrümpfe machen den Anfang – und sogar die sind original. Damit die auch wirklich nicht rutschen, braucht es zwei Bänder: Ein dünnes schwarzes, das Halt garantieren soll, und ein violettes zur Deko mit Schleife.

Das erste Oberteil ist das Leibchen, eine Art Bluse mit ballonartigen Ärmeln, an der mit Stickereien der Reichtum der Familie gezeigt werden konnte. Das Ausstellungsstück des Heimatmuseums ist reich bestickt und passt in seinem Muster perfekt zum Rock. Die Verzierungen deuten darauf hin, dass es sich um eine Sonntagstracht handelt. Für die Aufnahmen trägt Schatz jedoch eine Nachbildung, um das originale Ausstellungsstück vor Beschädigungen zu schützen.

Tracht orientierte sich am spanischen Hof

Der Rock geht Susann Schatz kurz über die Knie, hat mit seiner Bleistiftform einen fast schon modernen Schnitt, schränkt jedoch enorm die Bewegungsfreiheit seiner Trägerin ein. An der Seite und hinten gesmokt, also mit einem Zierstich in kleine Fältchen gerafft, vorne mit großen Knöpfen, orientierte sich die Tracht an der damaligen spanischen Hofmode.

Mit dem Mieder kommt eine neue Herausforderung – das Brett, bestehend aus Sperrholz oder Pappe und mit vorne schwarzem, hinten gemustertem Stoff überzogen. Die Platte wird mit dem Mieder vor den Oberkörper geschnallt. Um den Abstand zwischen Brett und Dekolleté zu kaschieren, bindet sich Schatz eine Vorsteckschleife an den Hals. Über Mieder und Brett kommt schließlich noch das Jöppchen, eine Jacke mit prominenten Schulterpolstern und ebenso reich bestickt, die mit einem schwarzen Seidenband geschlossen wird.

Bis Marche und Malcher fertig angekleidet waren, dauerte das seine Zeit – denn es sind nicht wenige Einzelteile, aus denen die traditionelle Altenburger Tracht besteht. In der Bildergalerie werden die Einzelteile aufgeschlüsselt.

„Schwarze Seide war in diesen Zeiten sehr teuer und durch die Stickereien wurde der Wert zusätzlich erhöht,“ erklärt Schatz, während sie sich mit den engen Ärmeln des Jöppchens abmüht. Gar nicht so einfach, alle Schichten übereinander zu legen. Ein Halstuch zur Zierde wird über die Schultern gelegt, und auf den Kopf kommt noch eine ebenfalls reich verzierte Haube mit einer Art Schleppe, die bis auf den Rücken fällt. Ganz wichtig: „Bei der Frau darf kein einziges Haar zu sehen sein, das muss alles unter der Haube versteckt werden“, sagt Schatz.

Hormt: Kopfbedeckung für die Braut

Für Bräute galten jedoch andere modische Regeln: Sie trugen noch keine Haube, sondern das berühmte Hormt, eine kronenähnliche Kopfbedeckung mit allerlei Schmuck, klimpernden Anhängern und Kunstblumen, genauer gesagt Seidenblumen. Natürliche Blumen waren nicht gern gesehen, da Seidenblumen teurer in der Anschaffung und somit wertvoller waren.

Zeitgleich wirft sich Susann Schatz’ Mann, Dirk Schatz, in die Tracht des Malchers. Schon bei der Hose ächzt er: „Ich schätze den, der die Jeans erfunden hat.“ Auch er trägt ein weites Hemd, das in diesem Fall authentisch nachgenäht wurde, und eine weite Hose, bei der wieder verschwenderisch mit Stoff umgegangen wurde. „Wegen der Angeberei“, lacht Susann Schatz. Damit die Hose nicht rutschte, bekam der Malcher eine Hosenhebe, also Hosenträger.

Die Hose geht kurz über die Knie, die Waden bedecken auch hier dicke, weiße Strümpfe. Auch der Mann trägt etwas westenähnliches, den Latz aus schwarzer Seide. Aus dem gleichen Material ist auch das fein gewebte Halstuch. Über das Hemd zieht Schatz den Spencer, die kurz geschnittene, zweireihige Jacke in gedecktem Schwarz. „So einen hatte ich zur Hochzeit an,“ erzählt Schatz.

Arno Müller: letzter Garbisdorfer Trachtenschneider

Für die Wintermonate hat Schatz auch noch etwas für den zusätzlichen Zwiebellook in petto, das original aus Garbisdorf stammt: ein langer Mantel, den der letzte Garbisdorfer Trachtenschneider entworfen hat. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts belieferte Arno Müller die Gegend mit traditioneller Kleidung.

„Aber schon zur Jahrhundertwende haben immer weniger junge Frauen Tracht getragen,“ erzählt Schatz. Repräsentative Fotos seien jedoch immer noch gemacht worden. Dabei war es sehr wichtig, darauf zu achten, dass die Frau an der rechten Seite des Mannes stand.

Imposant ist es, wie die beiden nebeneinander posieren, wie aus der Zeit gefallen. Aber zugegeben – die heutige moderne Mode ist doch ein bisschen unkomplizierter.

Von Katharina Stork

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