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Altenburg Marstallkonzert mit Philharmonischem Orchester Altenburg Gera und Johannes Kilian
Region Altenburg Marstallkonzert mit Philharmonischem Orchester Altenburg Gera und Johannes Kilian
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16:06 09.09.2019
Das Philharmonische Orchester Altenburg Gera gab im Rahmen des Tages des offenen Denkmals das Marstallkonzert – in diesem Jahr in der Brüderkirche. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Das jährliche Marstallkonzert zwei Tage vor dem „Tag des offenen Denkmals“ in Altenburg ist Kult. Diese Reithalle aus herzoglichen Zeiten ist heute mit ihrer verschlissenen eleganten Rustikalität Anziehungspunkt Nr. 1, wenn Stadt-und Kreisverwaltung zur Eröffnung des Denkmaltages und zur Würdigung denkmalpflegerischer Leistungen dahin einladen. In keiner einheimischen Veranstaltung gibt es eine so enge Verbindung zwischen Architektur und Musik.

Diesmal stand den Veranstaltern der „Pferdestall“ nicht zur Verfügung und so gab es ein „Marstallkonzert“ in der Brüderkirche – von der lexikalischen Seite her eher widersinnig –, von der traditionell-kultigen aber ein Volltreffer. Vor allem akustisch konnten die Musikerinnen und Musiker des Philharmonischen Orchesters profitieren. Was sich da aus dem Altarraum in das Kirchenschiff ergoss, war ein Klangrausch erster Güte, den der bisherige Chordirektor des Theaters, Gerald Krammer, bei seinem ersten öffentlichen Dirigat mit dem Orchester aus diesem herausholte. Und man tat gut daran, diesmal auf Sängerinnen und Sänger zu verzichten und entging damit der Gefahr, einen Aufguss des letzten Bauernhofkonzertes zu servieren.

Es war kein Unterhaltungskonzert geplant, sondern eine musikalische Würdigung all derer, die architektonisch die Kreisstadt und Dörfer des Kreises verschönert haben. Das geschah im ersten Veranstaltungsteil vor allem mit Musik hymnischen Charakters wie mit dem selten gespielten Gratulations-Menuett in Es-Dur aus dem Jahre 1822 von Ludwig van Beethoven und mit dem vierten Satz Allegro con spirito aus Joseph Haydns vorletzter Sinfonie, der 103. Er komponierte diese im Jahre 1795. Sie gehört zu den berühmten zehn Londoner Sinfonien und trägt den Beinamen „die mit dem Paukenwirbel“. Dieser im Englischen genannte „Drum roll“ ertönt schon im 1. Satz. Krammer hat sich mit der musikalischen Struktur dieses letzten Satzes beschäftigt. Der einleitende romantische Hornruf gelingt lupenrein. Der oft rasche Wechsel von Klangfarben und Tempi wird deutlich gemacht. Eine schöne reife Leistung des jungen Dirigenten.

Gerald Krammer leitete das Konzert. Quelle: Mario Jahn

Diese wiederholt sich bei Richard Strauss’ Festmarsch Nr.1 aus dem Jahre 1876, von einem Zwölfjährigen geschrieben. Und er schreibt ein Leben lang Musik. Fast unübersehbar ist die Zahl seiner Werke. Einzig beim Skatspiel machte die Musik in seinem Kopf eine Pause. Bei den jährlichen Gastspielen der Altenburger Landeskapelle als Kurorchester in Garmisch-Partenkirchen Ende der dreißiger Jahre besuchte der Komponist die Musiker oft, nicht nur, um ihre Musik zu hören, sondern um mit den Skatprofis aus der Skatmetropole Karten zu spielen. Sein Fazit: „Sie spielen besser Musik als Skat“. Wir kennen nicht den Stand des aktuellen Orchesters, was Skat betrifft. Wie sie am vergangenen Freitag aber den Strauss gespielt haben, scheint sich seitdem nichts geändert zu haben. Gut für die Musik – schlecht für den Skat.

Und das zeigte sich auch im restlichen Programm, das eine Vorschau war auf die eben begonnene Spielzeit: mit einem Potpourri aus der Operette „Der Vetter aus Dingsda“, mit der Lortzing-Ouvertüre zu dessen „Wildschütz“und mit der Maskenball-Quadrille von Johann Strauß, einer Zusammenfassung der schönsten Melodien aus Verdis Oper. All dies wurde unterbrochen durch Johannes Kilian, den jungen Vibraphonisten, der sich seit Jahren als begabter Jungspund in Thomas Wickleins Bauernhofkonzerten präsentierte. Jetzt ist er in die duale Orchesterakademie Thüringens aufgenommen.

Er interpretierte mit hohem technischen Können den 1. Satz aus einem Konzert für Vibraphon und Orchester des brasilianischen Komponisten Ney Rosauro. Dieser zeigt in einem langsamen Tempo den Lebenskampf der armen Menschen in den trockenen Landesteilen des brasilianischen Nordostens. Aktueller als hier kann eine Musikpräsentation nicht sein.

Und dann das Ende: eine Walzerseligkeit mit Karl Michael Ziehrers Walzer „Hereinspaziert“. Und tosender Beifall und Standing Ovations im Gotteshaus unten und oben. Das hatte wohl niemand erwartet – am allerwenigsten der junge Dirigent und gute Moderator Gerald Krammer. Das war seine Feuertaufe. Er hat sie bestanden mit dem Altenburger Publikum, das ein bisschen anders ist als anderswo und manchmal auch verrückter. Die Zugabe wird später nachgereicht.

Von Manfred Hainich

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