Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Mehr als nur das Fenster sauber wischen
Region Altenburg Mehr als nur das Fenster sauber wischen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:07 09.07.2019
Gebäudereiniger haben ein vielfältiges Einsatzgebiet: Hier putzt der angehende Meister Maximilian Lenk mit einer Maschine Fußbodenfliesen. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

„Warum lernt man drei Jahre lang, wie man putzt?“ – Eine Frage, die Maximilian Lenk schon öfter zu hören bekommen hat. Böse ist er deshalb niemandem. Auf sich sitzen lassen will er das aber auch nicht. Der 22-Jährige macht gerade seinen Meister im Gebäudereiniger-Handwerk in der Firma seines Vaters Tino. Die Altenburger Dienstleistung und Service GmbH (Aldus) gibt es seit 1992 – ein Familienbetrieb in nun schon zweiter Generation. Entgegen flächendeckender Nachwuchssorgen im Handwerk ist die Linie bei Aldus gesichert. Maximilian will weitermachen. Er mag seinen Job. Denn Gebäudereiniger zu sein, ist heute um einiges mehr als Fenster putzen und Toiletten durchwischen.

Lieber Altenburg statt Leipzig – eine Ode an die Heimat

Bevor Maximilian so ganz offiziell bei Aldus anheuerte, kam er schon vorher nie wirklich am Betriebsalltag vorbei. „Ich habe ab und an in den Ferien hier gejobbt, beim Winterdienst geholfen und ein Praktikum gemacht“, erzählt der 22-Jährige. Nach der Schule folgte aber erst einmal eine Episode Großstadt. In Leipzig studierte er Bauingenieurwesen, „weil die Mama Architektin ist“. Nach dem fünften Semester strich er die Segel. „Den ganzen Tag in einem Planungsbüro sitzen, das wäre einfach nichts für mich gewesen.“

Außerdem war die Sehnsucht in die Altenburger Heimat zu groß. Leipzig schön und gut, aber zu viel Trubel. Jetzt steckt er mitten in seinem Meister und bekommt über ein Förderprogramm des Landes Thüringen finanzielle Unterstützung. Weil der frühere Profi-Kicker sein Abitur an einer Sportschule gemacht hat, konnte er im zweiten Lehrjahr einsteigen und so die Ausbildungszeit von drei Jahren abkürzen.

Ohne Seiteneinsteiger würde die Branche kollabieren

Dass der junge Altenburger seinen Meister macht, ist nicht selbstverständlich. Sein Vater weiß das. „Der Berufsstand des Gebäudereinigers ist seit etwa zehn Jahren aus der Handwerksrolle raus“, erzählt er. „Es gibt also keinen Meisterzwang mehr.“ Der Aldus-Chef sieht das ambivalent. Gut sei, dass sich sein Handwerk damit in alle Richtungen geöffnet habe, also mehr Menschen aus unterschiedlichsten Lebens- und Arbeitsbereichen erreicht. Immerhin arbeite er selbst auch mit einem Haufen Quereinsteigern. Einen gelernten Koch stelle er aktuell zum Beispiel an. Seine Berufsgruppe ist riesig, „wenn nicht sogar die größte im handwerklichen Umfeld“.

Etwa 700 000 Gebäudereiniger sind deutschlandweit beschäftigt. „Es gibt dementsprechend keinen Betrieb, der ohne Seiteneinsteiger arbeitet. Das würde nicht klappen.“ Die andere Seite der Medaille: Durch das große Fühlerstrecken ist es inzwischen möglich, dass jeder eine Gebäudereinigungsfirma gründen kann, der eine Ausbildung hat. Etwas, was Lenk senior Kopfschmerzen bereitet. „Die können alle selbst keinen Nachwuchs ziehen, weil ihnen der Meistertitel fehlt.“

Neue Aufgaben, neue Leute und Frischluft

Der Beruf des Gebäudereinigers hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. Das Kerngeschäft von einst, nämlich Fußböden und Fenster putzen, sei heute nur noch ein Bruchteil dessen, was den Service von Aldus einschließt. „Wir machen Rasenpflege, Kleinstreparaturen, Winterdienste, Straßenreinigung – richtige Allrounder.“ Im Gerätelager der Firma in Rositz zeigt sich die Vielfalt in Gestalt von mächtig viel Blech und technischem Gerät. Kettensägen, Schneeschieber und Hochdruckreiniger stehen neben Besen, Schaufeln und Harken.

Genau das gefällt Maximilian. Jeder Tag ist anders. Jeden Tag trifft er neue Leute. Die frische Luft weht um die Nase „und dann reinigt man auch mal ein Balkondach, fährt mit der Hebebühne nach oben und hat einen einmaligen Blick Richtung Sonnenaufgang.“ Einkäufe erledigt und Unterhosen gebügelt habe er auch schon. „Gar kein Problem. Wir machen alles.“ Manchmal käme sogar ein großzügiges Trinkgeld bei rum. Inzwischen verbringt er seine Zeit immer mehr im Büro, um zu lernen, was der Vater schon weiß. Denn irgendwann muss er es machen.

„Es geht uns wie den Müllmännern und Kanalarbeitern“

Mit dem Image ihres Berufes ist das so eine Sache – sowohl Tino Lenk als auch sein Sohn wissen das. In der Regel arbeiten die Gebäudereiniger nahezu unsichtbar, außerhalb der gängigen Betriebszeiten in Großraumbüros oder Hallen. Nicht aufzufallen ist Stärke und Schwäche zugleich. Würden sie ihre Arbeit einstellen, erst dann würden einige registrieren, dass es sie überhaupt gibt, da ist sich der Aldus-Chef sicher. „Es geht uns wie den Müllmännern und Kanalarbeitern.“ Beides Berufe, deren Aufgabenfelder nicht selten ein Naserümpfen nach sich ziehen.

Beim Berufsstand des Gebäudereinigers sei das ähnlich, erzählt Maximilian. „Aber wir jagen ja nicht pausenlos Toiletten durch. Die Leute haben einfach eine zu einseitige Vorstellung.“ Hinzukommt, dass jeder meine, dass richtiges Putzen keine Kunst ist. „Kann doch jeder.“ Doch in der Ausbildung erfahren die Lehrlinge viel über die Zusammensetzung von reinigenden Substanzen. Um zu verstehen was, wie und wo wirkt. „Einfach irgendwo einen Essigreiniger raufzuknallen, ist da nicht.“ In der Berufsschule dreht sich alles um ph-Werte und Säuren. Bei Aldus werden die Lehrlinge ab Tag eins überall mit hingenommen, sie sollen die Objekte kennenlernen und anpacken.

Nächste Station: Tatortreiniger

Früher hatte Tino Lenk 25 bis 40 Azubis in einem Jahr. Heute ist er froh, wenn es 20 werden. „Die Zeiten sind anders. Das Angebot breiter. Aber ich glaube immer noch an motivierten Nachwuchs. Bei uns bekommt jeder eine Chance.“ Nett muss er oder sie sein und ins Team passen. Alles andere ist obendrauf. Auch ein Schulabschluss. Ende 2020 werden die Löhne im Osten endlich an die im Westen angepasst, erzählt Lenk erleichtert. Von 12,83 Euro soll der Stundensatz auf 14 Euro steigen. „Bei weitem nicht die bestbezahlten Handwerker, aber auch nicht die schlechtesten.“ Und Maximilian springt mit ein: „Und es gibt deutlich härtere Bereiche im Handwerk.“ Außerdem seien die Aufstiegs- und Entfaltungsmöglichkeiten enorm. Man könne sogar Tatortreiniger werden.

Stichwort: Gebäudereiniger

Gebäudereiniger säubern Innenräume und Außenfassaden unterschiedlichster Immobilien. Sie beurteilen die Beschaffenheit von Oberflächen und entscheiden über den Grad der Verschmutzung, um das passende Gerät für die Behandlung auszuwählen. Sie wischen zum Beispiel Böden, entfernen Flecken, putzen Fenster oder kehren – das Betätigungsfeld ist abwechslungsreich.

In der dreijährigen Lehre lernen die Auszubildenden unterschiedliche Reinigungsmittel kennen und eignen sich technischen sowie physikalisches Wissen an. Rechtlich ist kein spezieller Schulabschluss vorausgesetzt.

Die Mindestvergütung für Azubis ist vom Thüringer Arbeitsministerium vorgegeben und beträgt für das Jahr 2019 im ersten Lehrjahr 685 Euro, im zweiten 820 Euro und im dritten 955 Euro. Ab dem 1. Januar 2020 erhöhen sich die Sätze leicht auf 730 Euro, 865 Euro und 1005 Euro. Eine weitere Erhöhung ist für Ende 2020 angesetzt.

Der Bruttoverdienst eines ausgelernten Gebäudereinigers beträgt laut Entgeltatlas der Agentur für Arbeit im bundesweiten Durchschnitt etwa 1950 Euro.

Von Lisa Schliep

Auf Weltreise gehen, ohne Altenburg zu verlassen? Kein Problem – dank des Ladens von Soryos Jakoub. Seit drei Jahren ist er in der Burgstraße zu Hause und versammelt in seinem „Palmyra – Internationale Feinkost“ Produkte aus aller Herren Länder zum Stöbern und Entdecken.

09.07.2019

Enormer logistischer Aufwand, ein wahrer Vorstellungsmarathon und die bange Frage, ob auch genug Tickets abgesetzt werden: Die Mitspiel-Oper „Untergang der Titanic“ war für das Altenburger Theater ein echtes Wagnis. Und eines, das nicht besser hätte gemeistert werden können, findet unsere Autorin.

08.07.2019

In Altenburg kann es künftig einen oder mehrere weitere kostenlose WLAN-Zugänge im öffentlichen Raum geben. Das ermöglicht eine EU-Förderung. Aktuell wird geprüft, was wo für die 15.000 Euro möglich ist.

08.07.2019