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Altenburg Modekette startete vom Altenburger Land aus durch
Region Altenburg Modekette startete vom Altenburger Land aus durch
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12:00 04.11.2017
Großer Bahnhof im Modegeschäft: Firmeninhaber Rainer Kress empfängt Günter Lichtenstein, IHK-Vertreterin Christine Büring, Ex-Bürgermeisterin Sabine Franke (sitzend) und ihren Nachfolger Torsten Weiß im Beisein von Gebietsleiterin Sylvia Sonntag (v.l.).
Großer Bahnhof im Modegeschäft: Firmeninhaber Rainer Kress empfängt Günter Lichtenstein, IHK-Vertreterin Christine Büring, Ex-Bürgermeisterin Sabine Franke (sitzend) und ihren Nachfolger Torsten Weiß im Beisein von Gebietsleiterin Sylvia Sonntag (v.l.). Quelle: Mario Jahn
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Lödla

Es gibt sie – erfolgreiche Firmengeschichten, die im Altenburger Land ihren Anfang nahmen. Eine davon wurde und wird von Marianne und Rainer Kress geschrieben. 1992 eröffneten sie im Gewerbegebiet in Oberlödla ihren ersten Modemarkt unter dem Label Kress. Inzwischen zählt das Familienunternehmen deutschlandweit 29 Standorte und beschäftigt insgesamt mehr als 500 Mitarbeiter. Am Freitag feierten die Inhaber mit Belegschaft und Kunden ihr 25-jähriges Bestehen. Nicht nur für den Gründer Rainer Kress ein Grund, mit Stolz zurückzuschauen.

Die Euphorie der Wende, freundschaftliche und familiäre Bande in die hiesige Region gepaart mit Pioniergeist, günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und auch ein wenig Zufall führten dazu, dass die Unternehmer Kress von Altenburg aus ihre Einzelhandelskette aufbauten. „Meine Großeltern lebten in Glauchau und ich habe zwei Schulfreunde, der eine kam ursprünglich aus Königsfeld bei Rochlitz und der andere stammte von Chemnitz“, so Rainer Kress. Direkt nach dem Fall der Mauer machten sich seine Freunde auf den Weg in die alte Heimat. Auch um zu versuchen, die früheren Besitzungen zurückzubekommen. Rainer Kress nahm das Angebot gern an mitzufahren. „Die Adligen haben leider ihre Liegenschaften nicht wieder bekommen“, sagte Kress.

Doch bei ihm entflammte die Leidenschaft, den Aufbau der neuen Länder mitzugestalten. „Mein Mann kannte hier jeden Ort, jedes Dorf, jedes Museum“, erinnert sich Marianne Kress. Dazu kam, dass der noch nachhallende Mangel beim gleichzeitigen Zusammenbruch der einstigen DDR-Wirtschaft eine Grundlage für gute Geschäfte bot. „Ich weiß noch, als wir 92 die Filiale öffneten, standen die Autos bis zur Schmöllnschen Straße in Altenburg“, erzählte Karin Schneider, 24 Jahre bis zu ihrer Rente Filialleiterin in Lödla, wie sie damals förmlich überrannt wurden. Dabei waren die Startbedingungen hier abenteuerlich. Es gab in der ersten Woche weder Telefon noch Fax, und auch der Parkplatz war noch unbefestigt. Das normalisierte sich erst, nachdem der benachbarte Baumarkt öffnete.

Dass Altenburg der erste Standort für ein Kress-Modegeschäft wird, war Zufall. In Hartmannsdorf bauten die Unternehmer zu Beginn der 90er-Jahre ihre Zentrale. „Weil ich in den 80ern eines meiner Unternehmen verkauft habe, hatte ich die nötigen Mittel. Und es gab 50 Prozent Sonderabschreibung für Investitionen in den neuen Ländern“, plauderte Rainer Kress aus dem Nähkästchen.

Schon zuvor war er in der alten Bundesrepublik gemeinsam mit seiner Frau in der Textilbranche unternehmerisch tätig. Nach dem Ende der DDR übernahm er auch einen Teil der Modeproduktion in Zwickau und suchte nach einer Ladenfläche, als er hörte: Günter Lichtenstein sucht einen Mieter in Lödla.

Trotz des Anbaus und den damit verbundenen Schwierigkeiten, an die Lichtenstein und Kress beim Empfang zum 25-Jährigen mit einem Lächeln zurückdachten, ist der Laden heute mit seinen 1300 Quadratmetern die kleinste Filiale der Kress-Kette. „Aber die liebevollste“, meint Marianne Kress, die für den Einkauf und das Sortiment zuständig ist. Selbstverständlich habe sich das binnen eines Vier­tel­jahr­hun­derts verändert. „Wir sind jünger geworden, versuchen aber, die gesamte Familie glücklich zu machen“, beschrieb die Geschäftsführerin ihre Philosophie.

Doch auch wenn Eigenmarken geführt werden, die Textilproduktion wurde inzwischen aufgegeben. „Wir haben seinerzeit sogar für Escada und Gerry Weber genäht, aber das lohnt sich alles nicht mehr. Die Produktionskosten im Ausland sind einfach zu niedrig“, begründete Rainer Kress. Dafür konzentriert sich das Unternehmen seit Jahren umso mehr auf das Wachstum im Einzelhandel. Hauptaugenmerk liege nun vor allem im Westen Deutschlands.

So soll etwa 2018 im Herzen von Soest die größte Filiale mit 6000 Quadratmetern öffnen. Dass in den neuen Ländern nach der Wende in der Peripherie der Orte investiert wurde, sei im Rückblick nicht so günstig gewesen, räumte Rainer Kress ein. Doch damals in den Innenstädten ein solches Geschäft eröffnen zu wollen, sei sehr schwierig gewesen. „Das Hauptproblem waren die vielen ungeklärten Eigentumsverhältnisse“, erläuterte Marianne Kress, die wie ihr Mann noch nicht an die Rente denkt, aber ihrer Neffen als Nachfolger aufbaut.

Von Jörg Reuter