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Altenburg Moderator Stefan Bräuer meistert Altenburger Skatstadtmarathon
Region Altenburg Moderator Stefan Bräuer meistert Altenburger Skatstadtmarathon
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08:09 22.05.2019
Der Moderator des Skatstadtmarathons, Stefan Bräuer, erfüllt sich einen Traum und läuft ohne spezielle Vorbereitung die 42,195 Kilometer in Altenburg.
Der Moderator des Skatstadtmarathons, Stefan Bräuer, erfüllt sich einen Traum und läuft ohne spezielle Vorbereitung die 42,195 Kilometer in Altenburg. Quelle: Skatstadtmarathon Altenburg
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Altenburg

„Das werde ich meinen Freunden aus Altenburg niemals vergessen“, sagt Stefan Bräuer. Hinter dem Das verbirgt sich ein Traum, den sich der 50-Jährige erfüllt hat. Einmal wollte er den Skatstadtmarathon, den er seit 2009 moderiert, selbst laufen. Einmal in die Haut derjenigen schlüpfen, die er nach den anstrengenden 42,195 Kilometern mit motivierenden Worten auf dem Markt schon so oft ins Ziel getragen hat.

Lauf löst bei Oschatzer große Gefühle aus

Am Sonntag war es so weit. Mithilfe von 20 Läufern und Radfahrern gelang Bräuer das – nach den Gesetzen der Läufer – Unmögliche: Er absolvierte zum ersten Mal in seinem Leben einen Marathon – ohne spezielle Vorbereitung. Der Ex-Handballer, der über 35 Jahre aktiv gespielt hat, regelmäßig im Fitnessstudio schwitzt und im Urlaub gelaufen ist, hat dadurch zwar eine Grundfitness. Für die Langstrecke nutzt das aber wenig.

Kein Wunder, dass der Oschatzer angesichts der bewältigten „Tour des Lebens“ noch am Dienstag emotional wird. „Ich bin immer noch dabei, es sacken zu lassen, bekomme noch immer ganz leicht Gänsehaut, wenn ich darüber rede“, beschreibt der Moderator und Eventorganisator seinen Gemütszustand. Es gesellen sich „kleine Freudentränen“ und „ganz viele Emotionen“ dazu. Dabei zittert die sonst so souveräne Stimme des Einpeitschers.

Bräuer bleibt sogar im Zeitlimit

Ähnlich fühlt sich Bräuer beim Zieleinlauf: erschöpft, aber glücklich. Zunächst sei da eine Leere gewesen, erklärt er. Körperlich und im Kopf. „Aber da war auch eine große Erleichterung, denn es hätte schief gehen können.“ Damit meint er nicht nur ein Scheitern, sondern auch die latente Gesundheitsgefahr, weswegen sein Sohn Matthias ihn auf dem Rad begleitete. „Das war der heiße Draht zu meiner Frau“, so Bräuer. Der ganze Tag sei ihm wie im Traum vorgekommen. „Ist das wirklich wahr, was ich mache.“

Dass er bei seiner Premiere mit 5:53:16 Stunden sogar noch knapp unter dem Zeitlimit des Skatstadtmarathons blieb, hat er vor allem zwei Dingen zu verdanken: seinem Willen und dem Altenburger Organisationsteam. „Ich konnte mich zu 100 Prozent auf mich konzentrieren“, erklärt Bräuer. „Alles andere hatten meine Lauffreunde im Griff.“ Damit meint der 50-Jährige nicht nur, dass er ständig erfahrene Läufer an seiner Seite wusste oder ihm Mitorganisator Helmut Nitschke ein Kurzcoaching gegeben hat, sondern auch dass Heiko Krahnert vom Organisationsteam ein Versorgungsrad fuhr und mit Getränken und Essen bestückt hatte. Dazu die Tempokontrolle oder die Motivationsschilder, auf denen „Locker bleiben“ oder „Dein Wille ist deine Grenze.“ stand – wie beim regulären Lauf.

Am Ende läuft nur noch der Kopf

„Doch auf der Strecke war nicht nur alles Friede, Freude, Eierkuchen“, gesteht Bräuer. Während sich die ersten 21 Kilometer dank Smalltalk und Laufepisoden seiner Begleiter ziemlich entspannt liefen, merkte er ab Kilometer 33, wie sich der „Mann mit dem Hämmerchen“ näherte. Vier Kilometer später war er richtig in der Krise. „Da wollte der Kreislauf was von mir.“ Von da an lief nur noch der Kopf. Um die Krise zu überwinden, erinnerte sich Bräuer an Freunde, denen es gesundheitlich nicht gut geht und die deswegen den Kampf ihres Lebens führen. „Dagegen ist der Marathon Pillepalle.“ Mit derlei „Kopfbausteinen“ sei er wieder aus dem Loch gekommen.

Davor zieht Nitschke den Hut. „Eine herausragende Leistung, die bei der fehlenden Vorbereitung und den muskulären Voraussetzungen nicht unbedingt zu erwarten war“, so der Skatstadtmarathon-Sprecher. „Das zeigt, wozu der Mensch fähig ist.“ Wegen dieser Erfahrung hat Bräuer nun „noch mehr Respekt vor den Läufern“, wenn er sie am 8. Juni zum elften Mal mit Worten ins Ziel begleitet. Denn der Moderator weiß nun endgültig, wovon er spricht.

Von Thomas Haegeler