Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Neue Schau: Meisterfotograf zeigt Italien auf überraschende Weise
Region Altenburg Neue Schau: Meisterfotograf zeigt Italien auf überraschende Weise
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:14 15.06.2019
Das Zentrum der Exposition: In seinem Zyklus „Fratelli d’Italia“ arrangiert Matthias Schaller 150 Fotografien von italienischen Musentempeln zu einer monumentalen Collage. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Vor Kurzem erst schloss die – am Besucherinteresse gemessen – sehr erfolgreiche Ausstellung zum Jubiläum „100 Jahre Bauhaus“, jetzt präsentiert das Lindenau-Museum seine zweite große Sonderschau des Jahres 2019. „Matthias Schaller – Fotografien“, so ist die Exposition überschrieben, die am morgigen Sonntagnachmittag um 15 Uhr eröffnet wird. Mit ihr wendet sich das Haus einmal mehr der Gegenwart zu, obgleich Historie darin eine gewichtige Rolle spielt. Gezeigt werden 170 Werke aus mehreren Serien des international agierenden Künstlers.

Eine weitere Facette der Beziehungen zu Italien

Die enge Verflechtung des Lindenau-Museums mit der (Kunst-)Geschichte Italiens ist wohl nicht nur Insidern hinlänglich bekannt. Die 180 Exponate umfassende und damit größte Sammlung von frühitalienischen Tafelbildern nördlich der Alpen gehört zu den wertvollsten Schätzen des Museums, lockt alljährlich Besucher aus dem In- und Ausland an und begründet zugleich den Nimbus, den die Einrichtung in der Kunstwelt genießt. Die vielgestaltigen Beziehungen des Museumsgründers Bernhard August von Lindenau zu Italien wurden bislang zudem in zahlreichen Sonderausstellungen thematisiert und aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Jetzt also fügt das Haus an der Gabelentzstraße diesen Jahrzehnte lang gepflegten Traditionen eine weitere Facette hinzu.

Noch nie aber in der bisherigen Museumsgeschichte dürften italienische Opernchöre, live dargeboten von einem vielköpfigen Ensemble, zu einer Vernissage erklungen sein. Auf eine Premiere solcherart dürfen sich die Gäste am morgigen Sonntagnachmittag freuen, denn im Rahmen der Eröffnungsveranstaltung, zu der auch der im Mittelpunkt stehende Fotograf Matthias Schaller anwesend sein wird, offeriert der Philharmonische Chor des Theaters Altenburg-Gera besagte Klänge, die sich seit weit mehr als 100 Jahren ungebrochener Beliebtheit erfreuen und einst in ihrer Entstehungszeit politisch brisante Botschaften vermittelten.

150 Fotografien von italienischen Musentempeln

Es ist eine Musikauswahl mit Hintersinn. Denn Einblicke in Opernhäuser Italiens, festgehalten in faszinierenden Aufnahmen, bilden einen der Schwerpunkte dieser neuen Sonderausstellung. In seinem Zyklus „Fratelli d’Italia“ arrangiert Schaller 150 Fotografien von italienischen Musentempeln zu einer monumentalen Collage. Mit dieser Zusammenschau von sehr ähnlich gestalteten Sälen, die allesamt während des Risorgimento (der italienischen Einheitsbewegung) im 19. Jahrhundert erbaut wurden, „manifestiert sich die Fiktion und Widersprüchlichkeit einer nationalen Identität“, so Ausstellungskurator Benjamin Rux. Jene „Fratelli d’Italia“ werden im Lindenau-Museum – und damit erwartet den Besucher ein überraschender und beeindruckender Effekt – auf einer riesigen, schräg in die historische Ausstellungshalle gebauten Wand präsentiert.

Das Zentrum der Exposition: In seinem Zyklus „Fratelli d’Italia“ arrangiert Matthias Schaller 150 Fotografien von italienischen Musentempeln zu einer monumentalen Collage. Quelle: Mario Jahn

Um dieses dominierende Zentrum der Exposition gruppieren sich die drei anderen Werkreihen Matthias Schallers, verteilt auf zwei Etagen. Zwölf Exponate der Serie „Purple Desk“ widmen sich in direkter Korrespondenz zu den Frühitalienern den Arbeitsräumen der Kurienkardinäle im Vatikan. Der sich wiederholende Blick auf Schreibtisch und Wand zeigt Stillleben unterschiedlicher Couleur, stets aber in gleicher Inszenierung.

Ein melancholischer Blick auf Venedig

Mit seinem nach dem finalen Titel aus Schuberts Liederzyklus „Winterreise“ benannten „Leiermann“ entführt Schaller den Betrachter auf melancholische Weise nach Venedig, wo frontal aufgenommene Spiegel die Leere in verfallenen Palazzi zeigen „und ein Abbild der Verlassenheit der von Touristen überrollten Lagunenstadt vermitteln, aus der die Einheimischen längst verschwunden sind“, wie Benjamin Rux auf einem Vorab-Ausstellungsrundgang anmerkte. „Das Meisterstück“ schließlich zeigt im Oktogon die ins Großformat gesetzten Malpaletten von vier der wichtigsten Künstler der Moderne: Vincent van Gogh, Wassily Kandinsky, Pablo Picasso und Cy Twombly, der 2008 für sein Lebenswerk mit dem renommierten Gerhard-Altenbourg-Preis ausgezeichnet und mit einer umfangreichen Ausstellung im Lindenau-Museum geehrt wurde.

„Purple Desk“: Für diese Serie betrat Schaller die Arbeitsräume der Kurienkardinäle im Vatikan. Quelle: Lindenau-Museum

Eines eint alle Arbeiten des Fotografen Matthias Schaller in dieser Schau: Sie zeigen keine Personen, sondern menschenleere Räume, die auf die Fantasie des Betrachters abzielen. Erst in dessen Rezeption entstehen die Bilder der Abwesenden und schreiben ganz eigene Geschichten zu den Fotos fort.

Für das Lindenau-Museum mit seinem Schwerpunkt italienischer Kunst erscheinen die jetzt ausgewählten vier Serien zu Kunst und Geschichte des Mittelmeerlandes als eine willkommene Entdeckung, deren eigene Eroberung in den kommenden Wochen bis zum 8. September möglich ist.

Führungen:

Donnerstag, 20. 6., 18.30 Uhr;

Sonntag, 30.6., 15 Uhr (für Familien: Erforschung der Farbpaletten berühmter Künstler und Herstellung einer eigenen Palette)

Sonntag, 21.7., 15 Uhr

Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag 12-18 Uhr;

Samstag, Sonntag, Feiertage 10-18 Uhr

Eintrittspreise: 6 Euro, ermäßigt 4 Euro, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre frei

Von Frank Engelmann

Ein solch bewegtes Leben wie es Artur Netz geführt hat, wird wohl nur wenigen Menschen zuteil. Und die meisten dürften froh sein, dass dies so ist, hat der Ex-Vorsitzende des Vertriebenen-Kreisverbandes doch so manche Höhen und Tiefen erlebt. Zum 90. Geburtstag blickt er zufrieden auf sein Leben zurück.

15.06.2019

Im April meldete die Destillerie & Liqueurfabrik in Altenburg Insolvenz an. Nun macht das Unternehmen sein Geschäft in der Altenburger Innenstadt dicht. Und es ist nicht der einzige Laden in der Baderei, der in Kürze schließt.

15.06.2019

Monatelang hat das Team des Jugendcafés Altenburg nach einem Domizil gesucht. Nun, durch glückliche Umstände, ist es gefunden: 280 bezahlbare Quadratmeter in guter Stadtlage. Auch einen Eröffnungstermin gibt es schon.

14.06.2019