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Altenburg Neue Tagesklinik will Suchtkranken in Altenburg helfen
Region Altenburg Neue Tagesklinik will Suchtkranken in Altenburg helfen
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10:39 21.01.2019
Stephan Krüger ist der Leiter der Einrichtung in der Zeitzer Straße.
Stephan Krüger ist der Leiter der Einrichtung in der Zeitzer Straße. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Helle Farben, gemütliche Einrichtung, entspannte Atmosphäre: Die Wohnung im Erdgeschoss in der Zeitzer Straße 18 wirkt auf den ersten Blick vor allem – gewöhnlich.

Angehörige werden einbezogen

Das ist auch gewollt, betont Stephan Krüger beim Ortstermin. Er muss es wissen, schließlich ist er seit diesem Montag für die Einrichtung verantwortlich. In der neu eingerichteten Tagesklinik III der evangelischen Lukas-Stiftung sollen teilstationär Suchterkrankungen behandelt werden. „Gerade deshalb ist eine möglichst freundliche Atmosphäre wichtig. Wir können so vielen Patienten ein Stück weit die Scham nehmen, die oft mit Suchtkrankheiten einhergeht“, erklärt Krüger.

Entsprechend ist das gesamte Konzept der laut Lukas-Stiftung in Thüringen einmaligen Einrichtung abgestimmt. Ein neuer Patient wird, wie auch in anderen Kliniken, am Empfang begrüßt und anschließend ins Sprechzimmer gebeten. Dort, wie auch im Behandlungszimmer, findet sich dann die erste Besonderheit: Statt zwei Stühlen finden sich drei Sitzgelegenheiten um den Beratungstisch herum.

„Wir wollen explizit auch Angehörige ermöglichen, an den Gesprächen teilnehmen zu können“, so Krüger. Oft hätten Suchterkrankungen bereits im Vorfeld der Behandlung zu Krisen im privaten Bereich geführt. Familienmitglieder oder Partner sollen daher soweit wie möglich in den Therapieprozess eingebunden werden.

Krankenschwester Christine Gehrmann, Einrichtungsleiter Stephan Krüger und Arzt Jonas Himmel (v.l.) kümmern sich gemeinsam mit einem achtköpfigen Team um die Patienten. Quelle: Mario Jahn

Gemeinsamer Austausch spielt zentrale Rolle

Etwa zwei bis drei Wochen, umreißt Krüger, könne dieser in Anspruch nehmen. Zunächst muss dabei der Körper der Patienten entgiftet werden, ein mehrtägiger Prozess. „Danach steigen wir in das Therapieangebot ein, mit einem festen Wochenprogramm“, führt er aus. Musiktherapie und Entspannungsverfahren kommen dabei ebenso zur Anwendung wie Gruppensitzungen, in denen Erfahrungen ausgetauscht werden. „So sollen die Süchtigen auch Kompetenzen lernen, etwa Trinkangebote abzulehnen und Risikosituationen für Rückfälle zu vermeiden. Und vor allem ihre Motivation, künftig trocken zu bleiben, soll natürlich gestärkt werden.“

Gemeinsamer Austausch spielt dabei eine zentrale Rolle, weshalb in der Einrichtung auch eine Küche als ungezwungener Treffpunkt zur Verfügung steht. „Wir müssen eine Beziehung zu den Patienten aufbauen, gerade, um Vertrauen zu schaffen und Schamgefühle abzubauen“, weiß Krüger. Wer trotzdem einmal eher für sich sein möchte findet im gemütlich eingerichteten Aufenthaltsraum Zerstreuung in Form von Büchern oder Spielen.

Alkoholkranke zunächst im Fokus

Primär, so Krüger, wolle man sich zunächst auf alkoholkranke Patienten konzentrieren. „Alkohol ist eine der häufigsten, auch psychischen Suchterkrankungen“, führt er aus. „Aber nur knapp zehn Prozent der Patienten nehmen tatsächlich Entgiftungsangebote wahr. Viele haben oft noch nicht erkannt, dass sie ein Problem haben.“ Gerade solche Menschen soll das neue Angebot in der Zeitzer Straße motivieren.

Bewusst soll die ambulante Einrichtung Stigmatisierungen von Betroffenen etwa durch Klinikaufenthalte verhindern. „Wir möchten die Menschen natürlich abfangen, bevor sie in die Klinik müssen“, betont Krüger. Statt 24-Stunden Betreuung kehren die Patienten am Nachmittag nach Hause zurück.

Zwölf Plätze stehen in der Tagesklinik zur Verfügung, ein achtköpfiges Team kümmert sich um die Betroffenen. Termine für Vorgespräche können jederzeit vereinbart werden, so Krüger, wichtig ist lediglich, dass für den Antritt einer Therapie ein Einweisungsschein des Hausarztes vorliegt.

Kontakt zur Klinik ist unter Tel. 03447 4996109 sowie per Mail an tagesklinik3@psychiatrie-altenburg.de möglich.

Von Bastian Fischer