Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Neue Wohnungen statt Komplettabriss: WAG setzt in Altenburg-Nord ein Zeichen
Region Altenburg Neue Wohnungen statt Komplettabriss: WAG setzt in Altenburg-Nord ein Zeichen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:36 17.04.2019
Das Bauprojekt Barlachstraße der WAG: Eine Hälfte des Blockes wird bis aufs Erdgeschoss abgetragen, die andere Hälfte bekommt neu gestaltete Wohnungen und einen Glaspavillon im Eingangsbereich. Quelle: WAG
Altenburg

In der Barlachstraße herrscht Abbruchstimmung: Wer in diesen Tagen den Straßenzug in Altenburg-Nord passiert, muss an schwerem Baugerät vorbei. Wo bis vor Kurzem noch der Block Nummer 38-41 stand, liegen nur noch Betontrümmer. Die Städtische Wohnungsgesellschaft (SWG) hat ihren Bestand reduziert. Und ein Stück weiter hinten, bei Nummer 49-52, läuft ebenfalls die Demontage – im Auftrag der Wohnungsgenossenschaft Altenburg-Glashütte (WAG). Doch etwas ist hier anders: Hier greift kein Bagger beherzt in die Fassade, hier mühen sich Bauarbeiter, die Platten behutsam voneinander zu lösen. Bei der WAG wird abgetragen statt abgerissen. Weil das Ziel hier nicht die grüne Wiese, sondern ein neu gestaltetes Wohnhaus ist.

„Schlechtes Image zu Unrecht“

„Wir wollen bewusst ein Zeichen setzen“, sagt Kai Trussat, Kaufmännischer Vorstand der Genossenschaft. „Altenburg-Nord trägt sein schlechtes Image zu Unrecht. Zwar gibt es auch hier Probleme“, relativiert er. Insbesondere vor gut drei Jahren, als umfangreiche Einquartierungen von Geflüchteten an der Glashütte liefen, die meist sich selbst überlassen blieben, intervenierte auch die Genossenschaft massiv. „Aber diese Zeit ist vorbei. Und in erster Linie wohnen in Nord Tausende Menschen, die die Vorzüge des Stadtteils schätzen, sich hier wohlfühlen – oft schon seit Jahrzehnten.“ Wenngleich die städtische Planung eine Stärkung der Innenstadt vorsieht: „Auch Altenburg-Nord hat eine Zukunft“, betont Trussat. „Deshalb lohnt es sich zu investieren.“

Die Vorstände der WAG, Detlef Wittig (links) und Kai Trussat, zeigen das aktuelle Bauprojekt in der Barlachstraße. Quelle: Kay Würker

Und das tut die WAG aktuell ganz erheblich. Für einen Millionenbetrag – genaue Zahlen werden nicht genannt – gibt sie der Barlachstraße 49-52 ein neues Gesicht. Nur eine Hälfte des Blockes wird bis auf Erd- und Kellergeschoss abgetragen. Die andere bleibt komplett stehen, wird aber entkernt. „Wir versetzen sämtliche nicht tragende Wände, um moderne Wohnungsgrundrisse zu schaffen“, erklärt der Technische Vorstand der WAG, Detlef Wittig. Zwei Vier-Raum-Wohnungen mit mehr als 100 Quadratmetern entstehen – ideal für Familien mit Kindern – sowie mehrere Drei-Raum-Quartiere mit 80 Quadratmetern. Die übrigen Einheiten mit zwei Räumen messen 50 bis 70 Quadratmeter. Es geht großzügiger zu als im alten WBS-70-Standard. 21 Wohnungen wird das neu gestaltete Haus künftig haben – der Ursprungsblock zählte 72.

Genossenschaft kaufte Block von SWG

Bis 2016 gehörte das Objekt der SWG. Die Genossenschaft – mit rund 800 Wohnungen Altenburgs drittgrößter Vermieter – kaufte es samt rund 5000 Quadratmetern Grundstück vorm und hinterm Haus. „Dazu musste eine Flurbereinigung durchgeführt werden, weil die Grundstücke zuvor verschiedene Eigentümer hatten“, schildert Kai Trussat. Die WAG wollte klare Verhältnisse. Und Gestaltungsfreiheit: Das Areal soll neu begrünt und mit Parkplätzen und Zufahrtsstraße ausgestattet werden. Außer den Mietern wird auch die WAG-Geschäftsstelle dort einziehen – in den neu entstehenden Flachbau.

Gehobener Standard

Dass die Wohnungen schnell Mieter finden, daran hat Trussat keinen Zweifel. Zehn verbindliche Reservierungen habe er schon. Immerhin gilt die Ausstattung für Altenburg-Nord-Verhältnisse als gehoben: Fahrstuhl, Balkon, barrierefreier Zugang, die Bäder mit Fenster und gefliest bis unter die Decke. Die Kaltmiete soll dennoch unterhalb von sieben Euro bleiben. „Das ist, zugegeben, eine sportliche Kalkulation. Wir müssten bei solch einer Investition eigentlich über acht Euro reden“, macht der Kaufmännische Vorstand deutlich. „Aber die Symbiose mit der Geschäftsstelle wirkt sich günstig aus, außerdem stehen Fördermittel für den Teilabriss und für die Schaffung barrierefreien Wohnraums in Aussicht.“ Letzteres werde vom Land Thüringen mit immerhin 10 000 Euro pro Wohnung bezuschusst.

Das Bauprojekt Barlachstraße in der Rückansicht. Quelle: WAG

Und außerdem, erinnert Kai Trussat, wolle die WAG ja ein Zeichen setzen. Das funktioniere in Altenburg-Nord nicht mit Luxus-Mieten. „Die Leute wollen und sollen ja hier bleiben.“ Die große Lust aufs Wohnen in Nord macht Trussat an der vergleichsweise niedrigen Leerstandsquote der WAG fest: „Unter sechs Prozent. Das liegt sicher auch daran, dass wir keine unsanierten Objekte mehr haben. Und der Leerstand konzentriert sich fast ausschließlich auf die fünften und sechsten Etagen, weil es keine Fahrstühle gibt und wir die hohen Bau- und Betriebskosten für den Lift nicht auf die Mieter umlegen wollen.“

Doch auch für die Treppensteiger-Quartiere ganz oben hat die Genossenschaft Ideen: Auf Wunsch legt sie Einheiten zusammen, erreicht dadurch Größen von bis zu 190 Quadratmeter. „Angesichts des leer gefegten Marktes für große Wohnungen gibt es dafür eine Nachfrage.“

Von Kay Würker

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auf die Tretboote, fertig, los! Pünktlich zum langen Osterwochenende startet der Bootsverleih am Inselzoo in die Saison. Neu-Pächter Angelo Antoniolli plant einige Erweiterung in den kommenden Monaten.

17.04.2019

Jetzt kann‘s losgehen. Am Dienstag wurden der Gemeinde Starkenberg die Fördermittel für den Neubau eines Gerätehauses überreicht. Insgesamt wird das Gebäude laut Planansatz rund zwei Millionen Euro kosten. Damit wird es – vorausgesetzt, die Ausschreibungsergebnisse entsprechen den Erwartungen der Planer – deutlich teurer.

17.04.2019

Die Tiefgarage in der Altenburger Jüdengasse ist derzeit geschlossen. Wegen Brandschutzmängeln kann sie seit Mittwoch nicht mehr benutzt werden, teilte die Stadtverwaltung mit. Für die betroffenen Nutzer gibt es Ersatzparkplätze

17.04.2019