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Altenburg Nörgelsäcke haben in Garbisdorf keine Zeit für Burnout
Region Altenburg Nörgelsäcke haben in Garbisdorf keine Zeit für Burnout
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06:00 01.08.2017
Enrico Wirth, Carsten Heyn und Markus Tanger (v.l.) haben Spaß bei ihrem Auftritt vor dem Quellenhof in Garbisdorf selbst Spaß.
Enrico Wirth, Carsten Heyn und Markus Tanger (v.l.) haben Spaß bei ihrem Auftritt vor dem Quellenhof in Garbisdorf selbst Spaß. Quelle: Mario Jahn
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Garbisdorf

„Keine Zeit für Burnout“ war das diesjährige Sommerkabarett der Gößnitzer Nörgelsäcke im beschaulich-idyllischen Garbisdorf überschrieben – und das darf man bei den Kabarettisten durchaus wörtlich nehmen. Denn zwischen dicht gefülltem Programmkalender ihrer Dependance in Baabe auf Rügen und den sommerlichen „Ausflügen“ ins Wieratal bleibt kaum Zeit, um ersthaft über Stress nachzudenken. Zumal noch gut ein Dutzend Sommerkabarett-Auftritte des Lachgeschäfts Gera hinzukommen, dem selbstständig agierenden zweiten Standbein der Crew unter Leitung von Markus Tanger.

Ein bei den Nörgelsäcken – ob in Gößnitz, Baabe oder Garbisdorf – seit vielen Jahren gewohntes und dennoch außergewöhnliches Bild: Vor der Vorstellung und in den Pausen bedienen die Kabarettisten ihre Gäste selbst. Quelle: Mario Jahn

Und dabei geht es in bewährter Weise bei den Nörgelsäcken – egal, wo sie spielen – nicht nur um Action auf der Bühne, sondern auch davor. Denn die Kabarettisten sorgen nicht nur für die Lacher im Publikum, sondern zugleich dafür, dass ihre Gäste ihre Karten kaufen können, ihre Plätze finden und genügend zu essen und zu trinken haben. So wuselten an den zurückliegenden beiden Wochenenden die Protagonisten des „Burnout“-Programms, Markus Tanger und Carsten Heyn, mit tatkräftiger Unterstützung einiger Helfer höchst selbst durch die Reihen, um Bestellungen aufzunehmen, Essen und Getränke zu an die Tische zu bringen und am Ende zu kassieren.

Hinzu kam bei den insgesamt sechs Auftritten in Garbisdorf in diesem Jahr noch eine weitere Aufregung – der bange Blick zum Himmel oder in die Wetter-App. „Wir hatten lange nicht eine solch unsichere Wetterlage“, bekannte Tanger. Denn vor jedem Auftritt musste neu entschieden werden, ob vor oder im Quellenhof von Garbisdorf gespielt wird. Glücklicherweise hatte Petrus ein Einsehen mit den rührigen Kabarettisten. Nur einmal, am ersten Spiel-Wochenende, musste am Sonnabend der zweite Teil der zweiten Hälfte nach drinnen verlegt werden, weil ein Gewitter aufzog.

Nichtsdestotrotz gab es insgesamt sechs schon im Vorfeld für die Indoor-Variante ausverkaufte Vorstellungen. Plus die Zahl derer, die angesichts des Wetterprognosen für den jeweiligen Abend kurzentschlossen den Weg ins Wieratal fanden, wollten sich über 600 Gäste das diesjährige Sommerkabarett nicht entgehen.

„Keine Zeit für Burnout“ hatte neben Markus Tanger und Carsten Heyn auch Enrico Wirth, der bei den Nörgelsäcken seit dem Weggang von Micha Kreft für die musikalische Begleitung und einige sangesfreudig-kabarettistische Einlagen verantwortlich zeichnet. Die Geschichte lebte von zwei dramaturgischen Bezugspunkten. Einmal war es eine halbe Million Kunststoffblumentöpfe, die auf den chinesischen Markt gebracht werden sollten. Zum anderen war es ein Gnu, das als Burnout-Verhütungsmittel durch Yogaübungen angebetet wurde. Für die Blumentöpfe war Tanger als chefhöriger Untertan des Unternehmers zuständig, Entspannung in der Herde afrikanischer Antilopen suchte indessen Carsten Heyn. Da ging es zudem um multitaskingfähige Männer oder um Lidl-Coupons, die man ausgerechnet an der Cote d’Azur einzulösen versucht. Tanger und Heyn gaben nicht nur in den gemeinsamen Auftritten, sondern auch mit solistischen Glanzvorstellungen ihrem Affen so richtig Zucker. Die Nummer des alkoholisierten Chirurgen, der noch 16 Kaiserschnitte braucht, um sein Krankenhaus über Wasser zu halten (Heyn) und der betagten alten Dame, die konsterniert auf ihren handysüchtigen Enkel reagiert (Tanger), müssen als Beispiele genügen.

Ein Lacher jagte den nächsten, zumal vor allem Markus Tanger in gewohnter Manier hellwach auf das Publikum reagierte und so ungeplante Heiterkeit erzeugte. Den Nörgelsäcken gelang einmal mehr der schwierige Spagat zwischen politischem Kabarett sowie Comedy und Witz. Ein begeistertes Publikum geizte nicht mit Beifall und verlangte nach Zugaben.

Eine Ruhepause gibt es nun wie gesagt für die Kabarettisten nicht, denn schon am Montag ging es wieder auf die Insel Rügen. Bis Ende Oktober wird in Baabe gespielt, doch schon am 23. September öffnet die Heimspielstätte in Gößnitz wieder und lädt gleich tags darauf zum Jubiläum „20 Jahre Nörgelsäcke“ ein – mit Kindertheater und einer Ausstellungseröffnung tagsüber sowie einem Abendprogramm mit fast allen Künstlern, die einmal zum Team der Nörgelsäcke gehörten. Dass die Feier auf den Tag der Bundestagswahl fällt, dürfte für die Nörgelsäcke eine zusätzliche Herausforderung sein. „Wir werden auf jeden Fall aktuell reagieren“ versichert der Chef.

Von Ellen Paul

04.08.2017
31.07.2017