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Altenburg Nur vier ABC-Schützen: Großstechau macht trotzdem Schule
Region Altenburg Nur vier ABC-Schützen: Großstechau macht trotzdem Schule
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05:45 13.09.2019
Mit Jonathan, Tayler, Noah und Finja (v.l.) wurden in diesem Jahr nur vier ABC-Schützen in Großstechau eingeschult und von Christin Schneider gemeinsam mit der zweiten Klasse unterrichtet. Quelle: Foto: Mario Jahn
Großstechau

Seit 22 Jahren ist Undine Zander Erzieherin an einer Grundschule, aber so etwas hat sie noch nie erlebt. Dafür stehen vier Namen: Finja, Jonathan, Taylor und Noah. So heißen die Schüler der neuen ersten Klasse in Großstechau. Sie haben richtig gezählt: In der Schule des Löbichauer Ortsteils wurden ganze vier ABC-Schützen eingeschult.Natürlich kann man aus so wenigen Schülern keine Klasse bilden. Und deswegen sitzen Finja, Jonathan, Taylor und Noah mit jenen 13 Knirpsen aus der Klasse zwei zusammen.

Diesen übergreifenden Unterricht gibt es in Großstechau erst seit zweieinhalb Schuljahren. Bis dahin gab es dort vier Lehrer, ehe einer davon nach Schmölln abgeordnet wurde. Seit Beginn des vergangenen Schuljahres wurden auch die Klassen eins und zwei zusammengelegt. Wie schnell so etwas gehen kann und was es bedeutet, daran kann sich Christian Schneider noch gut erinnern. An einem Freitag erfuhr die Grundschullehrerin, dass sie am Montag vor zwei Klassen stehen soll. „Das war natürlich eine Herausforderung.“ Aber auch für die anderen Kollegen. Christin Schneider spricht von einem Dämpfer, sogar einem kleinen Schock. „Wie sollen wir das denn hinbekommen?“, fragte man sich im kleinen Großstechau. „Aber wir haben nicht schwarz gesehen“, wirft Undine Zander ein.

Christin Schneider (l.) leitet die Grundschule „Theodor Körner“ in Großstechau. Undine Zander ist eine der beiden Erzieherinnen. Quelle: Jens Rosenkranz

Mittlerweile geht Christin Schneider mit dem Thema lockerer um, und mittlerweile ist Christin Schneider auch die Leiterin der Grundschule. Das Kollektiv besteht aus zwei Lehrern, sie eingeschlossen, und zwei Erzieherinnen, von denen jeweils eine in der Stunde hilft.

Für den Unterricht in den ersten beiden Klassen musste sie natürlich auch ihre Arbeitsweise ändern, schließlich kann sie sich nur jeweils einer Gruppe zuwenden. Dabei ist klar, dass eine davon meist selbstständig arbeitet, wenn sie mit der anderen spricht. Das funktioniert. Wenn die Erste Buchstaben lernt, bestimmt die Zweite Silben sowie Wort- und Satzarten oder erlernt erste Rechtschreibregeln. Die neuen ABC-Schützen sitzen dabei gemeinsam an einem Vierer-Tisch. Und wenn die Erste Zahlen gelernt hat, schreibt sie diese dann zur Übung in ein Heft, währenddessen Christin Schneider nun Zeit für die Größeren hat. Damit niemand gestört wird, setzt der eine Teil schon mal Kopfhörer auf.

„Die Vorbereitung ist natürlich wesentlich komplexer als für eine Klasse“, sagt die Schulleiterin. Im Sommer hat sich das Kollegium zusammengesetzt und beraten, wie man den Unterricht noch bessern strukturieren kann.

Die Schulturnhalle wurde in den letzten Jahren erst renoviert. Quelle: Jens Rosenkranz

Und was sagen die Eltern? Gibt es Ängste, dass ihre Knirpse nicht richtig lesen und schreiben können? Keinesfalls, meint die Leiterin. Viele waren am Anfang schon skeptisch, ob der Lehrplan unter diesen Bedingungen geschafft wird. Aber dieser sei ja auch für einen klassenübergreifenden Unterricht angelegt. Alle Eltern waren von dieser Struktur schließlich überzeugt. „Sie stehen auf unserer Seite, unterstützen uns und setzen sich ein. Denn der klassenübergreifende Unterricht hat Vorteile: Die Kinder sind viel selbstständiger und hilfsbereiter“, hat Christin Schneider beobachtet.

Quelle: Jens Rosenkranz
... und einen Spielplatz. Quelle: Jens Rosenkranz

Die Unterstützung der Eltern hat auch ihre Ursache darin, dass man in der Gemeinde Löbichau an der Schule hängt, sie als einen Standortvorteil sieht. Deshalb hilft die Gemeinde, beispielsweise bei der Reparatur des Pausenhofs. Auch der Förderverein ist zur Stelle. Und deswegen wirkt die Schule alles andere als vernachlässigt. Es gibt einen schmucken Speiseraum, eine solide Turnhalle, einen bunten Bolzplatz, im Sommer wurde die Garderobe gestrichen, im Jahr zuvor die Flure. Sicher, der Sand auf dem Spielplatz könnte mal erneuert werden und das Klettergerüst frische Farbe bekommen.

Hier nehmen Schüler und Lehrer ihre Mahlzeit ein. Quelle: Jens Rosenkranz

Hoffnung setzt man in Löbichau nunin den neuen Schulverbund im Südraum, wodurch Eltern aus anderen Gemeinden ihre Kinder in Großstechau einschulen könnten, die das bislang nicht durften. Und Hoffnung verspricht auch die neue erste Klasse. Bleibt es dabei, gibt es 2020 dann 18 Schulanfänger.

Von Jens Rosenkranz

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