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Altenburg Trockenheit: Schwache Obsternte im Altenburger Land
Region Altenburg Trockenheit: Schwache Obsternte im Altenburger Land
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19:49 05.09.2018
Trauriger Anblick: Die vertrockneten Johannisbeer-Sträucher mussten vielerorts komplett gerodet werden. Quelle: Gartenbau Thüringen
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Lumpzig

Die Bilanz der Landwirtschaftsministerin wirkt noch nach. Anfang der Woche hatte Birgit Keller (Linke) verkündet, dass Thüringer Landwirte Ernteausfälle in Höhe von 85 Millionen Euro zu beklagen hätten (die OVZ berichtete). Im Obst- und Gemüseanbau jedoch werde sogar ein besseres Ergebnis als in den Vorjahren erwartet. Diese Aussage kann der Verein Gartenbau Thüringen so nicht bestätigen.

Es habe auch bei Obst und Gemüse teils große Verluste bei der Ernte durch die Hitze und Trockenheit des Sommers gegeben, reagierte der Verein am Mittwoch in einer Pressemitteilung. Besonders auf Flächen, die nicht künstlich bewässert werden konnten, sei es zu erheblichen Ernteausfällen gekommen. In verschiedenen Betrieben, wie etwa in Lumpzig, vertrockneten beispielsweise fast vollständig die Pflanzenbestände von Schwarzen Johannisbeeren. Eine Beregnung sei dort nicht möglich gewesen, da weder Grund- noch Oberflächenwasser zur Verfügung gestanden hätten. Die Folgen seien gravierend, da die Flächen gerodet werden mussten, heißt es weiter.

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Obstbäume leiden unter Sonne und Schädlingen

Chrisante Geier vom Obstgut Geier in Lumpzig bestätigt das. „Dieser Sommer war für uns extrem durchwachsen“, berichtet die Landwirtin. „Die Johannisbeeren haben wir gerodet, die Schäden waren einfach zu groß.“ Ähnlich sehe es bei den neugepflanzten Erdbeeren aus. Auch mit der Apfelernte ist Geier unzufrieden. Die Früchte seien zu klein und hätten teilweise einen Sonnenbrand erlitten. Zudem ließen die Bäume ihre gewohnte Vitalität vermissen. „Bei dem Wetter arbeiten die sozusagen auf Sparflamme und werfen die Früchte eher ab“, berichtet Geier. Das sei vor allem bei den Pflaumen zu beobachten gewesen.

Zudem hätten Schädlinge, wie der Apfelwickler, den Pflanzen zu schaffen gemacht. Viele Früchte würden Spuren durch Käfer aufweisen. Auch Feldmäuse seien in diesem Sommer zum Problem geworden, berichtet Geier. „Die konnten sich bei dem guten Wetter ungehindert vermehren“, erklärt sie. „In den vergangenen Tagen waren wir nur damit beschäftigt, Mausefallen aufzustellen.“

Zukunft ungewiss

Durch zusätzliche Bewässerung konnten die Mitarbeiter des Hofes hingegen die Süßkirschen, Pfirsiche und Tafeltrauben retten. Trotzdem: Die Chefin des Obstgutes Geier bleibt skeptisch. „Ich kann nicht abschätzen, wie sich das auf die Folgejahre auswirkt“, sagt sie. Doch dass die Dürre keine Spuren hinterlasse, könne sie sich kaum vorstellen. Selbst der Hitzesommer des Jahres 2003 habe weniger schlimme Schäden hinterlassen. „So etwas habe ich in meiner 40-jährigen Arbeit noch nicht erlebt.“

Der Verein Gartenbau Thüringen geht davon aus, dass es auch in den kommenden Jahren zu verminderten Ernteerträgen kommen könnte. Gerade bei Dauerkulturen sei ein wirtschaftlicher Schaden wie in diesem Jahr nur schwer verkraftbar. Die Thüringer Obstbaubetriebe hätten noch mit den Folgen der Blütenfrostschäden 2017 zu kämpfen und stünden vor großen Herausforderungen. Daher hofft der Verein auf Hilfe von Politik und Gesellschaft für die Obst- und Gemüsebauern in Thüringen.

Von Pia Siemer