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Altenburg Oliver Tietze treibt Sanierung der Marstall-Reithalle voran
Region Altenburg Oliver Tietze treibt Sanierung der Marstall-Reithalle voran
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14:18 20.04.2019
Oliver Tietze kümmert sich um die Deckensanierung in der Reithalle des Marstalls. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Dass Oliver Tietze dieses Projekt am Herz liegt, wird schon nach wenigen Schritten durch die Reithalle des Marstalls deutlich. „So etwas zu erhalten ist allein schon deshalb wichtig, weil wir so sehen können, wie die Menschen vor knapp 150 Jahren getickt haben. Die Leute haben es damals quasi gar nicht ausgehalten, etwas nicht zu gestalten“, erklärt der Restaurator mit leichtem Schmunzeln, während sein Blick über die Decke des Gebäudes schweift.

Optische Täuschung an der Decke

Und tatsächlich: Was sich da auf gut 500 bis 600 Quadratmetern Fläche über dem Kopf des Besuchers erstreckt, zeugt von hoher Kunstfertigkeit der Handwerker. Nachdem das Dach 1848 fertig gedeckt wurde, gingen 1863 die Fachmänner ans Werk, um die Balken entsprechend zu verzieren. Dabei entstand eine Art optische Täuschung, wie Tietze erklärt. „Die Balken wirken wie Eiche, sind aber tatsächlich aus Nadelholz und wurden entsprechend bemalt.“ Auch die filigrane Einlegearbeit ist lediglich aufgemalt. „Die Maserierung wurde von einfachen Malern ausgeführt“, weiß Tietze. Überhaupt sei die Decke für ihr Alter in bemerkenswertem Zustand. „Dass Oberflächen über so lange Zeit nicht noch einmal übermalt werden, ist sehr selten.“

Noch bleibt in der Reithalle einiges zu tun. Quelle: Mario Jahn

Spuren der Zeit

Gänzlich spurlos sind die Jahre allerdings nicht an der Deckenkonstruktion vorbeigegangen. „Über die Jahre ist das Dach undicht geworden, gerade während der DDR-Zeit sind teils große Schäden entstanden. Die Decke hielt eigentlich nur noch aus Gewohnheit“, verdeutlicht Tietze die Situation. Die klimatischen Bedingungen in der durch kaputte Fenster zugigen Reithalle taten ihr übriges. 2006 schritt man zur Tat und führte eine erste Sanierung durch – mit durchwachsenem Ergebnis.

Zwar wurden die Schäden größtenteils beseitigt, allerdings beim Wiederanbringen der Bretter nicht all zu genau vorgegangen. Das Ergebnis: An mehreren Stellen passen die Einlegearbeiten nicht mehr zueinander, klaffen Lücken in der Bemalung. „Offenbar war kein Restaurator mit eingebunden, wurden teilweise einfach Bretter aufgenagelt und zurecht geschnitten“, lässt Tietze auch ein wenig Ärger durchblicken.

Im Zuge früherer Arbeiten wurden nicht alle Deckenbretter wieder an die richtige Stelle gesetzt. Quelle: Mario Jahn

Konservierung mit Kleber

Die gewünschte Wirkung wurde indes trotzdem erreicht, das Dach ist dicht und hält. Der zweite Schritt folgte im November und Dezember des vergangenen Jahres. „Wir haben erst einmal eine Konservierung durchgeführt. Parallel wurde eine Kartierung und Planung für das weitere Vorgehen erarbeitet“, berichtet der Fachmann. Konkret wurden die Bretter der Deckenkonstruktion vom groben Schmutz befreit und die teils blätternden Malereien mit Klebstoff aus Fotogelatine wieder befestigt. Zusätzlich wurde ein Deckenfeld rekonstruiert, um aufzuzeigen, welche Resultate möglich sind.

Nun liegt es an der Stadt zu entscheiden, wie das Gebäude künftig genutzt werden kann und soll – und welche weiteren Maßnahmen durchgeführt werden können. „Generell kann die Decke entweder vollumfänglich restauriert oder aber rekonstruiert werden“, beschreibt Tietze zwei Optionen. „Auch die reine Konservierung ist möglich, um das über die Jahre gewachsene Bild zu erhalten.“ Wichtig sei zudem, klimatische Untersuchungen durchzuführen, um zu verhindern, dass die sensible Konstruktion weiterhin der rauen Witterung ausgesetzt bleibt. „Dazu müssten natürlich die Fenster instand gesetzt werden.“

An manchen Stellen ist der einstige Glanz bereits wieder zu erahnen. Quelle: Mario Jahn

Wann es weitergeht, ist ungewiss

Einen konkreten Zeitplan für die weiteren Arbeiten gibt es jedoch noch nicht. Denn wie immer ist auch entscheidend, wie die Maßnahme finanziert werden kann. Denn billig wird keine der möglichen Optionen. Exakt festlegen kann und will sich Tietze hier noch nicht, „ein sechsstelliger Betrag steht aber definitiv im Raum“. So bleibt also abzuwarten, wie es in der Reithalle des Marstalls weitergeht. Lohnenswert wären etwaige Arbeiten jedoch allemal. Denn, so Tietze: „Hier zeigt sich, dass das Handwerk Mitte des 19. Jahrhunderts technisch und von den Fähigkeiten auf dem absoluten Höhepunkt war. So etwas findet man heute einfach nicht mehr.“

Von Bastian Fischer

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