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Altenburg Oper Leipzig verzaubert Meuselwitzer Grundschüler
Region Altenburg Oper Leipzig verzaubert Meuselwitzer Grundschüler
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17:47 08.01.2019
Prekäre Lage: Hänsel (Sandra Maxheimer, v.) sitzt im Käfig und wird von der Hexe (Dan Karlström) gemästet. Gretel (Magdalena Hinterdobler, l.) schmiedet Pläne.
Prekäre Lage: Hänsel (Sandra Maxheimer, v.) sitzt im Käfig und wird von der Hexe (Dan Karlström) gemästet. Gretel (Magdalena Hinterdobler, l.) schmiedet Pläne. Quelle: Foto: Mario Jahn
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Meuselwitz

„Vorsicht, das ist schwer. Und passt ein bisschen auf eure Finger auf“, warnte Ulrich Peter. Die Sorge des Bühnenmeisters war indes unbegründet: Fast schon wie die Profis hoben die vier Grundschüler – unterstützt von Peters starken Händen – den Bühnenboden in die Metallkonstruktion. Noch einmal kurz kräftig rucken, dann saß alles. „Cool“, fand dann auch der achtjährige Jonas. „Wir haben auch die Drehelemente aufgestellt und die Requisiten auf die Bühne geräumt“, berichtete sein gleichaltriger Kumpel Jack. „Nur den Hexenofen konnten wir nicht heben, der war zu schwer“, fügte Jonas an.

Schüler packen fleißig mit an

Gemeinsam mit anderen Schülern der Meuselwitzer Grundschule konnten die Knirpse am Dienstag einen ganz besonderen Projekttag erleben, denn hoher Besuch hatte sich in der Schnauderstadt angekündigt: Sänger der Oper Leipzig gastierten gemeinsam mit Musikern des Gewandhausorchesters in der Schnaudertalhalle, um die mobile Produktion „Hänsel und Gretel“ auf die Bühne zu bringen – und die Jungen und Mädchen durften rund um die Aufführung fleißig mit anpacken.

Mit der mobilen Produktion „Hänsel und Gretel“ gastierte die Oper Leipzig für die Meuselwitzer Grundschule in der Schnaudertalhalle. Auch 26 Musiker des Gewandhausorchesters waren mit von der Partie. Die Kinder durften rund um die Inszenierung kräftig mit anpacken.

Für die Verkabelung waren etwa unter anderem Antonio (10) und Noah (8) zuständig. „Kabel ziehen und festkleben, die Farbfolie in die Scheinwerfer einsetzen, sowas eben“, so Antonios knackige Antwort auf die Frage nach ihren Aufgaben. Und die, lobte Lichttechniker Torsten Wölfer, hätten die ihm zugeteilten Kinder mit Bravour gemeistert. „Dafür, dass sie das noch nie gemacht haben, lief es wirklich sehr gut.“

Gleiches Bild auch bei der dritten Gruppe im Bunde, die sich um die Logistik für das Orchester bemühte. Und das bedeutete: Stühle rücken, Notenständer aufbauen und Notenblätter verteilen – alles genau nach Aufbauplan, damit am Ende kein Musiker lange seinen Platz suchen musste. „Das ist total spannend, mal zu sehen, wie das alles gemacht wird“, waren sich die neunjährige Lea und Aaliya (8) einig.

Vorfreude bei Lehrern und Kindern

Bereits im Dezember wurden die Schüler von Theaterpädagogin Heidi Zippel auf den großen Tag vorbereitet. Vor allem im Musikunterricht sei das bevorstehende Ereignis danach immer wieder Thema gewesen, so Ursula Poschmann, Lehrerin der 3a. „Wir haben mit den ersten Klassen etwa das Lied ,Brüderchen, komm tanz mit mir’ einstudiert und auch noch einmal das Märchen vorgelesen“, zählte sie auf.

Mit dem Ergebnis der Vorbereitungen war dann auch Konrektorin Birgit Adler mehr als zufrieden. „Alles läuft reibungslos und die Opernmitarbeiter haben ein großes Verständnis für die Kinder“, freute sie sich. Kein Wunder, dass da die Vorfreude auf die Aufführung stetig stieg – bei Kindern und Lehrern.

Eine Stunde pure Bühnenmagie

Und die war berechtigt: Eine Stunde lang ließen sich die Schüler von Sängern und Musikern verzaubern. Da verwandelten sich die kleine Bühne und auch Teile des Zuschauerraums im Verlauf ins Wohnzimmer von Hänsel (Sandra Maxheimer) und Gretel (Magdalena Hinterdobler), in dem die beiden lieber umher tanzten, statt ihren häuslichen Aufgaben nachzugehen. Da verliefen sich die beiden Kinder im dunklen Wald, um schließlich am Lebkuchenhaus in die Fänge der bösen Hexe (herrlich hintertrieben und aufwendig kostümiert: Dan Karlström) zu geraten.

Groß war der Jubel, als Hänsel und Gretel diese am Ende in den Ofen beförderten, um anschließend wieder mit ihrem Vater (Jürgen Kurth) und der Mutter (Kathrin Göring, die erst am Sonntag zur umjubelten Wiederaufnahme des „Rosenkavalier“ in Leipzig gefeiert wurde) vereint zu sein. Alles mal sanft, mal schwungvoll untermalt von den 26 Gewandhaus-Musikern.

Musik zum Anfassen und Ausprobieren

Mucksmäuschenstill war es die meiste Zeit im Publikum. Sicher auch ein Verdienst der Inszenierung von Gundula Nowack, die das sonst gut zweistündige Werk aufs Wesentliche gerafft und mit Sprechpassagen aufgelockert hatte. „So können die Kinder einfach leichter am Ball bleiben. Und sie sind trotzdem immer wieder regelrecht überwältigt“, sprach die seit 42 Jahren in der Messestadt tätige Dramaturgin aus Erfahrung.

Der Spaß am Ausbruch aus dem gewohnten Rahmen war auch den Sängern und Musikern deutlich anzumerken. Während erstere nach Ende der Aufführung seelenruhig zig Autogramme schrieben, ließen sich zweitere bereitwillig von den kleinen Besuchern Löcher in die Bäuche fragen. Mal selbst den Bogen über die Seiten des Kontrabass ziehen, sich den Unterschied zwischen Flöte und Fagott erklären lassen oder einmal kräftig auf die mitgebrachte Trommel hauen? Alles kein Problem. Geduldig wurde jeder Wunsch erfüllt.

Darsteller freut Ausbruch aus dem Alltag

„Es ist einfach eine schöne Abwechslung von unserem Alltag, sowohl was den Auftrittsort als auch das Publikum angeht“, bekannte Cellistin Veronika Wilhelm. Der Kontakt sei enger, die Rückmeldung direkter. Das sah auch Sängerin Magdalena Hinterdobler so. „Man erlebt die Reaktionen der Kinder viel ungefilterter als auf der großen Bühne. Die Kinder fiebern richtig mit, das macht große Freude“, fasste sie ihre Eindrücke zusammen.

Der Applaus des jungen Publikums jedenfalls musste sich am Ende nicht hinter vergleichbaren Inszenierungen vor vollem Haus verstecken. „Ich fand es total toll“, fasste dann auch die zehnjährige Lea-Sophie unumwunden zusammen. Und kündigte an, bei Gelegenheit auch einmal das Leipziger Haupthaus besuchen zu wollen. Ein besseres Ergebnis hätten sich die Verantwortlichen wohl nicht wünschen können.

Von Bastian Fischer