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Altenburg Operettengala verzaubert mit unverbrauchten Stimmen im Schloss
Region Altenburg Operettengala verzaubert mit unverbrauchten Stimmen im Schloss
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16:16 14.08.2019
Gut besucht, aber nicht voll besetzt war die Operettengala des diesjährigen Altenburger Musikfestivals. Quelle: Mario Jahn
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Altenburg

Cheforganisator Rolf Olischer stand am Sonntagabend etwas betrübt neben der Abendkasse vor dem Festsaal im Residenzschloss und bemerkte trocken: „Wir sind nicht ausverkauft“. Dabei verwies er auf zwei Eintrittskarten, die eben zurückgegeben wurden. „Zwei Stühle bleiben leer.“ Das ist weniger schlimm für die Stühle als mehr für die plötzlich verhinderten Gäste, die eine Operettengala verpassten, die alles bot, was eine solche ausmacht und die sich gut einfügte in die Reihe der glanzvollen Veranstaltungen an den ersten vier Tagen des diesjährigen Musikfestivals. Der Verkauf für die Gala lief dabei insgesamt sehr zügig, die Besucher kauften ihre Karten fast alle sofort nach der Freigabe im Mai, ohne zu wissen, was ihnen im August geboten wird. Sie kauften die Operetten-Katze quasi im Sack in der Hoffnung, dass sie nicht enttäuscht werden. Und das wurden sie auch nicht.

Vier unverbrauchte Stimmen

Wenn sich eine Gala definiert als eine besonders prächtige Veranstaltung mit festlicher Kleidung, die im 17. und 18. Jahrhundert eingeführt wurde durch das Wiener Hofzeremoniell, dann blieb der „Altenburger Hof“ am vergangenen Sonntag etwas bescheidener, nicht aber im musikalischen Anspruch an das Konzert. Den garantierten die Herren des Leipziger Salonorchesters Cappuccino unter Leitung von Albrecht Winter im höchsten Maße und begleiteten die Absolventinnen und Absolventen der Leipziger Musikhochschule Charlotte de Montcassin (Sopran), Christina Bernhardt (Mezzosopran), Nils Hübinette (Tenor) und Joshua Morris (Bass) bei ihren Liedern aus dem vornehmlich klassischen Operettenfundus. Dabei bewiesen die vier Protagonisten mit ihren frischen und noch unverbrauchten Stimmen den hohen Stand der sängerischen Ausbildung an der Leipziger Hochschule.

Charlotte de Montcassin brachte viel frischen Wind auf die Bühne im Festsaal. Quelle: Mario Jahn

Von Paris bis Wien

So muss „Gala“ sein, möchte man ausrufen: Ein voller Saal mit erwartungsvollem Publikum, ein Programm mit den bekanntesten Hits der Operettenliteratur, musikalisch serviert mit einem Niveau, das höchsten Ansprüchen genügt, mit einer Moderation durch Albrecht Winter, die einer Gala gemäß ist und einem Publikum, das musikalischen Genuss mit dankbarer Freude und wahrer Begeisterung entgegennimmt.

Ein halbes Jahrhundert lang hatte die Operette in Paris regiert, dann wurde sie für einen gleichlangen Zeitraum in Wien hoffähig gemacht und bekam einen König: einen Walzerkönig. Der erste Teil der Operettengala brachte Musik aus dieser Wiener Operettenzeit, beschränkte sich lobenswerterweise aber nicht allein auf Johann Strauß. Er war mit seiner „Fledermaus“ vertreten, Carl Millöcker mit seinen beiden bekanntesten Operetten „Der Bettelstudent“ und „Gasparone“, dazu Franz Lehar mit seiner „Lustigen Witwe“ und Robert Stolz mit ungarischer Zigeunermusik in „Spiel auf deiner Geige“, Ralph Benatzkys „Mein Mädel ist nur eine Verkäuferin“ und Edmond Eyslers „Fein, fein schmeckt der Wein“ – ein Operettenhit nach dem anderen.

Das setzte sich nach der Pause fort, buntgemischt wie ein hochprozentiger Cocktail – und mit mindestens zwei Überraschungen.

Auch Christina Bernhardt begeisterte das Publikum. Quelle: Mario Jahn

Von kühlem Nass und der Wolga

Die eine waren drei Beispiele aus dem umfangreichen Werk des sowjetischen Schauspiel- und Filmkomponisten Isaak Dunajewski, dessen Lieder in der DDR rauf und runter gespielt wurden und die auch dem älteren Publikum dieser Gala noch bekannt waren, etwa der Eingangsmarsch aus „Zirkus“ und das Lied des Wasserträgers aus dem Film „Wolga-Wolga“, das wunderbar korrespondiert mit der heutigen klimatischen Wassersituation und das mit dem Satz endet: „und ohne kühles Nass, wär’ unsre Welt ein leeres Fass“. Joshua Morris gab diesem Lied mit seinem Bass die gebührende Wirkung.

Und da war noch das Operettenlied aller Operetten-Schmonzen, das Wolga-Lied aus Lehars „Der Zarewitsch“, lange nicht gehört auf den Bühnen dieser Stadt und geheimer Wunsch in allen Operettenseelen. Nils Hübinette kam die Aufgabe zu, es hier wieder salonfähig zu machen. Und er tat dies mit seiner dafür prädestinierten weichen Tenorstimme geschmackvoll und unaufdringlich. Das meist weibliche Publikum dankte es ihm mit allen ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zum Applaus.

Das Programm endete etwas unvermittelt mit dem Lied „Im Weißen Rössl’ am Wolfgangsee“, gemeinsam gesungen vom Quartett, das auf dem Weg ist zu guten Sängerinnen und Sängern.

Das Programm stand unter dem Thema „Heute hab` ich meinen schönsten Tag“.

Das trifft sowohl auf die Künstlerinnen und Künstler auf der Bühne zu wie auf das Publikum auch.

Von Manfred Hainich

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