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Altenburg Ostthüringen: Jeder zweite Handwerker meldet Vollauslastung
Region Altenburg Ostthüringen: Jeder zweite Handwerker meldet Vollauslastung
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08:53 29.10.2019
Die Handwerker in Ostthüringen haben gut zu tun, insbesondere im Baugewerbe. Quelle: dpa
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Altenburg/Gera

Das Ostthüringer Handwerk bleibt weiter stark, die Lage bei 92 Prozent der Ostthüringer Handwerksunternehmen ist positiv. Zu dieser Einschätzung kommt die Handwerkskammer (HWK) für Ostthüringen mit Blick auf ihre aktuelle Herbstumfrage. Zwar gebe es erste Anzeichen für eine allmähliche Konjunktureintrübung. Doch die starke Binnenwirtschaft, die unter anderem von steigenden Erwerbstätigenzahlen getragen werde, sei im Gegensatz zur schwachen Entwicklung der Exportindustrie aktuell ein Grundpfeiler des wirtschaftlichen Erfolges.

Die Handwerkskammer hat für ihre Erhebung 465 Mitgliedsbetriebe befragt. 92 Prozent der befragten Betriebe schätzen ihre derzeitige Geschäftslage demnach als gut oder befriedigend ein, wobei gut überwiegt. Unterschiede gibt es zwischen den Regionen im Osten Thüringens: Am größten ist die Zufriedenheit im Saale-Holzland-Kreis, wo 70 Prozent der Umfrageteilnehmer ein „gut“ ankreuzten. Etwa im Mittelfeld liegen Gera und Saalfeld-Rudolstadt. Im Altenburger Land und im Landkreis Greiz ist die Zahl derer, die ihre Geschäftslage als gut beurteilen, mit 59 Prozent am geringsten – doch immerhin 34 Prozent ordnen dort ihre Situation als befriedigend ein.

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Hochkonjunktur am Bau

Hochkonjunktur herrsche am Bau. Laut HWK berichten diese Branchen von guten Geschäftsentwicklungen. Unverändert gut zeige sich auch die Geschäftslage der handwerklichen Zulieferer. Die schwächere Industriekonjunktur habe noch nicht zu einer sinkenden Abnahme von handwerklichen Vorleistungen geführt. Auch die anderen handwerklichen Branchengruppen berichten von einer stabilen Geschäftsentwicklung.

Das Baugewerbe sowie die Zulieferer verzeichnen weiterhin gleichbleibend gute Umsätze, während in den anderen Branchen, wie dem Kfz-Handwerk, dem Nahrungsmittelhandwerk oder auch den personenbezogenen Dienstleistungen Umsatzeinbußen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von sechs Prozentpunkten registriert wurden, teilt die Kammer mit. Die derzeitige Auftragslage trage jedoch zu einem immer noch sehr positiven Ergebnis bei. 89 Prozent aller Betriebe bewerten ihre Auftragslage als überdurchschnittlich oder normal. Der Auftragsvorlauf liegt über alle Branchen hinweg bei durchschnittlich elf Wochen. Jedes zweite Unternehmen vermeldet Vollauslastung.

Kräftige Investitionen

Dank der insgesamt guten Geschäftslage und weiter günstiger Finanzierungsbedingungen haben die Ostthüringer Handwerksunternehmen wie im Vorjahr kräftig investiert. 41,6 Prozent der Unternehmen investierten in den Ersatz beziehungsweise in zusätzliche Maschinen und Geräte, um die hohen Auftragsbestände abarbeiten zu können. Die höchste Investitionsbereitschaft ist im Bauhauptgewerbe mit 60 Prozent, gefolgt vom Gesundheitsgewerbe mit 47,1 Prozent und dem Ausbaugewerbe mit 46,3 Prozent zu finden.

Dank der weiter robusten Geschäftslage zeige sich auch der Arbeitsmarkt im Ostthüringer Handwerk stabil und könne sogar einen leichten Beschäftigungszuwachs verzeichnen. Über 90 Prozent der Unternehmen haben neue Mitarbeiter eingestellt oder die Beschäftigtenzahl konstant gehalten.

Die Geschäftsaussichten in den Handwerksunternehmen deuten jedoch auf eine etwas schwächere Wachstumsdynamik hin, konstatiert die HWK. 13 Prozent der befragten Betriebe erwarten, dass sich die Geschäftslage leicht verschlechtert – immerhin acht Prozent mehr als noch vor Jahresfrist. In puncto Umsatz geht jedoch wie im Vorjahr fast jeder Vierte von weiter wachsenden Zahlen aus. 85 Prozent der Unternehmen rechnen mit konstanten oder steigenden Auftragseingängen. Von einer Aufstockung der Mitarbeiterzahl gehen jedoch lediglich acht Prozent der Betriebe aus – bedingt durch den sich weiter verschärfenden Fachkräftemangel im Handwerk sowie die bevorstehende Wintersaison.

Fachkräftemangel bereitet Sorgen

„Die Umfrageergebnisse stimmen uns trotz einer leichten Abschwächung weiter optimistisch“, so Klaus Nützel, Präsident der Handwerkskammer für Ostthüringen. „Das zeigt einmal mehr, dass das Handwerk als regionaler Konjunkturmotor unverzichtbar ist.“ Allerdings dürfe nicht verschwiegen werden, dass die – beispielsweise durch den zu erwartenden Brexit oder aber auch den Streit mit den USA um Strafzölle – aufgetretenen Probleme der Exportindustrie, wenn auch mit Verzögerung, das Handwerk erreichen können. Deshalb sei eine verlässliche und verantwortungsvolle Politik sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene wichtig. „Wir werden mit Spannung die Entwicklung bei den Koalitionsverhandlungen in Thüringen beobachten“, so Nützel.

Das Hauptaugenmerk ist und bleibe im Handwerk jedoch auf die Gewinnung der dringend benötigten Fachkräfte gerichtet. „Uns fehlen die Fachkräfte in nahezu allen Handwerksberufen. Duale Ausbildung statt Akademisierungswahn muss hier künftig noch stärker das Motto lauten“, fordert Nützel ein gezieltes Umdenken seitens der Politik.

Von OVZ