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Altenburg Parteiverrat? – Schwerer Vorwurf gegen Altenburger Anwalt
Region Altenburg Parteiverrat? – Schwerer Vorwurf gegen Altenburger Anwalt
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05:52 16.08.2019
Parteiverrat: Justizia bekommt es in Altenburg nun mit schweren Vorwürfen gegen einen Anwalt zu tun. Quelle: dpa
Altenburg

Der Fall eines Lehrers, der sich an einem behinderten Schüler vergriffen hat, bekommt ein juristisches Nachspiel. So werfen die Mutter des Jungen und ihr Lebensgefährte einem Altenburger Anwalt Parteiverrat vor. Konkret geht es darum, dass der Jurist beschuldigt wird, zeitweise sowohl die Interessen der Familie des geschädigten Gymnasiasten als auch die des angeklagten Pädagogen vertreten zu haben. Dabei soll er vertrauliche Informationen der Familie für eine Stellungnahme des Lehrers genutzt haben. Sollte sich der bereits angezeigte Vorwurf bewahrheiten, drohen dem Anwalt zwischen drei Monaten und fünf Jahre Freiheitsstrafe sowie der Verlust seiner Zulassung.

Eskalation beim Italiener im Parkhotel

Um wie viel es bei den Vorwürfen geht, zeigt eine Episode im Parkhotel, die sich in der Skatstadt verbreitete wie ein Lauffeuer. Zum dortigen Italiener begab sich die Familie des geschädigten Jungen am Mittwoch der Vorwoche, nachdem das Amtsgericht Altenburg das Verfahren gegen den Lehrer gegen eine Zahlung von 500 Euro eingestellt hatte. In dem Restaurant traf die Familie auf den von ihr des Parteiverrats beschuldigten Anwalt. Es wurde laut und emotional im zu dieser Zeit gut besuchten Lokal, wie mehrere Augenzeugen berichteten. Demnach standen die Streitenden kurz vor dem Rauswurf. Dabei sollen die Eltern dem Anwalt mit strafrechtlichen Konsequenzen bis hin zur Vernichtung seiner Existenz gedroht haben. Daraufhin soll der Jurist gut hörbar erwidert haben: „Ich habe die Akte vernichtet und euch nie eine Rechnung gestellt.“

Jurist soll Eltern beraten haben

Eine Eskalation, die auf einen Vorfall kurz vor Weihnachten 2017 zurückgeht. Wegen eines eingezogenen Handys gerieten damals an einem Altenburger Gymnasium ein Achtklässler und sein Vertretungslehrer aneinander, wobei der Pädagoge gegenüber dem Schüler, der eine Behinderung hat, handgreiflich wurde. Im Büro des Lehrers brach der gehandicapte Gymnasiast weinend zusammen, war wochenlang krank und weigerte sich aus Angst, weiter zur Schule zu gehen.

Weil es dafür laut der Familie weder eine Entschuldigung noch andere Konsequenzen gab, suchte man juristischen Rat und bekam Anfang Februar 2018 einen Termin bei einem erfahrenen Anwalt in Altenburg. Wie der Lebensgefährte der Mutter schilderte, traf man sich in der Kanzlei des Juristen zu einem ausführlichen Gespräch. Dabei soll der Anwalt mehrere Seiten mitgeschrieben haben: zum Vorwurf der Körperverletzung, zum mutmaßlichen Tathergang und zu Begleitumständen. Im Anschluss soll er der Familie unter anderem geraten haben, zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten. Das geschah.

Anwalt nimmt Mandat der Gegenseite an

In der Zwischenzeit, spätestens im April 2018, kontaktierte der nunmehr mit den Ermittlungen gegen sich konfrontierte Lehrer denselben Anwalt, der wiederum dessen Mandat annahm, vom Beschuldigten bevollmächtigt Akteneinsicht beantragte und für ihn sogar eine Erklärung gegenüber der Polizei abgab. In der Folge entstand zudem eine handschriftliche Gegendarstellung des Pädagogen auf die Vorwürfe des Schülers hin. In dieser soll er teilweise auf Angaben und Schilderungen reagiert haben, die die Familie nach eigener Aussage gegenüber dem Anwalt gemacht hatte.

Weil sich längere Zeit nichts tat, hakte die Familie nach. Auf Nachfrage soll der Jurist gesagt haben, dass man zunächst keinen Anwalt brauche, weil ja die Staatsanwaltschaft ermittle. Das reichte der Familie irgendwann nicht mehr, sie wurde stutzig. Als sie durch Nachfragen bei Behörden – vom Schulamt über Bildungsministerium bis hin zur Staatsanwaltschaft – auf Widersprüche stieß, wandte sie sich schließlich an eine Geraer Kanzlei. Der dort neu beauftragte Jurist schaute wiederum in die Akten, wodurch sich der Verdacht des mutmaßlichen Doppelspiels des Altenburger Kollegen erhärtete.

Altenburger schweigt zu Vorwürfen

Erschwerend kommt hinzu, dass die Geraer Kanzlei, die die Eltern nun vertritt, eine Kooperation just mit jenem des Parteiverrats beschuldigten Anwalt hat. Doch damit nicht genug der problematischen Verbindungen. Denn der Altenburger gab das Mandat des Lehrers laut Akte wiederum Monate später, im Herbst des Vorjahres, ab – und zwar an seinen Bruder, der ebenfalls Anwalt ist und den Pädagogen fortan vertrat. Das ist auf dem Umschlag der Akte auch so vermerkt.

Zu den Vorwürfen will sich der Jurist allerdings nicht äußern. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen“, erklärte er auf eine entsprechende OVZ-Anfrage hin. „Aber aus berufsrechtlichen Gründen kann ich dazu nichts sagen.“

Von Thomas Haegeler

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