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Altenburg Podiumsdiskussion im Altenburger Heizhaus zu jugendlichem Drogenkonsum
Region Altenburg Podiumsdiskussion im Altenburger Heizhaus zu jugendlichem Drogenkonsum
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05:15 09.12.2017
Die Teilnehmer der Diskussion im Altenburger Heizhaus (von links): Dirk Nowosatko, Professor Stefan Dhein, Petra Höpfner, Svea Haugwitz, Dirk Laucke, Valentin Rühlmann und Philipp Schmidt. Quelle: Edgar Lopez
Altenburg

Das Landratsamt Altenburger Land hatte am Donnerstag zu einer Veranstaltung über Drogenkonsum ins Landestheater Altenburg einladen. Auf der Bühne Heizhaus wurde zuerst Dirk Lauckes Stück „Vom Gefühl her: Fuck u!“ über Drogenkonsum von Jugendlichen aufgeführt. Im Anschluss daran wurde dazu eine Podiumsdiskussion geführt. Vertreten waren Kreisjugendamtsleiter Dirk Nowosatko, Kreisamtsarzt Professor Stefan Dhein, Petra Höpfner, die Mutter eines suchtkranken Sohnes, die ihre Erfahrungen in einem Buch („Zwölf Monate bis zur Endlichkeit: Freiwillig – unfreiwillig: Sechs Jahre mit Crystal Meth“) niedergeschrieben hat, Dirk Laucke, der Autor des aufgeführten Theaterstücks, sowie Philipp Schmidt und Valentin Rühlmann, Schüler der elften und zwölften Klassen des Altenburger Friedrich-Gymnasiums und Mitglieder des Altenburger Jugendforums. Die Moderation übernahm Svea Haugwitz, Dramaturgin am Landestheater.

Grundsätzlich brachte die Diskussion nicht allzu viele neue Erkenntnisse bekannter Teilnehmer. Das lag womöglich auch daran, dass sie nicht nur in dieser spezifischen Diskussion präsent waren, sondern allgemein in der Diskussion keine Unbekannten sind. Jugendamtsleiter Nowosatko sagte, dass der Landkreis mit seinem verstärkten Einsatz von Streetworkern im Bereich der Suchtprävention auf dem richtigen Weg sei: „Aber das ist erst noch der Anfang.“ Ab Mai solle es mit den Jobcenter eine als „Level 3“ bezeichnete Einrichtung geben, die die Vernetzung aller beteiligten Präventionsstellen, wie Sport- und Kulturvereinen, Beratungsstellen sowie der Verwaltung verstärkt. Professor Dhein ging in seinen Wortmeldungen auf seine bereits vielfach zitierte und diskutierte Studie ein.

Zusätzliche Erkenntnisse brachte die Perspektive derjenigen, um die es geht: die Jugendlichen. So sieht Philipp Schmidt an seiner Schule grundsätzlich kein Drogenproblem, fürchtet aber ihre mögliche Stigmatisierung. Die Konsumenten von Crystal seien zwar bekannt, stellten aber nicht die Mehrheit. Man müsse jedoch schauen, so Schmidt weiter, dass diese Einzelfälle nicht zunehmen. Tatsächlich haben nur 5,8 Prozent der befragten Schüler aus Professor Dheins Studie angegeben, schon einmal Crystal konsumiert zu haben. Das sind rund 60 Schüler im Landkreis, von denen etwa die Hälfte regelmäßig konsumiert.

Dhein entgegnete, dass diese Perspektive verkürzt sei, wenn man berücksichtige, dass nur eine Alterskohorte untersucht worden sei, die Zahl der tatsächlich Betroffenen also hochgerechnet werden muss. Valentin Rühlmann ergänzte, dass das Thema Suchtprävention mittlerweile zwar im Unterricht behandelt werde, dafür jedoch nicht genügend Zeit und Mittel verwendet werden würden. An seiner Schule gäbe es nicht einmal einen Schulsozialarbeiter. „Es fehlt Jugendlichen nicht an Information zum Thema“, stattdessen gäbe es für sie allerdings keine Anlaufstelle, an die sie sich mit Alltagsproblemen wenden könnten, so der Gymnasiast.

Drogenkonsum passiert nicht nur zur Lösung von Problemen, sondern ist oftmals auch ein Spaß- und Partyphänomen“, brachte Dirk Laucke als Einwand. Eine Beobachtung die auch die Schüler auf dem Podium sowie im Publikum häufig machen. Erst im späteren Konsumverhalten sei die Droge auch Stresslöser. Er sprach sich deshalb für ein tolerierendes Aufklärungsmodell aus, das positive Zugeständnisse an Drogenkonsum macht. Man müsse anerkennen, dass es ihn gibt, aber gleichzeitig mit den Konsumenten immer wieder das Gespräch suchen und sie ihr Verhalten reflektieren lassen.

Ein Ansatz, den auch Holger Heine teilt. Der kirchliche Sozialarbeiter aus Meerane war im Publikum zu Gast und hat in seiner Arbeit bereits seit 1997 mit suchtkranken Crystal-Konsumenten zu tun: „Wir dürfen diese Menschen nicht verurteilen“. Stattdessen müsse man jene Leute begleiten, die Veränderungswillen an ihrer Situation zeigen und ihnen auch einfachste Hilfestellungen, wie die Begleitung zu offiziellen Terminen, geben, sagte Heine: „Ein strukturierter Tagesablauf ist für sie elementar.“

Petra Höpfner unterstrich das: „Der ist sehr wichtig, denn sonst fallen die Leute trotz mehrfacher Therapien und Entzüge wieder in ein Loch.“ Ziel müsse es sein, „bei den Jugendlichen durch Aufklärungsarbeit eine Drogenmündigkeit zu erzielen“, so Heine. Die solle sie trotz möglichen Konsums immer wieder dazu bringen ihr Verhalten zu reflektieren. „Wie sieht im Suchtfall eine mögliche Therapie aus?“, könne eine damit verbundene Frage sein, sagte der Sozialarbeiter.

Eine Erkenntnis dieser Diskussion muss aber noch einmal gesondert erwähnt werden. Suchtprävention umfasst nicht nur Crystal und Cannabis. Auch in dieser Runde war den meisten Teilnehmern klar, dass Alkohol weiterhin das Suchtmittel Nummer 1 bleibt. Eine Erkenntnis, die auch Amtsarzt Dhein teilt. Seine nächste Studie wird sich folglich mit Alkoholkonsum befassen.

Von Edgar Lopez

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