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Altenburg Prüfung startet: Welche alten Schweinemast-Betriebe brauchen teure Geruchsfilter?
Region Altenburg Prüfung startet: Welche alten Schweinemast-Betriebe brauchen teure Geruchsfilter?
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05:00 12.01.2017
Für Schweinemastbetriebe gilt jetzt in Thüringen ein Filtererlass. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Schweineställe gelten landläufig als Quelle von üblen Gerüchen, vorsichtig formuliert. Ausgestoßen werden ebenso Luftschadstoffe wie Ammoniak und Staub. Dies führt zu sauren Böden und Gewässern, und damit letztendlich zu Reduzierung der Artenvielfalt in Flora und Fauna. Bei neuen Mastanlagen forderte der Gesetzgeber deshalb den Einbau von wirksamen Filteranlagen. Nicht davon betroffen waren allerdings die älteren Stallungen. Nun soll sich auch hier etwas tun, müssen die Betreiber die Luftfilter nachrüsten.

Grundlage ist eine EU-Verordnung, die das von Anja Siegesmund (Grüne) geführte Umweltministerium mit einem Filtererlass umsetzt. Seit Juni 2016 ist er in Kraft. Ziel ist die Verringerung des Ammoniak-Ausstoßes bis 2030 um 29 Prozent. Darüber informierte die zuständige Fachdienstleiterin für Umweltschutz, Birgit Seiler, die OVZ. Bis Juni 2018 ist nun Zeit, den Erlass umzusetzen. Im Altenburger Land wurde zunächst festgestellt, welche Betriebe davon betroffen sind. Denn es geht nur um große ältere Anlagen. Bei Mastschweinen sind dies Ställe mit mehr als 2000, bei Zuchtsauen mehr als 700 Tiere. Insgesamt sind dies im Landkreis sieben Anlagen (siehe Kasten).

Vom Filtererlass betroffene Anlagen

Zucht-Anlagen für Sauen mit mehr als 700 Tieren:

Niederhain 924 Tiere

Ponitz 816 Tiere

Löbichau: 1300

Schweinemast-Anlagen:

Löbichau 9200

Waltersdorf 6000

Kleintauschwitz 4300

Jückelberg 2880

Allerdings müssen in den Betrieben nicht auf jeden Fall Abluftreinigungsanlagen eingebaut werden. Voraussetzung sei, dass vom Schadstoffausstoß bestimmte Naturschutzflächen beeinträchtig werden, erläutert Birgit Seiler. Im Landkreis gibt es davon 15. Sieben EU-Flora-Fauna-Habitate, ein EU-Vogel- und sieben Naturschutzgebiete. Bekannt sind zum Beispiel der Leinawald, die Windischleubaer Wiesen, die Haselbacher Teiche oder das Restloch Zechau.

Nun beginnen im Landratsamt die Recherchen, ob die betreffenden Betriebe die genannten Naturschutzflächen beeinträchtigen, beispielsweise über die Entfernung, oder nicht. All dies soll in einem vernünftigen Miteinander mit den Firmen umgesetzt werden, betont Birgit Seiler. Ebenso hinzugezogen werden amtlich registrierte Beschwerden über Geruchsbelästigungen. Wenn diese Recherchen abgeschlossen sind, sollen die Betriebschefs eingeladen werden, um das weitere Vorgehen und den möglichen Einbau von Filtern zu besprechen. Notfalls muss dies auch angeordnet werden, sagt die Fachdienstleiterin. Entschieden sei noch gar nichts.

Der Hauptgrund, weshalb sich Bauern gegen die Filter wehren könnten, sind die Kosten. Die Nachrüstung von bestehenden Ställen mit Abluftfiltern ist oft schwierig und sehr teuer. Denn es geht nicht nur um die Installation, sondern es müssen auch die Bauhülle angepasst und ein Abluftkanal errichtet werden. Je nach Ausführung schwanken die Investitionskosten gewaltig. Fachleute rechnen bei 1500 Tierplätzen mit 82 000 bis 117 000 Euro, bei 3000 Mastplätzen mit 138 000 bis 183 000 Euro. Auch der Stromverbrauch gilt als ein gewaltiger Kostenfaktor, da die Berieselungspumpen ständig laufen. Zudem verbrauchen die Ventilatoren aufgrund des höheren Widerstands mehr Strom.

Nicht zuletzt wegen der enormen Kosten hält Kreisbauernverbandschef Berndt Apel die Filter-Forderung für völlig überzogen. Die Bauern seien frustriert und fänden den Erlass nicht gut, auch weil es sich um einen Alleingang Thüringens handele und bei der Umsetzung von EU-Richtlinien oft über das Ziel hinausgeschossen werde, sagte Apel der OVZ. Vor allem befindet er sich nicht im Einklang mit den Einnahmen, die die Betriebe derzeit mit Mast und Zucht erzielen, sagt Apel der OVZ. Im Moment würde dort kein Geld verdient und man sei froh über eine schwarze Null. Kommen bald die Kosten für den Filtereinbau und deren Betreibung hinzu, würden einige Betriebe mit Sicherheit in die Bedrängnis kommen, die Produktion einstellen zu müssen. Dies würde zu einer weitere Reduzierung der Tierproduktion kommen. Schon jetzt verfüge das Altenburger Land über 0,4 Großvieheinheiten pro Hektar. „Das ist lächerlich wenig“, sagt Apel.

Von Jens Rosenkranz

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