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Altenburg Ramona Heinicke näht in Altenburg hochwertige Faschingskostüme
Region Altenburg Ramona Heinicke näht in Altenburg hochwertige Faschingskostüme
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09:52 12.01.2020
Hat ihre Kunden in ganz Mitteldeutschland: Die Altenburger Maßschneiderin Ramona Heinicke näht Kostüme für viele Vereine. Quelle: Mario Jahn
Altenburg

Eine Faschingshochburg ist Altenburg zugegebenermaßen nicht. Die Zeiten großer und legendärer Karnevalsveranstaltungen sind in der Kreisstadt längst vorbei. Nichtsdestotrotz flötet Ramona Heinicke in der Altenburger Wenzelstraße: „Bei mir ist Fasching das ganze Jahr.“ Dabei ist es nicht so, dass die junge Frau unentwegt mit der Narrenkappe umherläuft und kalauert. Im Gegenteil: Fasching ist für sie eine ernste Angelegenheit, denn immerhin leben sie und ihre Angestellten in der „Maßschneiderei Ramona Heinicke“ zu großen Teilen vom Fasching beziehungsweise von den Aufträgen zahlloser Karnevalsklubs.

Hochkonjunktur kurz vor der Karnevalssaison

Aus ganz Mitteldeutschland kommen ihre närrischen Kunden. Jetzt, kurz vor den tollen Tagen, ist Hochkonjunktur in der Schneiderwerkstatt, was auf den ersten Blick nicht zu übersehen ist. Hier hängen rosa Röckchen für Funkengarde-Mädchen, dort liegt ein Stapel Elferrats-Kappen, und die geschickten Hände von Ramona Heinicke befestigen gerade eine goldene Verzierung am schicken Kleid einer Faschingsprinzessin.

Die meisten Vereine, die in ihrem Handwerksbetrieb Monturen, Kostüme und dergleichen anfertigen lassen, legen Wert auf Qualität. „Es gibt zwar in fast allen Vereinen auch Näh-Muttis, die sich ganz liebevoll um die Ausstattung der Vereinsmitglieder kümmern. Aber wenn die Stücke länger als zwei Jahre halten sollen, fragen uns die Vereine“, so Heinicke. Und die Karnevalisten kommen auch gern wieder. Etliche sogar schon viele Jahre. Viele Stammkunden lösten in der Wenzelstraße 26 bereits bei ihrer Vorgängerin, Birgit Poser, regelmäßig Aufträge aus. Vor acht Jahren trat dann Ramona Heinicke die Nachfolge an und übernahm das Geschäft.

Mitteldeutsche Narren sorgen für reichlich Arbeit

Nach wie vor sorgen die Karnevalisten für rund 50 Prozent des Umsatzes der Firma. Sie bestellen bei ihr maßgeschneiderte Vereins-Outfits, reich verzierte Prunkstücke und – nicht zu vergessen – die pompöse Garderobe für die Prinzenpaare. Und das nicht nur in der fünften Jahreszeit, sondern das gesamte Jahr über. Zum Beispiel werde sich ihr Team um die 20 Hosen, die sie vor ein paar Tagen zum Ändern angenommen hat, erst im Frühjahr kümmern. „Das ist ganz wichtig für mich, ich habe schließlich zwei Angestellte, die jeden Monat ihr Geld möchten“, schildert Heinicke beim Glattstreichen eines edlen Gehrocks. Nicht selten, so erzählt sie an dem guten Stück, sitzen die drei Schneiderinnen bis zu 40 Stunden über den maßgeschneiderten Einzelanfertigungen für Prinz und Prinzessin.

„Ach, für wen wir über die Jahre nicht schon alles gearbeitet haben“, meint die Schneidermeisterin dabei fast ein wenig erschrocken über die inzwischen verstrichene Zeit. Die Faschingsvereine aus Pegau, aus Jahnshain, Geisa, Großenhain, Zechau, Königsbrück oder Treben fallen ihr spontan ein, aber es seien natürlich sehr viele mehr. Nichtsdestotrotz versucht die Unternehmerin stetig, auch neue Kunden zu gewinnen. Regelmäßig besuche sie deshalb mit einem Messestand die Präsidententreffen der Karnevals-Verbände. Dort kann sie nicht nur neue Kunden gewinnen, sondern hört auch von den aktuellen Trends.

Exklusive Stoffe für den großen Auftritt beim Ball

Und die Mitglieder der Faschingsvereine wissen, was sie möchten. „Ein Teil hält weiter am eher preiswerten sogenannten Faschingssatin fest, weil dieser Stoff sich einfach leichter pflegen lässt. Nicht wenige fragen inzwischen aber auch nach hochwertigen Stoffen“, schildert Ramona Heinicke. Und diese lasse sie teils exklusiv für ihr Geschäft in Holland weben, berichtet die Firmeninhaberin stolz und zeigt einen Ballen Goldbrokat. Exklusive Stoffe, die natürlich auch für andere Anlässe taugen. Denn allein vom Narrentum könne der kleine Betrieb nicht überleben.

Mit einem Schmunzeln fällt ihr da die Adventszeit ein. „Wir sind fast überrannt worden, weil alle vor den Weihnachtsbällen noch schnell etwas genäht haben wollten.“ Und nun dauere es nicht mehr lange, bis die Abi-Ball-Saison ihre Schatten vorauswirft. Dann stehen wieder jede Menge junger Frauen mit leuchtenden Augen bei ihr im Laden auf der Suche nach dem Traumkleid. „Aber wir machen eigentlich alles“, wirbt Heinicke. Dazu gehörten auch ungewöhnliche Wünsche wie der Bezug einer Moped-Sitzbank oder die Abdeckung für ein Segelschiff.

Billig ist nicht unbedingt preisgünstig

Klar, das weiß auch Ramona Heinicke, haben Handwerk, Qualität und Exklusivität auch ihren Preis. Doch nachdem viele festgestellt hätten, dass sich mit Billigware aus dem Internet oft unterm Strich nichts sparen lässt, gebe es eine Rückbesinnung auf Qualität und Handarbeit, sagt die Schneidermeisterin noch, bevor sie sich einer eintretenden Kundin zuwendet.

Von Jörg Reuter

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