Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Altenburg Reise durch die Klangwelten des Jazz und Grunge
Region Altenburg Reise durch die Klangwelten des Jazz und Grunge
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:08 16.03.2016
Zauberten eine wunderbare musikalische Mixtur verschiedener Stile: Cyminology im Altenburger Lindenau-Museum.
Zauberten eine wunderbare musikalische Mixtur verschiedener Stile: Cyminology im Altenburger Lindenau-Museum.   Quelle: Jazzklub Altenburg
Anzeige
Altenburg

 Und genau diese Grundhaltung, etwas völlig Artfremdes mit Vertrautem zu verbinden und dabei top-modernen Jazz am Nabel der Zeit zu spielen, fesselte die sehr zahlreich erschienenen Zuhörer an diesem Abend im Oberlichtsaal des Kunsttempels. Zu hören gab es von der Bass-Suite über das klassische Trio bis hin zu poetisch-fließenden Passagen einen faszinierenden Stilmix, der immer wieder abwechslungsreich neue Spannungsbögen schuf. Da muss zunächst einmal der eigentlich nur als Aushilfsschlagzeuger eingeplante Tobias Backhaus genannt werden, der den Fellen, den Glocken und den Becken ganz neue Töne entlockte. Erst nur als Ersatz für eine kleine Japan-Tournee der Band eingeplant, scheint er nun schon nach kurzer Zeit fest verwachsen mit seinen drei Mitmusikern. Auf der anderen Seite perlten die Töne nur so aus den Saiten des Klaviers, das meisterhaft von Benedikt Jahnel bespielt wurde.

Die wohl vertrautesten Momente im Konzert entstanden aber immer dann, wenn Bassist Ralf Schwarz und die Sängerin Cymin Samawatie in den Dialog traten. Und hier kommt dann auch der Grunge ins Spiel, denn die Beiden musizieren schon seit 23 Jahren gemeinsam und sind daher bestens miteinander vertraut. Kennengelernt haben sich beide in Braunschweig, wo sie aufgewachsen sind und zunächst in einer gemeinsamen Grunge-Kapelle erste musikalische Erfahrungen sammelten. Die glockenklare Stimme der Tochter zweier iranischer Einwanderer präsentierte eindrucksvoll die Verse persischer Lyrik. Ein extrem flexibler Alt-Gesang brachte die tiefen Gefühle wie Liebe, Hoffnung und Trauer hervor, ohne dabei je überzogen pathetisch zu wirken. Eine wahre Meisterin ihres Faches mit einer beeindruckend flexiblen Stimme war da am Werk, die alle technischen Fertigkeiten besitzt und auch durch tiefe Feinfühligkeit beeindruckt.

Diese vier Virtuosen machten den Abend zum wahren Klanggenuss. Auch wenn wohl kaum einer im Saal die Verse der iranischen Dichterin Forough Farrokhzad bis ins Detail verstanden hat, so hat die universelle Sprache der Musik die persischen Texte erlebbar gemacht und ihre verbindende Kraft entfaltet.

Am 2. April 2016 lädt der Jazzklub Altenburg dann um 20 Uhr zu BSG9 ins Paul-Gustavus-Haus ein. Zu hören gibt es dann eine vierköpfige Band um den Haus-und-Hof-Musikus von Olaf Schubert, Bert Stephan, der hierzulande auch durch seine Mitwirkung bei Dekadance bekannt sein dürfte. Ein interessantes und spannungsgeladenes Hörerlebnis ist an diesem Abend mit der Bert Stephan Group garantiert.

Von Thomas Trummer