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Altenburg „Revisor“-Premiere: Zwei humorige Stunden, eine verpasste Chance
Region Altenburg „Revisor“-Premiere: Zwei humorige Stunden, eine verpasste Chance
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11:07 29.01.2019
Die Frau des Polizeimeisters (Ines Buchmann) würde an der Hand des Revisors Chlestakoff (Ioachim Zarculea) zu gern der Tristesse in der Provinz entfliehen. Quelle: Ronny Ristok
Altenburg

Schon mal in irgendeiner Behörde gewesen und sich mörderisch über den dort so offensichtlich wiehernden Amtsschimmel aufgeregt? Schon mal was davon gehört, dass Staatsbedienstete einander, wie soll man sagen, „gut Freund“ sind? Wohl ein jeder kann diese Fragen mit „Ja“ beantworten. Grund genug also für den Schauspieldirektor des Altenburg-Geraer Theaters, Manuel Kressin, Nikolai Gogols Komödie „Der Revisor“ auf den Spielplan zu setzen. Ein wissendes Publikum mit vielen Aha-Erlebnissen war ihm sicher. Das hat die Reaktion zur Premiere im Großen Haus des Altenburger Landestheaters am Sonntagabend eindrucksvoll bewiesen. Viele herzlich-laute Lacher während der Aufführung und ein nicht minder herzlich-starker Applaus zum Schluss legen Zeugnis davon ab.

Das war nicht der alleinige Grund für Kressin, der selbst inszenierte, nach vielen Jahren wieder einmal einen russischen Autor, noch dazu einen Klassiker, auf die Bühne zu holen. Korruption, Bestechlichkeit, Misswirtschaft, die Gogol 1836 so messerscharf pointierte, ist für den Regisseur ein zeitloses Thema, immer aktuell.

Trotzdem hat er sich entschieden, ziemlich werkgetreu zu bleiben und das gesamte Geschehen in einem Kaff in der russischen Provinz zu belassen, in der eine Hand die andere wäscht, Schlamperei und Misswirtschaft an der Tagesordnung sind. Ein wahrer Saustall eben. Und ausgerechnet jetzt, heißt es unter der Hand, hat St. Petersburg einen Revisor geschickt. Weil er inkognito reisen soll, wird Iwan Chlestakoff (die richtige Transkription wäre übrigens Chlestakow gewesen), ein mittelloser kleiner Beamter auf der Durchreise, schnell für selbigen gehalten. Schließlich logiert er seit zwei Wochen im Gasthof und speist dort fürstlich – ohne zu bezahlen.

Die Protagonisten geben dem Affen Zucker

Die Stadtelite versucht sich nach allen Regeln der Kunst, beim vermeintlichen Revisor einzuschleimen: besticht, bezirzt, denunziert. Und hier lässt Kressin seine Protagonisten – er bietet fast das gesamte Schauspielensemble auf – ihrem Affen so richtig Zucker geben. Ein Polizeimeister (Thorsten Dara), der seinen mit einer Goldbüste gekrönten Reichtum zu verstecken sucht, bevor er Chlestakoff devot in sein Haus einlädt und natürlich die Rechnungen bezahlt. Ein Hospitalverwalter (Bruno Beeke) und ein Postmeister (Markus Lingstädt), die den Rubel rollen lassen. Ein völlig verängstigter, schweißnasser Schulinspektor (Danijel Gavriloviic), der trotzdem mitmacht. Eine völlig überdrehte Frau des Polizeimeisters (Ines Buchmann), die sich dem Revisor förmlich an den Hals wirft, um der Tristesse der Provinz in Richtung Petersburg zu entfliehen. Und Manuel Struffolino als zwiegespaltene Persönlichkeit – Kressin vereint die Rollen der Gutsbesitzer Bobtschinski und Dobtschinski in einer – mit der schauspielerisch wohl besten Leistung des Abends.

Stramm stehen gelernt: In den alten Uniformen der 1980er-Jahre salutieren die Stadtoberen, hier der Hospitalverwalter (Bruno Beeke). Quelle: Ronny Ristok

Mithin hat Regisseur Manuel Kressin entgegen seiner Ankündigung, überaus menschliche Charaktere zeigen zu wollen, eher karikiert. Allein Chlestakoff (Ioachim Zarculea) bleibt ein ruhiger Beamter. Allerdings schien es, als habe er in der Pause mit dem pelzbesetzten Gehrock auch die Durchtriebenheit, das Hinterlistige in der Garderobe gelassen. Im einfachen Sakko gekleidet fehlen die Ausstrahlung und die diebische Freude, die anderen auszunehmen wie eine Weihnachtsgans.

Anspielung an die heutige russische Oligarchie

Ohnehin hat Kristopher Kempf (Bühne und Kostüme) sämtliche Protagonisten in moderne, zum Teil ziemlich verrückte Kleidung gesteckt. Dass sich dahinter eine Anspielung auf die heutige russische Oligarchie verbirgt, die zwar massig Geld, aber keinen Geschmack hat, versteht nur, wer vorher in aller Ausführlichkeit das Programmheft studiert. Gleiches gilt für den Höhenunterschied der Bühne von rund 20 Zentimetern oder die auf der einen Seite längeren Ärmel der Uniformen, in die die Stadtoberen im Angesicht des Revisors schnell wechselten. Sie sollen zeigen, dass hier etwas in Schieflage geraten ist. In Summe ein paar Effekte zu viel, die auf der Bühne verpuffen, weil sie einer Erklärung bedürfen.

Mit dem Einbau der Szene im Gasthof als eine Art Schaufenster in die Bretterwand hat Kempf hingegen eine tolle und ungewöhnliche Lösung gefunden. Zumal diese Stelle gleich mehrfach, nahezu kongenial genutzt wird. Das dort eingangs hängende teure Gemälde wird mit dem Einzug des Revisors durch ein riesiges Putin-Porträt ersetzt. Allerdings, der Zeitlosigkeit von Gogols Komödie geschuldet, mit der Frisur des Zaren und dem Schnauzbart Stalins. Herrlich!

Insgesamt bleibt eine Inszenierung, die zwei vergnügliche Stunden mit Wortwitz und Slappstick-Einlagen bietet, allerdings eine große Chance liegen lässt: das so zeitlose Stück nicht nur visuell, sondern auch verbal zu aktualisieren, am besten noch zu lokalisieren.

Nächste Aufführungen: 1., 9. und 16. Februar, jeweils 19.30 Uhr. Karten unter 03447 585160 oder www.tpthueringen.de.

Von Ellen Paul

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