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Altenburg Schaulustige sehen sich das an, was man sonst nicht sieht
Region Altenburg Schaulustige sehen sich das an, was man sonst nicht sieht
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14:54 08.09.2019
Beim Eröffnungskonzert vergab Oberbürgermeister André Neumann (l.) den Denkmalschutzpreis der Stadt Altenburg an Thomas W. Sperr (M.) und seine Frau Andrea (vorne). Foto: Mario Jahn
Altenburg

Für manche ist es Routine, für manche etwas seltsam, den Sonntagvormittag auf dem Friedhof zu verbringen. Am Denkmaltagtreibt es nicht nur Trauernde auf den Städtischen Friedhof, sondern auch viele Neugierige: Friedhofsverwalter Andreas Stabrey hat sich nämlich Museologin und Denkmalpflegerin Paula Stötzer eingeladen, die in drei Führungen à 90 Minuten Wissenswertes zur Bestattungskultur im Wandel der Zeit erzählt. Das Besondere dabei sind die verschiedenen Führungsstationen, denn zum Beispiel die Gottesacker-Kirche können Friedhofsbesucher an normalen Sonntagen nicht besuchen.

Paula Stötzer (r.) erzählt in der Gottesacker-Kirche etwas zur Geschichte des Altenburger Friedhofs. Quelle: Mario Jahn

Passend zur mystisch-melancholischen Atmosphäre dringen Rabenschreie aus den Blättern, als die Gruppe ihren Weg zur mittlerweile entweihten Kirche antritt. Paula Stötzer hat vor zwei Jahren ihre Masterarbeit über den Altenburger Friedhof geschrieben und kann deswegen allerhand berichten, auch über die folgenden zwei Stationen: die verfallenen Leichenzellen in der Friedhofskapelle und das Krematorium. In den Zellen, in denen rissige Steinpritschen zur Aufbahrung stehen, bleibt die Gänsehaut nicht aus – trotz strahlender Sonne.

Noch wird saniert in der Südstraße 14-18. Aber schon im Januar sollen die ersten Wohnungen in der ehemaligen „GAGfAH-Siedlung“ verkauft werden. Quelle: Mario Jahn

„Es ist schon traurig, dass in der Südstraße die Wohnhäuser so lange brach lagen“, sagt eine ältere Dame, die vor der Hausnummer 16 steht. Sie ist hier aufgewachsen, freut sich darüber, dass nach 20 Jahren wieder Leben in die Hausnummern 14 bis 18 kommt. Genannt werden möchte sie nicht. Privatinvestoren haben die ehemalige „GAGfAH-Siedlung“ gekauft und die Instandsetzungs- und Sanierungsarbeiten sind in vollem Gange. Katja Günther vertritt am Tag des offenen Denkmals die Eigentümer, führt Strichliste über die Besucher, beantwortet Fragen wie „Wird das eine offene Küche?“ und hindert die allzu Neugierigen, das Obergeschoss zu betreten. „Wir sind schon froh, dass wir Leute überhaupt reinlassen können, aber oben ist noch Baustelle“, sagt sie.

Neugier liegt der Luft, ein älteres Ehepaar informiert sich ganz genau, eine junge Familie, die vor kurzem eine gemeinsame Wohnung ergattert hat, macht sich ein Bild. Drei Eingänge gibt es, pro Eingang werden es vier Wohnungen. Drei weniger als zu Zeiten der Arbeiterschaft, die dort ursprünglich wohnte. Dafür sind die Wohnungen größer. Der Erstbezug erster Wohnungen soll im Januar erfolgen.

Das Stadtforum Altenburg hat in den Archiven zur Gabelentzstraße 1 recherchiert. Die Ergebnisse stehen für Besucher gut aufbereitet auf Plakatwänden. Quelle: Mario Jahn

Luftballons am Geländer zur Blauen Flut ziehen an der Gabelentzstraße 1 die Aufmerksamkeit auf sich. Denn das barocke Eckhaus ist noch zeitzerfressen wie eh und je. Das Stadtforum Altenburg hat sich jedoch entschlossen, am Denkmaltag auf das Potenzial hinzuweisen, das im Haus und im Areal An den Röhren schlummert. Begegnungen und einen kleinen Imbiss in unscheinbarer Stadtidylle bieten das Stadtforum, Nabu und der Verein Alternative Jugendprojekte auf der Grünfläche, ein Stück hinter dem Haus, an. „Wir haben auch ein bisschen im Archiv gegraben,“ erzählt Johannes Schaefer, Fraktionsvorsitzender des Stadtforum Altenburgs. Die Ergebnisse haben sie an einer Plakatwand festgehalten: Alte Karten erzählen vom Altenburg aus dem Jahr 1914, alte Bilder davon, dass die Gabelentzstraße einst Ernst-Straße hieß, Texte erinnern daran, dass unter anderem in diesem Haus ein „Möbleurgeschäft“ und ein Geschäft für Särge aus Eisen ihre Dienste anboten. 15 Jahre steht das Haus leer und hinter dem Verwilderten, Verriegelten stecken viele Möglichkeiten, die das Stadtforum nutzen will, es sei jedoch nicht einfach, in Kontakt mit dem Besitzer zu treten, so Schaefer.

Denkmalschutzpreis vergeben

Im August hatte die Stadt Altenburg den Gewinner des Denkmalschutzpreises 2019 bekannt gegeben: Der ging an die Sanierer der Gründerzeitvilla in der Käthe-Kollwitz-Straße 46, die Altenburger Immobilien GbR Lucas und Thomas Sperr. Die Entscheidung der Jury war einstimmig gefallen. Die Preisträger erhielten beim Eröffnungskonzert in der Brüderkirche eine Ehrenurkunde. Außerdem ist die nach Johann Georg Hellbrunn benannte Auszeichnung mit 2000 Euro dotiert. Anerkennungsurkunden sowie Geldpreise in Höhe von 500 Euro gingen an die Eigner des Kulturdenkmals Uhlandstraße 8/10 und des Wohnhauses Pauritzer Straße 1.

Von Katharina Stork

Thomas W. Sperr, ein Steuerberater aus Stuttgart und diesjähriger Gewinner des Denkmalschutzpreises der Stadt Altenburg, will das heruntergekommene Hotel „Europäischer Hof“ gegenüber vom Bahnhof sanieren. Damit könnte gelingen, was viele nicht mehr für möglich hielten.

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