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Altenburg Schlammlawinen sorgen für Unmut in Remsa
Region Altenburg Schlammlawinen sorgen für Unmut in Remsa
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18:06 04.07.2019
Gert Werrmann aus dem Windischleubaer Ortsteil Remsa hat bei der jüngsten Überschwemmung gut drei Kubikmeter Schlamm von seinem Grundstück entfernt und auf den Acker geschafft, von dem er kam. Quelle: Thomas Haegeler
Remsa

Das Leben in Remsa ist beschaulich. Hier streunt eine Katze umher, dort bellt ein Hund. Dazwischen arbeiten Anwohner in ihren Gärten und unterbrechen ihre Aktivitäten nur für einen kurzen Plausch. Ab und an rauschen Autos vorbei und verschwinden in den alleenartigen Straßen rings um den Windischleubaer Ortsteil, der – von Baumgruppen und Feldern eingefasst – kurz hinter den Toren Altenburgs liegt. Wenn die Sonne scheint, ist das Idylle pur.

Bei Starkregen wird aus Ruhe Hektik

Doch das ändert sich, sobald es gewittert und stärker regnet. Schnell wird dann aus Ruhe Aufregung und Hektik, weil bei Starkregen das Wasser von einem abschüssigen Feld neben der Poschwitzer Straße über diese schießt und anliegende Grundstücke flutet. Das versetzt die Anwohner in Alarmzustand. Dabei spülen die Wassermassen regelmäßig Erde vom Acker, so dass eine Schlammlawine durch Teile Remsas schießt.

Dramatische Szenen spielen sich zu Pfingsten durch Starkregen in Remsa ab. Die damit einhergehende Schlammlawine ist heute noch nicht vergessen.

Gert Werrmann kennt das Problem. Seit dem Bau der Altenburger Ortsumfahrung und der Verlegung der Poschwitzer Straße werde seine Grundstück, das schräg gegenüber des Feldes liegt, immer wieder geflutet. „Ich habe die Einfahrt bereits verlegt und eine Mauer ums Grundstück gebaut“, sagt der Remsaer. Aber weder das, noch ein selbst gebauter Kanal an der hangabwärts verlegten Einfahrt helfen im Ernstfall. „Das Wasser läuft jetzt nur weiter unten rein.“ Schon 30 Liter Regen binnen einer halben Stunden reichten.

Spuren des Schlamms entlang angrenzender Grundstücke

Das letzte Mal gab es einen solchen Guss am Pfingstmontag. Allein da und am nächsten Tag habe er gut drei Kubikmeter Schlamm von seinem Grundstück entfernt, erzählt Werrmann und zeigt auf einen Haufen, den er am Rand des Feldes aufgeschüttet hat. Mache man das nicht, werde der Schlamm knochenhart und verbinde sich untrennbar mit allem, an dem er klebe.

Eine Erfahrung, die auch Ingo Posern und seine Familie gemacht haben. An der Außenwand seines Grundstücks, das an der Kreuzung Hauptstraße/Poschwitzer Straße liegt, sind noch die Schlammflecken zu sehen, die vorbeifahrende LKW hinterlassen haben. „Das muss noch gekärchert werden“, sagt er. Ein ähnliches Bild bietet sich auf seinem Hof, in den das Schlammwasser durch eine Öffnung unter dem Tor seiner Zufahrt gedrungen ist. Auf und vor allem zwischen den Pflastersteinen ist die Erde – trotz Einsatz eines Hochdruckreinigers – noch sichtbar.

Betroffene Anwohner erhöhen Druck

„Wir haben jetzt zwar Sandsäcke, aber auch die halten das Wasser nicht ewig“, erzählt der Eigentümer. An jenem Pfingstabend habe man „alle Gullys gezogen. Mehr können wir nicht tun.“ Zwei Abläufe befinden sich auf der Straße. Ein weiterer auf dem gegenüberliegenden Garagenhof, der ebenfalls überflutet wurde und im Innern noch heute feucht ist. Laut Anwohnern gibt es entlang der Straße insgesamt zu wenige Abläufe – und die verstopfen oft. „Durch den Schlamm sind die Gullys wie zubetoniert“, sagt Posern und Werrmann ergänzt: „Die Kanalisation schafft es nicht.“

Weil es noch nie so schlimm war wie Pfingsten und die unbürokratische Hilfe durch den Pächter des Feldes, die Osterland Agrar GmbH, länger als sonst auf sich warten ließ, machen die Anwohner nun Druck. So gab es mindestens ein Schreiben, in dem rechtliche Schritte angedroht wurden, wenn nichts passieren sollte. Einen Prozess will Siegfried Runkwitz aber vermeiden.

Pächter Osterland Agrar will Rechtsstreit vermeiden

„Wenn den Leuten nicht geholfen wird, haben sie irgendwann den Kanal voll und gehen vor Gericht“, sagt der Osterland-Agrar-Geschäftsführer. „Wir kennen das von anderswo.“ Auch wenn die Richter bisher meist pro Pächter entschieden hätten, sieht er den Rechtsweg als schlechteste Option und erntet dafür Zustimmung von den Remsaern. „Alle, die hier gebaut haben, müssen an einen Tisch und über Lösungen reden“, fordert Runkwitz. „So kann es jedenfalls nicht bleiben. Das ist ein selbst gebautes Problem.“

Die Osterland Agrar hat schon einiges unternommen, um die Situation zu entschärfen. So hat man laut Runkwitz bereits eine Stück des 13,2 Hektar großen Feldes im Rahmen des Straßenbaus als Überflutungsfläche samt Damm und neuer Zufahrt in der Luckaer Straße abgegeben. Zudem zieht der Pächter die Furchen schon anders als früher. Der Altenburger Boden halte zwar schon viel, aber besonders nach langer Trockenheit „sucht sich das Wasser seinen Weg“.

Bürgermeister hofft auf Lösung bei Termin im Juli

Um diesen etwas zu beschneiden, wurde bereits ein kleiner Erdwall am Feldrand aufgeschüttet. „Wir haben die Fläche ausnivelliert“, sagt Windischleubas Bürgermeister Gerd Reinboth (CDU), dem die Betroffenen leid tun. Obwohl die Gemeinde theoretisch nicht zuständig ist, hat er sich praktisch mit einer Besichtigung und Gesprächen schon gekümmert. „Wir wollen das geklärt haben, sind an einer Lösung dran.“

Zumal sich das Problem aus Reinboths Sicht mit einer Mulde und damit relativ geringem Aufwand lösen ließe. „Nächster Schritt ist ein Treffen mit den Anwohnern, dem Eigentümer, der Osterland Agrar, der Gemeinde, dem Kreis und dem Straßenbauamt Gera“, so der Bürgermeister. Erste Kontakte vermittelten ihm „ein positives Grundgefühl“. So soll der Termin noch im Juli stattfinden. „So schnell wie möglich.“

Von Thomas Haegeler

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